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MV aktuell Flüchtlingsreport MV: mehr Jobs, aber auch viele Straftaten
Nachrichten MV aktuell Flüchtlingsreport MV: mehr Jobs, aber auch viele Straftaten
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06:27 29.03.2019
Symbolfoto: Faridullah Noor, Flüchtling aus Afghanistan, hat Arbeit bei einem Lebensmittler gefunden. In MV sind 2137 Zuwanderer Ende 20918 in sozialversicherungspflichtigen Jobs gewesen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Rostock

Der Strom der Flüchtlinge nach MV nimmt weiter ab. 27000 kamen 2015, knapp 18500 sind aktuell im Land, zwei Drittel männlich. Pro Monat erreichen noch rund 230 den Nordosten. Fortschritte hat es bei der Integration gegeben, schätzen Experten ein. 2137 Flüchtlinge hatten 2018 einen sozialversicherungspflichtigen Job. Die andere Seite der Medaille: Die Kriminalität bei Zuwanderern ist vergleichsweise hoch. Weiteres Problem ist mangelnde Qualifikation.

2137 versichungspflichtige Jobs

„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur. Fast 1000 Flüchtlinge kamen von 2017 zu 2018 MV-weit in richtige Jobs, vor allem in Gastgewerbe und Gesundheitswesen. Gesamtzahl: 2137. Haken: Drei von vier arbeitslosen Zuwandern sind auf Helfer-Niveau einsetzbar, Ausbildungsabschlüsse mit denen in Deutschland oft nur schwer vergleichbar. Die Wirtschaft fordert mehr Qualifizierung von Flüchtlingen. Dies gelte auch für Sprache. Die aktuellen Zahlen zeigten: „Der Integrationsprozess ist längst noch nicht abgeschlossen“, so Sven Müller, Vereinigung der Unternehmensverbände MV.

Vor allem junge Menschen kommen aus Krisenregionen nach MV: Syrer, Ukrainer, Iraker, Afghanen. Rund 5300 sind Kinder und Jugendliche bis 16, über die Hälfte bis 25 Jahre alt. Das birgt auch Sprengstoff, messbar an der Kriminalitätsstatistik: 4460 Straftaten ordnet das Innenministerium für das Vorjahr Zuwanderern zu. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) besorgt ein Plus in Rostock von 16 Prozent gegenüber 2017.

Zwei von drei Abschiebungen scheitern

Der Staat offenbart Schwächen in der Durchsetzung von Recht: 932 von 1300 Abschiebungen scheiterten im Vorjahr. Jeder dritte Betroffene war einfach abgetaucht. Caffier macht hierfür die Fälle verantwortlich, die nach dem Dublin-III-Abkommen in andere europäische Staaten gehören, die wiederum nicht kooperativ seien: „Diese Länder sind zuständig, und das ist das Problem.“ Weiterer Schwerpunkt seien fehlende Papiere. Asyl bekam 2018 knapp jeder zweite Antragsteller zugesprochen: 1665 von 3819. 401 Flüchtlinge verließen MV im Vorjahr freiwillig. 1020 Euro geben Land und Kommunen pro Flüchtling und Monat aus.

SPD: Asyl ist ein Grundrecht

Horst Förster (AfD) kritisiert die schlechte Abschiebequote. Er forderte ein Verschärfung des Asylrechts und „eine Zurückweisung an deutschen Grenzen“. „Undifferenzierte Aufnahme von Migranten“ bringe „neues Kriminalitätspotenzial“. Thomas Krüger (SPD) dagegen hebt das Grundrecht auf Asyl hervor. „Zuallererst suchen diese Menschen bei uns Sicherheit und Schutz, den wir gewähren müssen und wollen.“ Positiv sei der Anstieg bei Jobs für Flüchtlinge zu bewerten. Für Karen Larisch (Linke) steht fest: „Die derzeit geringen Zahlen ankommender Menschen sind ein Trugschluss.“ Dies sei durch Verträge mit Libyen zur Hinderung an Flucht „teuer erkauft“.

Ulrike Seemann-Katz, Flüchtlingsrat MV, moniert die fehlende Schulpflicht für Kinder in den ersten Monaten. Bei Ausbildung stelle der Staat zu hohe Hürden auf: Viele Zuwanderer seien gut ausgebildet, „aber für das, was sie in ihrem Land brauchen“. Jetzt bestehe die Gefahr, dass sie vor allem im Niedriglohnsektor landen.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema.

Frank Pubantz