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MV aktuell Munitionsbergungsdienst: „Auch Munition kleiner Kaliber ist gefährlich“
Nachrichten MV aktuell Munitionsbergungsdienst: „Auch Munition kleiner Kaliber ist gefährlich“
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20:17 27.06.2019
Kampfmittelbelastung in Mecklenburg-Vorpommern Quelle: Benjamin Barz
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Schwerin/Lübtheen

90 000 Hektar des Festlands Mecklenburg-Vorpommerns sind nach Angaben von Robert Mollitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes MV, belastet. Das entspricht etwa 3,8 Prozent der Gesamtfläche.

„Rund 38 000 Hektar der betroffenen Fläche haben die höchste Gefahrenstufe 4“, sagt Mollitor. In diesen Gebieten sei vor allem Munition vorhanden, die nah an der Oberfläche liegt und oftmals nur von Blättern bedeckt wird. „Wenn jemand auf so eine Granate tritt, kommt es selten sofort zur Detonation“, sagt der Experte. „Die unsachgemäße Handhabung ist das Problem. Beispielsweise wenn jemand einen Fund mitnimmt.“

Zwei-Zentimeter-Granate enthält zehn Gramm Sprengstoff

Der Waldbrand in Lübtheen hat die Einsatzkräfte daher vor einen besonders gefährlichen Einsatz gestellt. „Oberflächennahe Munition kann schnell detonieren“, sagt Mollitor. Aus diesem Grund konnte die Feuerwehr nicht direkt zum Brandherd. Denn auch Munition kleiner Kaliber sei gefährlich. So enthalte eine Granate mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern bereits zehn Gramm Sprengstoff. Bei einer Explosion fliegen Splitter weg und führen in nächster Nähe zu tödlichen Verletzungen. „Waffen mit Splitterwirkung wurden früher vor allem eingesetzt, um Weichziele, also Menschen und kleine Fahrzeuge, zu treffen“, erklärt der Leiter des Bergungsdienstes.

Splitter fliegen weit – deshalb 1000 Meter Sicherheitsabstand

Neben der kleinen Munition gebe es auch wesentlich größere Granaten – die Splitter fliegen entsprechend weiter. Bei einem Feuer müssen die Einsatzkräfte aus diesem Grund 1000 Meter Sicherheitsabstand halten.

Auch zwischen Peenemünde und Karlshagen hat es am Mittwoch gebrannt. Im Norden der Insel Usedom waren rund sechs Hektar Wald an einer alten Raketenfertigungsstätte, die 1945 von Alliierten bombardiert worden war, betroffen. Es gab zwar auch Blindgänger unter den Sprengbomben, von diesen ging aber durch das Feuer keine zusätzliche Gefahr aus. „In diesem bombardierten Gebiet haben wir die Warnstufe 3“, erklärt Mollitor. „Die Bomben liegen unter der Erde und werden nicht erhitzt, da sie keinen Kontakt zum Feuer haben.“ Nach Angaben von Vorpommern-Greifswald-Kreissprecher Achim Froitzheim befinden sich die Blindgänger 1,5 Meter oder sogar tiefer unter der Erde.

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