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MV aktuell Experte aus Rostock warnt: „Es gibt keine gesunde Bräune!“
Nachrichten MV aktuell Experte aus Rostock warnt: „Es gibt keine gesunde Bräune!“
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19:13 25.06.2019
Prof. Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie an der Unimedizin Rostock, zeigt, wie mit einem digitalen Auflichtmikroskop, auffällige Pigmente auf der Haut erfasst werden. Deren Entwicklung wird bei Hochrisikopatienten einmal jährlich gecheckt. Quelle: Volker Penne
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Rostock

Sommer, Sonne, Badespaß: Vor sorglosem Sonnenbaden indes warnen die Hautärzte des Landes. „Denn die im Sonnenlicht enthaltenen schädlichen ultravioletten Strahlen (UV) lassen das Hautkrebsrisiko enorm ansteigen“, betont Prof. Dr. Steffen Emmert. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen sei hoch, erklärt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie an der Unimedizin Rostock.

Jährlich etwa 280 000 Neuerkrankungen bundesweit

„Bundesweit wird bei bis zu 250 000 Bürgern weißer und in etwa 30 000 Fällen schwarzer Hautkrebs neu diagnostiziert“, so der Dermatologe. In MV hat sich die Zahl der jährlich an den verschiedenen Hautkrebsarten erkrankten Bürgern in nur zehn Jahren mehr als verdoppelt: Laut der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland gab es 2014 noch 1805 Betroffene. 2014 waren es 4455.

Tumore zerstören das Gewebe

Prof. Dr. Michael Jünger, der regelmäßig Hautkrebszentren in Deutschland besucht, registriert beim weißen Hautkrebs eine jährliche Steigerungsrate bei Neuerkrankungen von 8 bis 15 Prozent. „Zu diesen bösartigen Hauttumoren gehören das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom“, erklärt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Uni-Medizin Greifswald. Im Gegensatz zum malignen Melanom sei die Gefahr, an den Folgen dieser Krebserkrankungen zu versterben, relativ gering, so der Experte. Allerdings zerstören die Tumore systematisch das Gewebe. Im Klartext: Nase, Ohren, Gesicht, Augen bis hin zu Knochen würden praktisch aufgefressen.

Hautkrebs: Vorsorgecheck ab 35 Jahren

Ab dem Alter von 35 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine sogenannte „Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs“. Es geht bei dem etwa zehn Minuten dauernden Hautscreening darum, frühzeitig zu entdecken, ob ein Patient an einer dieser Krebserkrankungen leidet: malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs), Basalzellkarzinom (weißer Hautkrebs), spinozelluläres Karzinom (Stachelzellkrebs) sowie Vorstufen.

Alle zwei Jahre kann diese Untersuchung wiederholt werden. Mehrere Krankenkassen bieten den Check, den speziell geschulte Ärzte vornehmen, öfter und bereits für jüngere Patienten an.

Mehr Infos unter www.krebsgesellschaft-mv.de bzw. www.krebshilfe.de

Experte: Sonne ist Freund und Feind

Die Experten sind sich einig: Die Dosis macht das Gift. Prof. Dr. Stephan Sollberg, der als Hautarzt in seiner Praxis in Parchim (Landkreis Ludwigslust-Parchim) arbeitet, bezeichnet die Sonne als Freund und Feind. „Allein durch die Nahrungsaufnahme ist es unmöglich, den Vitamin-D-Stoffwechsel aufrechtzuerhalten“, erläutert der Vorsitzende der Dermatologischen Gesellschaft MV. Vitamin D sei unter anderem für die optimale Knochendichte und für die Muskelspannung bedeutsam. Zudem wirke die Sonne als Stimmungsaufheller, so der Mediziner.

Die nötige Dosis an Sonnenlicht für den Vitamin-D-Haushalt aber erhält man in diesen Wochen praktisch nebenbei. „Vermeiden Sie einen Sonnenbrand“, appelliert Prof. Sollberg. Dies gilt vor allem bei Kindern, die eine sehr empfindliche Haut besitzen. Denn die UV-Strahlen können das Erbgut im Zellkern zerstören. Die meisten der geschädigten Zellen sterben zum Schutz der Haut. Sie können aber auch zu Ausgangszellen für einen Tumor werden. Die Hautärzte sprechen vom individuell verschieden groß ausfallenden Lichtkonto der Haut.

Wenn der Reparaturmechanismus überfordert wird

Wird dieses überzogen, also der Reparaturmechanismus überfordert, kommt es zum Entstehen von Hautkrebs. „Es gibt keine gesunde Bräune“, verdeutlicht Prof. Emmert. Er rät zum Vorsorgecheck (siehe Kasten), den alle Versicherten ab 35 nutzen können. Während im Westen 30 Prozent der Anspruchsberechtigten diese Chance nutzen, sind es im Osten nur 15 Prozent. Der Nordosten mache da keine Ausnahme, so der Facharzt. Ursachen seien fehlendes Problembewusstsein, aber vor allem die oft langen Wege zu den aktuell 83 Hautärzten im Flächenland MV.

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