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MV aktuell Flutung des Polders Eisenhammer auf der Kippe
Nachrichten MV aktuell Flutung des Polders Eisenhammer auf der Kippe
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19:56 31.07.2019
Der Biologe Jan-Hinnerk Schwarz fand im Polder Eisenhammer geschützte Pflanzenarten, die im Planfeststellungsbeschluss von 2006 nicht aufgeführt sind. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Der Naturschutz steht dem Naturschutz im Wege: Klingt paradox, könnte aber dazu führen, dass das größte Renaturierungsvorhaben in Greifswald vorerst gestoppt wird. Am Polder Eisenhammer, einem 62 Hektar großen Gebiet mit Salzwiesen nördlich des Rycks, prallen derzeit unterschiedliche Umweltinteressen aufeinander. Ursprünglich sollte dort 2020 mit dem Rückbau der Deiche als Kompensation zum Bau des Ryck-Sperrwerks begonnen werden. Doch ob es dazu kommt, steht in den Sternen.

Der Biologe Jan-Hinnerk Schwarz und Greifswalder Aktive des Umweltverbandes BUND kritisieren die geplante Renaturierung des Polders als Ausgleich zum Sperrwerkbau. „Die Renaturierungsmaßnahme steht im Widerspruch zum Konzept zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern“, moniert der Biologe Schwarz. Denn in den vergangenen 13 Jahren habe sich der Polder zu einem hochwertigen Lebensraum von weit mehr als 170 wertbestimmenden Arten, Biotopen und Lebensraumtypen entwickelt. Das Gebiet dürfe auf keinen Fall, so wie vom Land geplant, geflutet werden.

Rosentaldeich soll zurückgebaut werden

Rückblick: Im Jahr 2006 wurde der Planfeststellungsbeschluss nicht nur für den Sturmflutschutz im Ryck, sondern auch für die Umwandlung des Polders Eisenhammer zu einer Überflutungsfläche rechtskräftig. Nach fast fünf Jahren Bauzeit ging im April 2016 das 32 Millionen Euro teure Sperrwerk in Betrieb. Die Renaturierung des Polders sollte Anfang 2020 starten. Unter anderem – so der Plan – soll der Rosentaldeich zurückgebaut werden. Schon jetzt verlegen Bagger als vorbereitende Maßnahme für die Flutung des Areals zwei Schmutzwasserdruckleitungen in Richtung der Straße Eisenhammer.

Viele Arten auf Roter Liste

Bei seinem Gang über das seit etwa zehn Jahren ökologisch bewirtschaftete Grünland zeigt Schwarz auf die Wiesen-Flockenblume, den Hornklee und die Wilde Mohrrübe, auf der die Raupe des seltenen Schwalbenschwanzes gern ein Päuschen einlegt. Die Bestandsaufnahme des Biologen in den vergangenen Monaten ergab, dass im Planfeststellungsbeschluss von 2006 viele Arten unberücksichtigt blieben, die inzwischen prächtig gedeihen. Genau geht es um 91 Pflanzenarten, die auf der Roten Liste oder im Florenschutzkonzept geführt werden, um 15 Brutvögel-, acht Schmetterlings- und drei Amphibienarten, die ebenfalls auf Roten Listen stehen, sowie um 23 nach dem Bundesnaturschutzgesetz gesetzlich geschützte Biotoptypen. Ob damals nur oberflächlich kartiert wurde oder sich die Arten erst später ausbreiteten, kann Schwarz nicht sagen.

Umweltverband spricht von brisanter Situation

„Die Situation ist brisant“, sagt auch Janine Böttcher, Naturschutzreferentin des BUND-Landesverbandes. „Das Problem liegt vor allem darin, dass hier zu spät mit den Kompensationsmaßnahmen begonnen wird. Die Natur steht in den 13 Jahren zwischen Planfeststellung und Maßnahmenbeginn nicht still.“ Der BUND fordert deshalb eine Änderung des Beschlusses. Derzeit werde geprüft, ob der Umweltverband eine solche Änderung selbst beantragen kann oder ob dies nur dem Vorhabenträger, dem in Stralsund ansässigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU), vorbehalten ist, so Böttcher weiter.

Anfang 2020 wollte die Behörde als Bauherr mit dem Rückbau des Deichs beginnen. Ein Ingenieurbüro hat inzwischen mit der konkreten Ausführungsplanung begonnen. Grundsätzlich sei der Planfeststellungsbeschluss unanfechtbar, sagte Edgar Offel, Sprecher des Umweltministeriums. Artenschutzrechtliche Probleme könnten im Rahmen der ökologischen Bauüberwachung in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde gelöst werden. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass der Vorhabenträger eine Änderung des festgestellten Planes anstrebt. Dies bedürfe dann aber eines neuen Planfeststellungsverfahrens. „Sollte der Planfeststellungsbeschluss nochmals angefasst werden, wird alles sehr kompliziert“, ahnt ein Mitarbeiter der Behörde, der nicht genannt werden will.

Fehlen dem Land Ressourcen?

Die Renaturierung komplett kippen wollen weder BUND noch der Biologe Schwarz. Er schlägt vor, auf den im Jahr 2006 beschlossenen Komplett-Rückbau des Rosentaldeichs zu verzichten. „Nur im östlichen Bereich sollte der Deich abgetragen werden.“ Bevor dies passiert, sollten wertvolle Pflanzenarten umgesiedelt werden, so Schwarz weiter. Unter anderem das Kleine Mädesüß, das 2005 für den Greifswalder Raum als ausgestorben geführt wurde, aber vor 122 Jahren hier noch nachgewiesen wurde. Schwarz stellte im Frühjahr 2019 fest, dass diese Art mit ihren weißen Blütenständen im Polder prächtig gedeiht. „Durch die geplante Flutung würde das Kleine Mädesüß hier aussterben“, so der Biologe.

Dass das Land zu spät mit Ausgleichsmaßnahmen beginnt beziehungsweise diese halbherzig oder auch gar nicht umsetzt, ist dem BUND nicht nur aus Greifswald bekannt. „Wir vermuten, dass den Behörden finanzielle und personelle Ressourcen fehlen, um die Maßnahmen zeitnah zu beginnen“, so Böttcher. Das Umweltministerium widerspricht – zumindest im Falle von Greifswald. „Wir können erst mit der Renaturierung beginnen, wenn die Baumaßnahme abgeschlossen ist. Das war beim Sperrwerk erst 2017 der Fall, als der Deich fertiggestellt und damit der volle Hochwasserschutz für Greifswald gewährleistet war“, sagt Ministeriumssprecher Edgar Offel.

Stopp der Baggerarbeiten gefordert

Und was passiert mit den Baggerarbeiten, die derzeit am Eisenhammer laufen? „Aus unserer Sicht haben die Baggerarbeiten bereits Rote-Liste-Arten zerstört“, sagt der Greifswalder BUND-Aktivist Philip P. Thapa. Genau 38 gefährdete Arten existieren laut Schwarz allein in diesem Areal. „Die breitblättrige Sitter, eine Orchidee, ist bereits vernichtet worden.“ Ein Baustopp dieser Arbeiten wäre deshalb wünschenswert, wenn nicht sogar rechtlich erforderlich. Das Land weist eine solche Forderung zurück. „Da es sich um einen reinen Rohrleitungsbau handelt, kann die Maßnahme bereits vor Beginn der eigentlichen Renaturierung durchgeführt werden“, sagt Ministeriumssprecher Offel.

Martina Rathke

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