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MV aktuell Fehmarnbelt: Umweltschützer wollen Bau des Mega-Tunnels stoppen
Nachrichten MV aktuell Fehmarnbelt: Umweltschützer wollen Bau des Mega-Tunnels stoppen
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06:02 11.02.2019
Unter der Ostsee von Dänemark nach Deutschland: So soll der Tunnel auf dänischer Seite in Rødbyhavn nach den Vorstellungen der Planer einmal aussehen. Quelle: Femern A/S
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Rostock/Kopenhagen

Kostenexplosion, befürchtete Umweltschäden, alte Verkehrsprognosen – gegen das geplante Milliarden-Projekt Fehmarnbelt-Tunnel regt sich wieder massiver Widerstand. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat jetzt eine Kampagne initiiert, um den Bau des Mega-Tunnels doch noch zu stoppen. Bislang haben laut Nabu fast 26 000 Menschen eine entsprechende Protest-Mail an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unterzeichnet. Damit sollen Scheuer und seine dänischen Kollegen aufgefordert werden, „Europas größtes, teuerstes und ökologisch verheerendstes Infrastrukturprojekt“ zu stoppen, erklärt der Leiter der Nabu-Umweltpolitik Malte Siegert.

Behörde gibt grünes Licht für Tunnelbau

Der Bauherr, das staatseigene dänische Unternehmen Femern A/S, gibt sich unterdessen zuversichtlich, den Tunnel bald bauen zu können. Vor wenigen Tagen hatte das Kieler Verkehrsministerium (Schleswig-Holstein) den sogenannten Planfeststellungsbeschluss unterschrieben (OZ berichtete). Die Genehmigung bezieht sich auf die Bauarbeiten in Deutschland; die Arbeiten in Dänemark wurden dort bereits 2015 gemäß dänischem Baugesetz verabschiedet. Die Kieler Genehmigung sei „ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Realisierung des Fehmarnbelt-Tunnels“, teilte kürzlich der Vorstandsvorsitzende von Femern A/S, Claus F. Baunkjaer, mit.

IHK Rostock lehnt Tunnel ab

Auch die Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK) lehnt das Projekt ab. „Durch den Tunnel werden Verkehre verlagert – weg von Rostock und der Region“, sagt IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen. Das bringe Nachteile für den Überseehafen und schade der regionalen Wirtschaft. Sollten sich die Kosten auf der deutschen Seite erhöhen, dürfe es „auf keinen Fall zu Einschränkungen für unsere Häfen und die Infrastruktur im Hinterland kommen“.

Vier Milliarden Euro für die Hinterlandanbindung

Tatsächlich sollen die Kosten für die Infrastruktur auf deutscher Seite dramatisch gestiegen sein. Laut Nabu waren ursprünglich 860 Millionen Euro für die vierspurige Straße und den Ausbau der Bahnstrecke von Fehmarn nach Hamburg veranschlagt worden. Nach einer „konservativen Schätzung“ rechne der Bundesrechnungshofs (BRH) jetzt mit Kosten in Höhe von rund vier Milliarden Euro für die Hinterlandanbindung auf deutscher Seite, teilte die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn unlängst mit. Hagedorn stammt aus Schleswig-Holstein und begleitet das Fehmarnbelt-Projekt seit Jahren kritisch .

Kosten laufen aus dem Ruder

„Das Vorhaben beiderseits des Fehmarnbelts droht finanziell aus dem Ruder zu laufen“, warnt Nabu-Umweltexperte Siegert. Auch für den dänischen Tunnel-Investor hätten sich die Kosten erheblich erhöht – von 4,2 Milliarden auf mittlerweile 7,4 Milliarden Euro. Zudem habe das Gericht der Europäischen Union (EuG) geurteilt, dass „unbegrenzte Bürgschaften des dänischen Staates für Femern A/S gegen europäische Wettbewerbsregeln verstoßen“. Die ungewisse Finanzierung könne letztlich dazu führen, „dass das Projekt sich von selbst erledigt“, sagt Siegert. Auch basiere das ganze Vorhaben auf veralteten Verkehrsprognosen.

Baubeginn immer wieder verzögert

Knapp 18 Kilometer lang soll der Fehmarnbelt-Tunnel zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland werden. Der Bau wurde 2011 vom dänischen Parlament gebilligt und 2015 genehmigt. Der ursprüngliche Baubeginn war für 2015 geplant. Nach mehreren Verzögerungen gilt mittlerweile auch als unwahrscheinlich, dass damit noch 2019 begonnen wird.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) befürchtet durch den Bau des Tunnels massive Schäden für die Umwelt. Wertvolle Unterwasserdünen würden zerstört und Sedimente durch Baggerarbeiten freigesetzt, die Laichgebiete für Dorsch und Hering bedecken, heißt es in einer Mitteilung. Außerdem würden streng geschützte Schweinswale angestammte Gebiete um Fehmarn verlieren, wo sie ihre Kälber großziehen.

Die Nabu-Kampagne: Stoppt den Ostseetunnel

Das Unternehmen Femern A/S

Der Nabu schließt eine Klage gegen das Projekt nicht aus. Siegert: „Der ökologische Totalschaden im Fehmarnbelt bei maximaler Vergeudung deutscher und europäischer Steuergelder wäre ein Nachhaltigkeits-Desaster.“ Zunächst müsse man aber den Inhalt des Planfeststellungsvorhabens genau prüfen. Das wird auch die Fährreederei Scandlines tun, die unter anderem die Fährlinie zwischen Rostock und Gedser betreibt. Sollten Bedingungen, wie der ungehinderte Zugang zum Fährhafen und die Sicherheit für die Fähren während des Tunnelbaus, nicht erfüllt werden, erwägt auch Scandlines eine Klage.

Debatten in Dänemark

Die steigenden Kosten für das aufgeschobene Projekt führten inzwischen auch in Dänemark zu Debatten, erklärt Madsen, der dänischer Staatsbürger ist und im Mai für das Amt des Rostocker Bürgermeisters kandidiert. „Für die Dänen gilt die Verbindung als beschlossen“, weshalb man dort „auch lieber heute als morgen“ mit dem Bau starten wolle, so Madsen. Grundsätzlich seien derartige Infrastrukturen, die Länder und Regionen enger miteinander verbinden, aber „großartig“, beispielsweise die dänische Brücke über den Großen Belt oder die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden.

Axel Meyer

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