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MV aktuell Falschgeld: Polizei ermittelt nach Vorfällen in Rostocker Disco „Zwischenbau“
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Falschgeld: Polizei ermittelt nach Vorfällen in Rostocker Disco „Zwischenbau“

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11:21 16.12.2019
In dem Rostocker Club „Zwischenbau“ sind in den letzten Wochen vermehrt falsche Geldscheine aufgetaucht. Quelle: Privat
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Rostock

Die Warnung ging bereits in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen raus – jetzt ist die Betrugsmasche auch in Mecklenburg-Vorpommern angekommen. In der Rostocker DiskothekZwischenbau“ soll Falschgeld in Umlauf gebracht worden sein.

Wie die Polizei mitteilte, soll dem Geschädigten angeboten worden sein, einen 100-Euro-Schein gegen zwei 50-Euro-Scheine zu wechseln. Bei einem der beiden 50-Euro-Scheine handelte es sich allerdings um sogenanntes „Movie-Money“, das vor allem in Filmen und Theatern verwendet wird.

Fast 700 Fälle in MV im Jahr 2018

Das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern registrierte im Jahr 2018 insgesamt 692 gefälschte Banknoten und lag damit bundesweit im Durchschnitt. Gefälschte 50-Euro-Scheine überwogen auch hier mit 73 Prozent. Die Zahlen vom Jahr 2019 sind noch nicht bekannt.

Der Bundesbank zufolge hat diese im ersten Halbjahr 2019 rund 27  600 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 1,6 Millionen Euro bundesweit registriert. Die Zahl der Fälschungen stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 2018 um 2,5 Prozent. Dennoch sei ihr Aufkommen verhältnismäßig gering. Rund zwei Drittel der Fälschungen sind 50-Euro-Scheine.

Neue Masche seit mehreren Wochen in Rostocker Diskothek?

Seit mehr als drei Wochen würden immer wieder falsche Geldscheine in seinem Club auftauchen, sagt Hannes Lenz vom Zwischenbau Rostock. „Mittlerweile liegen mir sechs solcher Scheine vor. Aber da kann man kaum vom Falschgeld sprechen. Die sind wirklich so schlecht gemacht, da ist es mir schon peinlich, die Polizei zu rufen.“

So kann man falsche Banknoten erkennen

Die Bundesbank empfiehlt das Prüfschema „Fühlen-Sehen-Kippen“:

Fühlen:

Banknotenpapier hat ein besonderes Griffgefühl. Es fühlt sich griffig und fest an. Oft können einfache Fälschungen schon beim Anfassen erkannt werden. Nur knapp drei Prozent der Fälschungen betreffen die Fünf- und Zehn-Euro-Banknoten. Die echten Geldscheine der Europaserie wurden für eine längere Lebensdauer lackiert und fühlen sich daher glatt und fest an.

Auf der Vorderseite der Banknoten sind hervorgehobene Teile des Druckbildes als Relief zu fühlen. Am linken Rand findet sich in der Europa-Serie der Schriftzug „BCE ECB EЦБ EZB EKP EKT EKB BĊE EBC“ (sowie „ESB“ ab der 50-Euro-Note) und zusätzlich Schraffuren an beiden Rändern.

Sehen:

Das Wasserzeichen lässt sich im unbedruckten Bereich jeder Note als Schattenbild erkennen, wenn man sie gegen das Licht hält. Im oberen Bereich des Hologrammstreifens befindet sich bei der Europa-Serie ab dem 20-Euro-Schein ein durchsichtiges Fenster. Es zeigt eine Abbildung des Gesichts der Europa.

Kippen:

Die Hologrammelemente verändern sich beim Kippen der Banknote. Es zeigen sich regenbogenfarbige Effekte, welche die Motive umgeben. Die Banknoten der Europa-Serie weisen zudem auf der Vorderseite links unten die Smaragdzahl auf: Beim Kippen verändert sich die Farbe, und ein heller Balken wandert auf- beziehungsweise abwärts. Bei der Prüfung einer verdächtigen Banknote sollte man eine zweifelsfrei echte Banknote zum Vergleich heranziehen. Denn für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

Hannes Lenz kann sich gut erklären, weshalb das auch in seinem Geschäft einige Male passieren konnte: „Es funktioniert nirgendwo so gut wie im Club. Dort ist es dunkel, an der Bar sind die Hände und auch mal die Scheine nass – im Supermarkt, wo die Mitarbeiter tagtäglich mit Geld arbeiten, da würde das sofort auffallen.“

Kriminalpolizeiinspektion ermittelt

Die Polizeiinspektion Rostock ermittelt derzeit wegen des Vorfalls in dem Rostocker Club und untersucht die Zusammenhänge zu früheren Fällen. Wie eine Sprecherin der Rostocker Leitstelle mitteilte, soll es bereits im November unter anderem in Rostock mehrere solcher Fälle gegeben haben.

Unter anderem auch in einem Rügener Supermarkt. Wie die Polizei mitteilte, wollten dort Kunden in drei Fällen mit vermutlich gefälschtem Geld ihre Einkäufe bezahlen. In drei weiteren Fällen wurde während der Einzahlung bei Banken Falschgeld in Rügen und Stralsund registriert. Ob es sich auch hier um das auffällig gefälschte „Spielgeld“ handelt, ist unklar.

Scheine weisen keine Sicherheitsmerkmale auf

Der Falschgeldexperte der Deutschen Bundesbank, Sven Bertelmann, erklärt: „Bei ,Movie-Money’ oder ,Prop-Money’ handelt es sich um veränderte Banknotenabbildungen.“ Die einfachen Farbkopien würden keinerlei Sicherheitsmerkmale aufweisen und nur an einigen Stellen verändert werden. Herstellung, Vertrieb und Verbreitung seien gesetzlich verboten. Das Zahlen mit einer solchen Banknote könnte eine Straftat darstellen, so der Experte weiter.

Bei Gesetzesverstoß ist mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu rechnen. Auch Unwissen schützt nicht in jedem Fall. „Wenn man Geld in Umlauf bringt, welches schon augenscheinlich falsch zu sein scheint, dann müsste man überlegen, ob es sich um einen bedingten Vorsatz handelt. Allerdings wäre dies im Einzelfall zu betrachten“, so Gerd Zeisler, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg.

Wie aus einem schlechten Laserdrucker

Um sich zu schützen, rät die Bundesbank, jegliches Geld nach dem Schema „Fühlen, Sehen, Kippen“ zu prüfen, bevor man es annimmt. Da die imitierten Geldscheine keinerlei Sicherheitsmerkmale aufweisen und sich deswegen auch anders anfühlen, sollten diese einfach zu erkennen sein, erklärt Sven Bertelmann weiter.

Auch Falschgeld-Opfer Hannes Lenz vom Rostocker „Zwischenbau“ bestätigt, wie einfach diese zu erkennen seien: „Die Scheine wirken wie aus einem schlechten Laserdrucker, es ist sehr billiges Papier und auf dem Schein steht sogar ,Prop-Copy’. Das kann man im Internet kaufen.“

Der Verweis „Prop-Copy“ soll darauf hinweisen, dass es sich bei den Scheinen lediglich um eine Kopie handelt. Der „Zwischenbau“ hat nun auch Schwarzlichtlampen an den Bars installiert, so dass die Mitarbeiter die falschen Geldscheine leichter und schneller erkennen.

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Von Lena-Marie Walter

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