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MV aktuell Teurer Sport: Gemeinden sollen auf Gebühren für Sportplätze verzichten
Nachrichten MV aktuell Teurer Sport: Gemeinden sollen auf Gebühren für Sportplätze verzichten
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15:26 22.11.2019
Die Flutlichtanlage auf dem Sportplatz in Rethwisch ist umgerüstet worden und wird jetzt per Münzeinwurf angeschaltet. 7,50 Euro kosten 90 Minuten. Quelle: Anja Levien
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Rethwisch/Rostock

120 Euro für die Mitgliedschaft in einem Doberaner Fußballverein, 192 Euro für Jugend-Handball auf Usedom und sogar 240 Euro, um in einem Rostocker Club schwimmen zu dürfen: Seine Kinder in einem Sportverein anzumelden – das wird in MV immer mehr zum teuren Vergnügen. Ein Grund: Städte und Gemeinden verlangen von den Clubs immer höhere Gebühren, damit die Freizeitsportler Sportplätze, Turn- und Schwimmhallen nutzen dürfen. Doch dagegen regt sich Widerstand: Sowohl der Landesjugendring als auch der Stadtelternrat in Rostock fordern jetzt, dass alle Sportstätten im Land für Kinder wieder kostenlos sein müssen.

Gemeinden bitten zur Kasse

Seit Jahren verlangen die Kommunen im Land immer häufiger und immer höhere „Nutzungsgebühren“, wenn Vereine ihre Sportanlagen nutzen. Kuriosestes Beispiel: Vereine, die auf dem Fußballplatz in Rethwisch (Landkreis Rostock) bei Dunkelheit Fußball spielen möchten, müssen ihre Beleuchtung in bar bezahlen. 7,50 Euro pro 90 Minuten kostet die Benutzung der Flutlichtanlage. Per Münzeinwurf am Automaten geht das Licht an. „Wir haben den Strom bisher nie berechnet, weil die Nutzung der Anlage nicht nachvollziehbar war. Die Gemeinde ist auf den Kosten sitzen geblieben“, begründet Uwe Ziesig, Ordnungsamtsleiter im Amt Bad Doberan-Land, diesen Schritt.

Eltern: Sport darf nichts kosten

Dass Kommunen Sportler überhaupt zur Kasse bitten und sich das am Ende auch auf die Mitgliedsbeiträge auswirkt, ärgert nicht nur Anja Ritter: „Es gibt viele Familien, die sich eine Mitgliedschaft im Sportverein für ihre Kinder nicht mehr leisten können“, sagt die Vorsitzende des Stadtelternrates in Rostock. „Für alle mit kleinem Einkommen sind 200 Euro viel Geld. Es könnte günstiger sein, wenn die Kommunen nicht noch Geld dafür verlangen würden, dass Kinder Sport treiben“, so Ritter. „Für Kinder und Jugendliche müssen die Nutzungsgebühren wegfallen.“

Auch Friedhelm Heibrock, Geschäftsführer des Landesjugendringes, hält die Gebühren für kontraproduktiv: „Sport ist die beste Prävention. Wenn wir wollen, dass mehr Kinder Sport treiben, dürfen die Sportanlagen nicht auch noch Geld kosten und die Vereinsbeiträge teuer machen.“ Das Beste, so Heibrock, wäre, wenn die Kommunen ganz auf Nutzungsgebühren verzichten.

Keine Kritik aus Sportverbänden

Die großen Sportverbände, die auf Geld von den Kommunen angewiesen sind, hingegen halten sich mit Kritik an den Gebühren zurück: „Das ist eine kuriose Maßnahme“, meint Burkhard Beck, Geschäftsführer beim Kreissportbund im Landkreis Rostock, zwar zum Flutlicht-Automaten in Rethwisch. Völlig abwegig sei die Idee aber nicht. „Alles wird teurer, das kennt jeder aus seinem Privathaushalt“, sagt der Geschäftsführer. Der Betrieb von Sportanlagen sei schließlich eine freiwillige Leistung der Gemeinden, für die sie viel Geld aufbringen müssten. „Die Beträge sind weit davon entfernt, die tatsächlichen Kosten abzudecken“, sagt auch Andreas Röhl, Geschäftsführer beim Stadtsportbund der Hansestadt Rostock. Ungefähr zwei Prozent der Kosten werden durch die Gebühren ausgeglichen.

Deren Höhe legt jede Gemeinde selbst fest. In Rostock reicht die Spanne laut Entgeltsatzung von 50 Cent für eine Stunde Schwimmen auf der 25-Meter-Bahn für eine Kinder- und Jugendgruppe bis hin zu 177 Euro für eine Stunde in der Eishalle für eine auswärtige Mannschaft. Die Beträge für Rostocker Vereine belaufen sich meist auf einige Euro.

Vereinschef hält Gebühren sogar für zu niedrig

„Die Gebühren sind wirklich sehr gering“, sagt Marko Zülske, Geschäftsführer des Rostocker Polizeisportvereins (PSV). Das lade zu Verschwendung ein: Ständig aufgedrehte Heizungen und nicht ausgeschaltetes Licht seien in vielen Anlagen ein alltägliches Thema. Es sei ein offenes Geheimnis, dass manche Vereine Hallenzeiten blockieren, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Weil es so wenig kostet, werde der Bedarf einfach nicht abgemeldet.

Zülske hätte für höhere Gebühren durchaus Verständnis –, steht damit nach eigener Ansicht unter den Vereinschefs der Hansestadt aber allein da. Wenn die Vereine mehr bezahlen müssten und dafür besser ausgestattete Spielstätten hätten, wäre das eine Verbesserung. Das Flutlicht gegen Bargeld-Einwurf in Rethwisch geht für ihn grundsätzlich ebenfalls in Ordnung.

Auch in Sanitz kostet Flutlicht extra

In Ribnitz-Damgarten zahlen Vereine erst seit 2016 für die Benutzung von Sporthallen und -plätzen. Vorher war diese Leistung umsonst. „Das ist nur ein minimaler Anteil“, sagt Antje Weiland, die für das Gebäudemanagement der Bernsteinstadt zuständig ist. Die oft einstelligen Beträge seien eher symbolisch und sollen an das Verantwortungsgefühl appellieren. „Was nichts kostet, ist nichts wert“, sagt Antje Weiland. Einige Kilometer weiter weg in Sanitz (Landkreis Rostock) fällt neben den üblichen Gebühren noch ein Aufschlag von bis zu 10,50 Euro für die Nutzung der Flutlichtanlage an.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald gebe es ebenfalls so gut wie keine Klage über die Sporthallen-Gebühren, so Kreissportbund-Geschäftsführer Thomas Plank. In der Hansestadt Greifswald müssen die Vereine für Kinder und Jugendliche nichts bezahlen, die Beträge für die Erwachsenen seien „im Rahmen“, so Stadtsportbund-Vorsitzender Dirk-Carsten Mahlitz.

Von Gerald Kleine Wördemann und Andreas Meyer

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