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MV aktuell Fehlgebildete Hände bei Babys: Auch in MV melden sich Eltern
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20:47 17.09.2019
Die achtjährige Lucy aus Wismar mit ihrer Mutter Trixi Wangneth. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Dieses Thema bewegt Deutschland seit Tagen: In Nordrhein-Westfalen wurden binnen weniger Wochen gleich mehrere Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren. Allein aus einer Klinik in Gelsenkirchen wurden gleich drei Fälle gemeldet.

Nun kommt raus: Auch in MV gab in es in den vergangenen Jahren offenbar gleich mehrere Kinder, die mit nur einer gesunden Hand zur Welt kamen. Behindertenverbände und Betroffene verlangen nun von den Behörden, die Fälle genau zu untersuchen. Auch das Gesundheitsministerium in Schwerin reagiert: Die Krankenhäuser im Land sollen Fehlbildungen bei Neugeborenen direkt ans Ministerium melden.

Fälle in Schwerin und Rostock?

Ein konkreter Fall liegt bereits acht Jahre zurück: Damals wurde in Schwerin ein kleines Mädchen – Lucy – mit nur einer voll ausgebildeten Hand geboren. Die Ursache ist bis heute unbekannt – wie auch in den Fällen in Gelsenkirchen. „Ich weiß von mittlerweile sechs weiteren Fällen in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Lucys Mutter Trixi Wangneth aus Wismar.

Eine Bestätigung dafür oder gar Zahlen zu Geburten mit Fehlbildungen in MV gibt es von Behördenseiten bisher nicht. Aktuell jedenfalls gäbe es keine zunehmenden Fehlbildungen der Hände bei Neugeborenen, sagt Gunnar Bauer, Sprecher von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). In Nordrhein-Westfalen hingegen sprechen selbst Mediziner von „verdächtig“ und „auffällig“ vielen Fällen in kurzer Zeit.

Register für Fehlbildungen gefordert

Ein bundesweites Register für Fehlbildungen bei Neugeborenen gibt es bisher nicht. Die Landesregierung in Düsseldorf will das nun aber mit den anderen Bundesländern prüfen lassen. Nach Zahlen des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) sind 2017 in Deutschland 6884 Kinder mit Fehlbildungen in Krankenhäusern geboren worden – weniger als ein Prozent aller Neugeborenen.

Dennoch wird der Ruf lauter, jeden einzelnen Fall zu untersuchen: „Dass der Staat diese Fälle nicht zentral erfasst und auswertet – das geht so nicht. Das darf nicht einfach unter den Tisch fallen“, sagt Egon Luth, Vize-Chef des Allgemeinen Behindertenverbandes in MV. Die Betroffenen und ihre Angehörigen hätten es verdient, dass den Ursachen nachgegangen wird. „Nur wenn wir die genauen Ursachen kennen, könne wir vielleicht verhindern, dass auch andere Kinder davon betroffen sein werden.“ Luth erinnert an den Contergan-Skandal in den 1960er Jahren. Das Medikament führte dazu, dass mehr als 10 000 Kinder weltweit mit Fehlbildungen geboren wurden.

Land will Daten auswerten

Auch das Gesundheitsministerium reagiert auf die Debatten: „Wir werden in den kommenden Tagen die Krankenhäuser mit Pädiatrie und Geburtshilfe anschreiben und Informationen zu möglichen Fehlbildungen abzufragen“, sagt Ministeriumssprecher Bauer. Alle Geburtenstationen in MV würden Fehlbildungen erfassen und an die Landeskrankenhausgesellschaft melden.

„Auffälligkeiten oder Häufung sind daraus in MV nicht abzulesen.“ Aber: „Wenn es eine Häufung geben sollte, wird das Land alles unternehmen, um die Ursache dafür aufzuklären“, verspricht das Ministerium.

Viele Ursachen für Fehlbildungen möglich

In der mit rund 3200 Babys pro Jahr größten Geburtsklinik des Landes, dem Rostocker Südstadt-Klinikum, gäbe es zwei bis drei solcher Fälle pro Jahr, sagt der Direktor Prof. Dr. Bernd Gerber. „Natürlich befassen wir uns nach den jüngsten Meldungen auch mit dem Thema.“

Ursachen für Fehlbildungen gäbe es viele: „Meist handelt es sich um Spontanmutationen der Gene. Das kann zum Beispiel an Umwelteinflüssen liegen, aber auch einfach Zufall sein.“

In der Uni-Medizin in Greifswald wird jede Geburt genau dokumentiert, sagt Sprecher Christian Arns. Auffälligkeiten bei den rund 1170 Geburten pro Jahr gab es dort keine.

Auch Martin Ulbrich, Sprecher der Helios-Klinik in Schwerin (1200 Geburten jährlich) sagt: „Wir haben aktuell keine Fälle von Fehlbildungen. Wenn solche auftreten, melden wir sie den Behörden.“

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