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MV aktuell Feiern und Protestieren: So lief das Landeserntedankfest auf Hiddensee
Nachrichten MV aktuell Feiern und Protestieren: So lief das Landeserntedankfest auf Hiddensee
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20:59 06.10.2019
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Agrarminister Till Backhaus (beide SPD) tragen die Erntekrone Quelle: Christian Rödel
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Kloster/Vitte

Sonne und Regen beim Erntedankfest des Landes am Sonntag auf Hiddensee: Etlichen Besuchern von der Insel war nicht zum Feiern zumute, sondern zum Protestieren. Dagegen zeigte sich fast die komplette SPD-Ministerriege Mecklenburg-Vorpommerns gut gelaunt.

Nach dem Gottesdienst in der Inselkirche in Kloster traf man sich mit Landfrauen und Besuchern aus dem Volk zu Kaffee, Brot und Weintrauben im sonnigen Pfarrgarten. Neben Ministerpräsidentin Manuela Schwesig waren Agrarminister Till Backhaus, Energieminister Christian Pegel, Sozialministerin Stefanie Drese und Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann mit Kind und Kegel angereist. Viele Besucher waren per Fähre von Schaprode aus nach Hiddensee gekommen. Am Hafen Schaprode herrschte wegen des großen Andrangs Ausnahmezustand – Parkplätze waren kaum noch zu finden.

Bildergalerie: Impressionen vom Erntefest:

Landesmutter Manuela Schwesig kommt mit ganzer Familie nach Hiddensee. Eindrücke von Landeserntedankfest in unserer Galerie.

Dank für Ernte und Wiedervereinigung

Die Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, sagte in ihrer Predigt, Erntedank sei ein Fest nur zum Dankesagen, für eine gute Ernte, die herangereift ist, und im 30. Jahr der friedlichen Revolution auch für die Überwindung der Trennung, eines Unrechtsstaates und für das Erreichen der Einheit. Nebenan feierten Kinder einen Gottesdienst in einem kleinen Zirkuszelt.

Vor der Kirche warteten erboste Einwohner aus Neuendorf im Süden der Insel auf die Regierungsmitglieder. Sie protestierten gegen die Erhöhung der Pachtpreise um 1230 Prozent für das Land um ihre Häuser durch die Stadt Stralsund. Betroffen seien etwa 80 Familien, die dort teilweise in der fünften oder sechsten Generation wohnen. Statt 26 Cent pro Quadratmeter sollen sie jetzt 3,20 Euro zahlen. Das Land werde wie Bauland bewertet, obwohl in dem geschützten Inselareal gar kein Bauen möglich sei, kritisierten Vertreter der Interessengemeinschaft. Sie befürchten, sie sollen von Hiddensee vertrieben werden. Backhaus versprach, sich für einen Kompromiss mit Stralsund einzusetzen. „Mein Ziel ist es, bis Weihnachten das Problem zu lösen“.

Fünf Sorten Korn in der Krone

Am Nachmittag kam erstmals im Land eine Erntekrone per Fischkutter zum Erntedankfest. Die Krone von einem Meter Durchmesser war von Frauen des Landfrauenverbandes aus fünf Getreidesorten gebunden worden. Die Ministerpräsidentin will ihr einen Platz in der Staatskanzlei geben. In den vergangenen Jahren hätten die Landwirte gespürt, wie sehr die Ernte vom Wetter abhänge, sagte Schwesig. „Dass wir alle genug Essen auf dem Tisch haben, dahinter steht viel harte Arbeit.“ Landwirte würden zudem als Arbeitgeber und Ausbilder dafür sorgen, dass junge Leute in der Region bleiben.   

Die Erntekrone führte den Festumzug auf der Insel an. Vereine, Trachtengruppen, Fischer, Bauern, Feuerwehrleute und Sanitäter zogen mit geschmückten Wagen, Traktoren und traditionellen Nutzfahrzeugen durch den Ort. Die Fahrzeuge durften sich auf der autofreien Insel mit einer Sondergenehmigung zwischen Kutschen und Pferdewagen einreihen.

Minister Backhaus sagte, die Ernte sei besser als erwartet ausgefallen. Das bringe etwas Entspannung nach dem Katastrophenjahr 2018. Doch blieben die Erträge unter dem langjährigen Durchschnitt.

Vergleich mit Mallorca

Vor dem Erntedankfest hatte die Entscheidung für Hiddensee für Unmut gesorgt. Auf der Insel gibt es bis auf Schaf- und Pferdehaltung keine Landwirtschaft. Die Kirche fühlte sich nicht in die Vorbereitung einbezogen. Zudem ist die Insel nur per Schiff zu erreichen. Vermutlich Gegner des Festes hatten ihren Protest per Graffiti an mehrere Häuserwände gepinselt. Unter anderem am Sommerhaus des Schriftstellers Gerhart Hauptmann  stand in Anspielung auf die Auftritte von Schlagerstars wie Jürgen Drews: „Hauptmann oder Ballermann – quo vadis Hiddensee?“.

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Von Birgit Sander