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MV aktuell Fischer aus MV enttäuscht über neue Fangquoten
Nachrichten MV aktuell Fischer aus MV enttäuscht über neue Fangquoten
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21:14 16.10.2018
Fischer holen im Greifswalder-Bodden ihre Stellnetze mit Hering ein. Quelle: CHARISIUS/DPA
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Schwerin

Fischer in Mecklenburg-Vorpommern reagieren mit Entsetzen auf die neuen Fangquoten. „Die Stimmung ist am Boden“, meint die Vorsitzende des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Ilona Schreiber. Seit Jahren seien Dorsch- und Heringsquoten auf dramatisch niedrigem Niveau. Eine finanzielle Unterstützung von Bund und EU sei dringend erforderlich, um das Überleben der Fischerei zu sichern. „Der Hering ist der Brotfisch der Küstenfischer“. Bereits im Jahr 2018 war die Quote um 39 Prozent im Vergleich zu 2017 gesenkt worden. Nun sollen die Fischer eine weitere Reduzierung um 48 Prozent verkraften. Darauf hatten sich die EU-Fischereiminister am Montagabend geeinigt. Die Fangquote für Dorsch wird in der westlichen Ostsee um 70 Prozent angehoben.

Fangstopp für Hering abgewendet

Für die Fischer in MV bedeutet das: 2990 Tonnen Hering dürfen sie im kommenden Jahr fangen – nur etwa ein Drittel der durchschnittlichen Fangmengen der vergangenen fünf Jahre. „Das wird sich wirtschaftlich erheblich auswirken“, befürchtet der in MV auch für Fischerei zuständige Agrarminister Till Backhaus (SPD). Immerhin: Das vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) für den Heringsbestand der westlichen Ostsee im Juni zunächst empfohlene Fangverbot für deutsche Heringsfischer in der Ostsee ist damit vom Tisch. „Ich bin sehr erleichtert, dass das Fangstopp abgewendet wurde“, meint Backhaus. Allerdings sei die „erneute Absenkung der Quote den Fischern schwer zu vermitteln“, meint der SPD-Politiker. Sie hätten sich in der Vergangenheit strikt an die vorgegebenen Fangquoten gehalten.

Grund für die Absenkung ist die seit Jahren anhaltende schlechte Nachwuchsproduktion des Herings, die Untersuchungen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei zufolge klimabedingte Ursachen hat. „Die Nachwuchsrekrutierung hat in den letzten drei Jahren weiter angehalten“, meint Institutsdirektor Christopher Zimmermann. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werde die aktuelle Absenkung der Quote nicht ausreichen, um die Bestände langfristig zu stabilisieren.

Umweltschützer: Chance für Dorsch im Quotengeschacher verspielt

Beim Dorsch stehen die Zeichen für 2019 zwar günstiger, doch mit 613 Tonnen liegt die Quote immer noch sehr niedrig. Zum Vergleich: 2013 durften die Fischer in M-V noch rund 1300 Tonnen Dorsch fangen. Der jetzige Kompromiss sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, meint Backhaus. Er verweist aber auf Aussagen von Wissenschaftlern, nach denen „auch eine Verdopplung der Fangmenge die Bestandserholung beim Dorsch nicht gefährdet“ hätte. Nach Auffassung des Thünen-Institutes für Ostseefischerei wäre immer noch eine Zunahme erwachsener Tiere um 60 Prozent zu erwarten gewesen.

Umweltverbände sehen das anders. Die Chance für den Dorsch sei „im Quotengeschacher verspielt“ worden, meint WWF-Meeresschutzexpertin Heike Vesper. Die Anhebung der Quote komme viel zu früh. Auch die Absenkung der Heringsquote werteten Umweltschützer als unzureichend. Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack sagt: „Mit diesen Quoten wird in der Ostsee weiter auf Pump gefischt.“

Michael Schütt, Chef der Fischereigenossenschaft Freest, fordert ein klares Bekenntnis der Politik zur handwerklichen Fischerei. „Die Politik muss entscheiden, ob sie die Fischerei will oder nicht.“ Sein Vorschlag: Die handwerkliche Fischerei sollte komplett aus dem Quotensystem entlassen werden. „Ansonsten gehe das Sterben auf Raten weiter.“ Zimmermann widerspricht dieser Forderung: „50 Prozent der deutschen Heringsfänge stammt aus der kleinen Kutter- und Küstenfischerei“. Das einzige Regulationsinstrument sei die Reduzierung der Fangquote.

Backhaus: Fischer brauchen Beihilfen

Backhaus plädiert dafür, den Fischern Beihilfen zu gewähren, um ihnen „eine Anpassung an die neue Situation zu ermöglichen“. Dazu sollten die von Bund, Land und EU schon 2017 und 2018 ausgereichten Stillliegeprämien bis 2021 ausgereicht werden. Dieses Jahr erhalten 83 Heringsfischer zusammen rund 2,1 Millionen Euro. An 53 Dorschfangbetriebe wurden Prämien von insgesamt 381 000 Euro ausgereicht.

Ausschlaggebend für die erneute Reduzierung der Fangmengen beim Hering in der westlichen Ostsee ist die Neubewertung des Bestandes erwachsener Tiere – der so genannten Laicher-Biomasse – durch den Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES). Der ICES geht von einer durch Umwelteinflüsse erheblich zurückgegangenen Nachwuchsproduktion aus.

Die EU-Fischereiminister legen in jedem Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen fest. Die EU-Kommission gibt dafür vorab Empfehlungen auf der Grundlage des ICES-Gutachten, in denen der Zustand der einzelnen Bestände untersucht wurde. In den Verhandlungen geht es dann darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden.

Kommentar: Fischer haben Unterstützung verdient

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