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Frei am Frauentag in MV: So teuer wird der neue Feiertag für Unternehmen

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09:22 14.01.2022
Mehrkosten für Unternehmen durch den zusätzlichen Feiertag: Tobias Blömer (Die Rostocker) und Steffen Pohl (Liebherr-MCCtec Rostock).
Mehrkosten für Unternehmen durch den zusätzlichen Feiertag: Tobias Blömer (Die Rostocker) und Steffen Pohl (Liebherr-MCCtec Rostock). Quelle: Stefan Sauer/dpa/Ove Arscholl
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Rostock/Schwerin

Ab 2023 soll es in MV mit dem Internationalen Frauentag am 8. März einen zusätzlichen Feiertag geben, hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) angekündigt, vereinbart mit dem Koalitionspartner Die Linke. In der Wirtschaft sorgt der Plan für Unmut. Für einzelne Firmen bedeute der zusätzliche Feiertag teils exorbitante Mehrkosten.

Wirtschaft stehe vor „dramatischer Situation“

Die Politik schafft einen neuen Feiertag, die Wirtschaft müsse es ausbaden. So reagieren Vertreter wie die Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV) auf Schwesigs Plan. Corona habe vielen Unternehmen bereits massiven Schaden zugefügt, da brauche es nicht auch noch einen Feiertag mehr, so Geschäftsführer Sven Müller. Solche Gedankenspiele „zulasten der Arbeitgeber verbieten sich mit Blick auf die dramatische Situation“.

Die VUMV rechne mit Kosten von rund 55 Millionen Euro für Firmen in MV. Grundlage ist eine Berechnung des Instituts für Wirtschaftsforschung in München, wonach ein Feiertag 0,12 Prozent der Wirtschaftsleistung koste.

Bergener Reinigungsfirma: hohe Feiertagszuschläge

Befragte Firmenchefs winken ab, manche laufen gar gegen die Feiertagspläne Sturm. Aimo Brandt von der Wero Gebäudereinigung in Bergen auf Rügen, erklärt: Er rechne mit Mehrkosten von 15 000 bis 18 000 Euro wegen des 8. März, vor allem in Form von 80 Prozent Feiertagszuschlägen. „Die werde ich wohl selbst stemmen müssen.“ Die Firma habe rund 100 Beschäftigte. 30 bis 40 müssten auch am Feiertag arbeiten, Ferienwohnungen oder Hotels reinigen. „Den Mitarbeitern gönne ich das“, so Brandt. Für seine Firma sei dies aber „ein Trauerspiel“.

Die Rostocker: Sonderschichten vor dem Feiertag

40 000 bis 50 000 Euro mehr kalkuliert Tobias Blömer, Chef der Rostocker Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH, wegen des Feiertags ein. Nur für Lohn und Gehalt, so Blömer. Denn beim Produzenten frischer Lebensmittel mit festem Ablaufdatum müssten die rund 170 Beschäftigten den freien Tag vorarbeiten – mit zusätzlichem Personalaufwand.

„In der Regel müssen wir vor Feiertagen am Samstag Schichten einschieben“, so Blömer. Auch bei Spediteuren und Händlern verursache der Feiertag zusätzliche Kosten und Arbeit.

Personalkosten machen auch vor Wohlfahrtsverbänden nicht halt. Das Diakoniewerk Neues Ufer in Schwerin, das rund mit rund 730 Beschäftigten 40 Einrichtungen wie Schulen, Kitas und Heime betreibt, gehe von Feiertagszuschlägen in Höhe von mehr als 8000 Euro aus. „Ganz zu schweigen vom bürokratischen Mehraufwand für die Schicht- und Dienstplanung“, so Geschäftsführer Thomas Tweer.

Kranbauer Liebherr: Wirtschaftsleistung sinkt erheblich

Mit sogar knapp zwei Millionen Euro fehlender Wirtschaftsleistung rechnet Steffen Pohl, Geschäftsführer der Kranbauers Liebherr-MCCtec Rostock bei einem zusätzlichen Feiertag. Liebherr hat in Rostock rund 1700 Beschäftigte.

Pohl rechnet vor: Die Summe bedeute umgerechnet die Grundlage von bis zu sechs Arbeitskräften im Unternehmen. „Einen zusätzlichen Feiertag zu schaffen, ist nicht der richtige Schritt, um die Lage in einem der wirtschaftlich schwächsten Bundesländer zu stärken“, sagt er.

Firmenchef: Der Kunde zahlt dann die höheren Preise

Politik mache es sich leicht – „aber das Geld müssen wir erwirtschaften“, erklärt Gerold Jürgens. Der Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern rechnet durch den 8. März in allein drei seiner Firmen in und um Greifswald mit höheren Kosten von insgesamt 37 000 Euro.

Jürgens rechnet vor: für die Firma BSR, Metallbau mit 55 Beschäftigten, gut 10 000 Euro. Für die MAL GmbH, Maschinen- und Armaturenservice mit 85 Beschäftigten, 16 600 Euro. Für eine Gerüstbaufirma mit 60 Beschäftigten 10 500 Euro. Mehrkosten müssten in Preise einkalkuliert werden. Heißt: Die Kunden zahlen. „Dadurch wird alles teurer“, so Jürgens. Als möglichen positiven Nebeneffekt eines zusätzlichen Feiertags sehe er aber: „Wenn die Leute erholter sind, sind sie nicht so lange krank.“ Hoffe er.

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Land plant höhere Personalkosten für Beamte ein

Die Landesregierung selbst kalkuliert für den 8. März höhere Personalkosten ein. Auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag teilt das Finanzministerium mit: Man rechne mit Mehrausgaben für rund 1000 Landesdiener, zum Beispiel bei Polizei oder in Haftanstalten. In Summe seien dies 90 000 Euro. Allerdings räumt das Ministerium ein: Eine „belastbare Angabe zu den Auswirkungen“ sei „nicht möglich“.

Laut Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft muss MV bei einem zusätzlichen Feiertag auch mit geringeren Steuereinnahmen rechnen.

Von Frank Pubantz