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MV aktuell Neuer Prozess um Foltertod von Frau in Alt Rehse
Nachrichten MV aktuell Neuer Prozess um Foltertod von Frau in Alt Rehse
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18:35 05.02.2019
Archiv: Der damals 51 Jahre alte Angeklagte Axel G. aus Alt Rehse am wartet am 25. Januar 2017 im Landgericht Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) mit Fußfesseln auf den Verhandlungsbeginn. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Alt-Rehse/Neubrandenburg

Der neue Prozess um den Foltertod einer jungen Frau aus Alt Rehse(Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) am Landgericht Neubrandenburg wird hinter verschlossenen Türen geführt. Richter Henning Kolf begründete den Ausschluss der Öffentlichkeit am Dienstag damit, dass es um eine dauerhafte Unterbringung des 53-jährigen Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus geht. Das Urteil soll öffentlich verkündet werden. Bisher sind Verhandlungen bis Juni geplant.

Den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit hatten die Verteidiger gestellt. „Es werden Einzelheiten des Intimlebens des Angeklagten und des Opfers zur Sprache kommen“, sagte Verteidiger Stefan Tabbert. Zu seiner Entlastung wolle auch der Angeklagte durchaus Angaben machen, die aber „schutzwürdige Belange“ berührten. Der Nebenklage-Anwalt und der Angeklagte selbst schlossen sich dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit an. Die Staatsanwaltschaft sah dagegen keinen Grund für einen Ausschluss. „Eine dauerhafte Unterbringung scheint mit Blick auf das vorliegende Gutachten unwahrscheinlich“, sagte Staatsanwalt Andreas Gentz.

Opfer nackt an Bett gefesselt

Der Angeklagte hatte Polizisten berichtet, dass er das Opfer im Frühsommer 2016 in seinem Haus im Streit nackt an ein Bett gefesselt habe. Er habe die Frau gepeitscht, weil „sie von Bundesnachrichtendienst und von der Dorfbevölkerung auf mich angesetzt war“. Das Opfer blieb gefesselt liegen, bekam kein Essen und Trinken und starb schließlich. Die Tote war auf eine Sackkarre geschnallt und in Teppiche gewickelt. Die genaue Todesursache blieb wegen des stark verwesten Zustands der Leiche unklar. Seither sitzt der 53-Jährige in U-Haft.

Im ersten Prozess war er 2017 wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht hatte ihn damals als „vermindert schuldfähig“ eingeschätzt, obwohl er eine Begutachtung abgelehnt hatte. Die Verteidigung legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ordnete eine Neuverhandlung an.

Erkrankter Richter ließ Prozess platzen

Es solle geprüft werden, ob der Mann zur Tatzeit „schuldunfähig“ war. Die erste Neuverhandlung begann Anfang 2018. Der Prozess - ebenfalls nicht öffentlich - platzte aber im Herbst, weil ein Richter lange erkrankte und der Vorsitzende Richter in den Ruhestand ging. Die Kammer ließ den Angeklagte sogar frei. Das führte zu großer Aufregung in der Region und die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein. Der Mann wurde nach einer Woche auf Anordnung des Oberlandesgerichts wieder verhaftet.

Der Informatikfachmann stammt aus Süddeutschland und hatte die 32-Jährige aus Rheinland-Pfalz via Internet kennengelernt. Die Frau wurde bei Amtsgeschäften gerichtlich betreut. Beide hatten ihre Liebesbeziehung über soziale Medien auch öffentlich geteilt. Im Prozess tritt der Vater des Opfers als Nebenkläger auf. Der Anwalt der Nebenklage hatte eine Verurteilung wegen Totschlags verlangt, was der Bundesgerichtshof aber verwarf.

Im Prozess sollen unter anderem wieder Polizisten gehört werden, die damals Zeugen waren, sowie etliche Einwohner von Alt Rehse. Sie sollen etwas zum Gesundheitszustand des Angeklagten zur Tatzeit im Jahr 2016 aussagen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt, letzter Verhandlungstag ist derzeit der 4. Juni.

Die OZ berichteten zum Thema

13. November 2018: Der Rechtsstreit geht weiter – Anwalt legt sogar Verfassungsbeschwerde ein

13. September 2018: Nach geplatztem Prozess: Angeklagter wieder in Haft genommen

29. März 2018: Bundesgerichtshof kassiert Urteil – Prozess soll im April neu starten

17. März 2017: Urteil: 5 Jahre Haft für Peiniger von Alt Rehse

14. Februar 2017: Polizist bestätigt Geständnis des Angeklagten

7. Januar 2017: TV-Sternchen totgepeitscht? Mann aus Alt Rehse vor Gericht

26. November 2017: Tote in Alt-Rehse: 51-Jähriger wird angeklagt

11. August 2016: Leichenfund in Alt Rehse: 51-Jähriger in Haft

RND/dpa

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