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MV aktuell Firmen sollen Gehalt bei Jobangeboten nennen
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00:26 14.12.2015
Die Frage des Gehaltes ist eher ein Tabuthema.“ Bundesfamilien- ministerin Manuela Schwesig (SPD)
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Rostock

In Deutschland könnte ein Tabu fallen: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will Unternehmen per Gesetz dazu verpflichten, in Stellenausschreibungen anzugeben, wie viel sie für einen Job zu zahlen bereit sind. Das geht aus einem Referentenentwurf des Ministeriums hervor. Eine Sprecherin bestätigt: Hintergrund sei das geplante Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Informationen über die finanziellen Vorstellungen des potenziellen Arbeitgebers sollten Frauen dabei helfen, in Gehaltsgesprächen besser zu verhandeln. In einer Stellenausschreibung solle das Entgelt mitgeteilt werden, „das als Mindestgrundlage für die Vertragsverhandlungen dienen soll“, heißt es in dem Entwurf.

Schwesig, bis 2013 Sozialministerin in MV, will erreichen, dass Männer und Frauen für gleiche Arbeit gleich entlohnt werden. Derzeit sei die Frage des Gehaltes in Deutschland „eher ein Tabuthema, eine Blackbox. Viele wissen gar nicht, ob sie eigentlich fair und gerecht bezahlt werden“, sagte Schwesig bei der Vorstellung des Entwurfs.

Aus der Wirtschaft kommt scharfe Kritik: Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern in Rostock fürchtet bürokratische Lasten für kleine und mittlere Betriebe. Ähnlich sieht es die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände: „Das geplante Gesetz muss gestoppt werden. Es schafft jede Menge neue Bürokratie.“ Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK zu Rostock und geschäftsführender Gesellschafter eines Möbelhauses, hält den Vorstoß für „wenig zielführend“: Frauen seien heute sehr viel selbstbewusster und müssten nicht mehr durch Vorschriften geschützt werden.

Die Umsetzung würde „Unternehmen viel Geld kosten“.

Ingo Schlüter, Stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord, begrüßt dagegen den Vorstoß. Frauen seien meist „weniger couragiert in Verhandlungsgesprächen“. Deshalb würden sie oft mit weniger Geld abgespeist. Häufig werde „nicht nach Leistung bezahlt, sondern danach, wie man sich beim Vorstellungsgespräch verkauft hat“. Er hoffe, dass mit dem Gesetz auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus Problemvierteln mehr Entgeltgleichheit erreicht werde. Ähnlich argumentiert Heiko Messerschmidt, Sprecher IG Metall Küste: „Transparenz ist Voraussetzung für gerechtere Löhne.“

Das Schweriner Wirtschaftsministerium betont: Bevor ein solches Gesetz beschlossen wird, muss der Mittelstand einbezogen werden, erklärt Sprecher Gunnar Bauer.

Schwesig kündigte an, das Gesetz noch in diesem Jahr auf den Weg zu bringen. Laut Statistischem Bundesamt liegt der Bruttostundenverdienst von Frauen im Querschnitt durch alle Berufe und Qualifikationen 22 Prozent unterhalb des Verdienstes von Männern.



Thomas Luczak

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