Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Fehlende Lokführer, überfüllte Züge: Bahn gerät an ihre Grenzen
Nachrichten MV aktuell Fehlende Lokführer, überfüllte Züge: Bahn gerät an ihre Grenzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:14 03.07.2019
Ein Zug fährt an einem geschlossenen Bahnübergang vorbei. Beim Zugverkehr von und zur Ostsee gibt es diesen Sommer viele Störungen und Verspätungen, weil Fahrzeuge und Lokführer fehlen. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Anzeige
Rostock

Personalmangel, Baustellen und fehlende Züge sorgen bei der Bahn im Nordosten zunehmend für Ausfälle. Eine halbe Milliarde Euro gibt die Bahn AG dieses Jahr in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin für Instandhaltung und Ausbau des Gleisnetzes aus.

So viel Bautätigkeit bleibt für die Fahrgäste nicht folgenlos: Auf der wichtigsten Verbindung von Berlin an die Ostsee, dem Regionalexpress RE 5, kommt es noch bis September zu massiven Einschränkungen – mit Busersatzverkehr, geänderten Fahrzeiten und gestrichenen Abfahrten. Das betrifft auch Pendler im Raum Rostock, die an manchen Tagen nur noch über Umwege nach Güstrow kommen.

15 Sonderzüge zum Fusion-Festival

„Die Züge in Richtung Ostsee sind voller geworden“, sagt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Urlauber seien vom Auto zur Bahn gewechselt. Die hohe Nachfrage erzeugt Engpässe: Vergangenes Wochenende fielen im Raum Cottbus im südlichen Brandenburg massenweise Regionalzüge aus. Die Bahn konzentrierte ihre Kräfte auf den Verkehr nach Mecklenburg-Vorpommern. Zusätzlich brachten 15 Sonderzüge zum Fusion-Festival die Bahn an ihre Kapazitätsgrenze. Für den Juli schließt der staatseigene Konzern weitere Ausfälle in der Region Brandenburg, Berlin und MV nicht aus.

Zehn Prozent Zug-Reserve

Außer Mitarbeitern fehlen offenbar auch Züge. Um Reparaturen und Ausfälle auszugleichen, haben die Länder, die den Regionalverkehr finanzieren, eine Kapazitätsreserve an zusätzlichen Fahrzeugen bei der Bahn bestellt. Zurzeit beträgt die zehn Prozent. Gerade im Sommer an der Ostsee „kommen wir damit schnell an die Grenze“, so Bahn-Sprecher Ahlert. Die für die Ferienzüge verantwortlichen Länder MV, Berlin und Brandenburg sollten über eine Aufstockung der Reserve „nachdenken“ – also mehr Geld für den Schienenpersonenverkehr investieren.

ProBahn: Züge oft zu kurz

Vor allem auf den Regionalexpresslinien RE3 (Stralsund – Paswalk – Berlin) und RE5 (RostockNeustrelitzBerlin) sind die Züge im Sommer häufig zu kurz, kritisiert Marcel Drews vom Fahrgastverband ProBahn. Statt fünf Wagen werden oft nur vier eingesetzt, was für Überfüllung sorgt. Die Länder sollten die Reserve aufstocken, um den Stress für Bahnkunden zu senken.

Land weist Forderung zurück

Das Schweriner Verkehrsministerium zeigt sich erstaunt über die Bahn-Forderungen nach einer höheren Reserve. In ihrem Angebot habe sich die Bahn von selbst bereit erklärt, zusätzliche Doppelstockwagen und Triebwagen bereitzustellen, und zwar „über die Mindestanforderungen hinaus“, so Sprecherin Renate Gundlach. Als das Land über die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern bei den Abstimmungen für die Saison nach zusätzlichen Zügen anfragte, habe die Bahn diese Bestellung als zu kurzfristig zurückgewiesen.

210 neue Lokführer

Zumindest beim Personalmangel ist Entspannung in Sicht. 210 Lokführer, 170 Fahrdienstleiter und 400 Instandhalter stellt der staatseigene Schienenkonzern dieses Jahr in den drei Bundesländern neu ein, insgesamt kommen 3420 neue Kollegen dazu. Bundesweit will die Bahn im Rahmen ihrer Strategie „Starke Schiene“ 2019 insgesamt 22 000 neue Mitarbeiter einstellen, darunter 2000 Lokführer – was einem Plus von elf Prozent entspricht. Die Personalknappheit kommt nicht aus heiterem Himmel, kritisiert ProBahn-Landessprecher Drews. In den vergangenen Jahren wurden viele Lokführer in Rente geschickt und zu wenig neue Fachkräfte ausgebildet. „Die Bahn müsste für den Lokführerberuf mehr werben“, fordert Drews.

Tourismusverband will mehr Angebot

„Wie sehen, dass die Bahn zur Anreise intensiv genutzt wird“, sagt Tobias Woitendorf vom Landestourismusverband. Das Angebot müsse aber erweitert werden, zudem beklagten Urlauber fehlenden Platz für die Fahrrad-Mitnahme.

Personalnot bremst Rügener Busse aus

Personalnot führt auch auf Rügen und in Stralsund zu Einschränkungen – beim Busverkehr: Weil viele Fahrer krank sind und es zurzeit zahlreiche offene Stellen gibt, werden auf der Insel vier Buslinien zeitweise eingestellt, eine davon führt zum Königsstuhl. In Stralsund sind zwei Linien betroffen.

Lesen Sie den OZ-Kommentar zum Thema: Wo bleibt ein tolles Bahn-Angebot?

Gerald Kleine Wördemann

Schweden hat Rauchverbot seit Montag auf öffentliche Plätze ausgedehnt. Nicht nur die Gaststättenbranche in MV reagiert skeptisch. Mediziner befürchten einen langwierigen Umdenkprozess.

03.07.2019

Die Warnemünder Woche ist erst der Anfang. Entlang der Ostseeküste wird ein Fest nach dem anderen gefeiert – manche aus traditionellen Gründen, andere, weil Spektakel den Sommer bunter machen. Ein Überblick.

03.07.2019

Nach Einschätzung der Verantwortlichen ist der Waldbrand in Lübtheen außer Kontrolle geraten. Er dehnt sich weiterhin aus: Aktuell sind 1200 Hektar betroffen. Die Einsatzkräfte holen nun zum Angriff auf die Flammen aus.

02.07.2019