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MV aktuell Tausende in MV auf der Straße: Schülerstreik sorgt für Streit
Nachrichten MV aktuell Tausende in MV auf der Straße: Schülerstreik sorgt für Streit
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18:36 20.03.2019
Schülerdemo zum Klimaschutz in der Hansestadt Rostock. Quelle: Frank Söllner
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Rostock/Stralsund/Wismar

Freitagmittag in MV: 4600 Schüler protestieren friedlich und fantasievoll für den Klimaschutz. Und der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (26, CDU) aus Anklam sorgt mit zwei Sätzen für Empörung: „Bei der Wahl zwischen Unterricht und Klimademos in der Schulzeit entscheiden sich viele für Demos. Bei der Wahl zwischen Playstationen und Demos am Nachmittag sieht es bei manchen schon anders aus.“

Die Schülerin Alexia Wolf (15), Mitorganisatorin der Rostocker Großdemonstration, kontert: „Ich finde das dümmlich. Das zeigt, dass Amthor keine Ahnung von jungen Leuten hat. Er sollte mal kommen, dann würde er sehen, dass der Klimaschutz den Schülern ein echtes Anliegen ist.“

Politiker ohne gemeinsame Haltung

Während die größte Sorge der Schüler der Erderwärmung gilt, diskutieren Politiker, Lehrer und Eltern indes über den Umgang mit den schulpflichtigen Demonstranten. Eine gemeinsam Haltung, wie ihnen umzugehen sei, gibt es nicht.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) äußert sich anerkennend über das Engagement der Schüler. „Ich finde es großartig, dass sich bei uns in Mecklenburg-Vorpommern so viele junge Menschen für den Klimaschutz einsetzen.“

Ministerin Hesse droht mit Konsequenzen

Sie widerspricht damit der Auffassung ihrer Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Wer am Schulstreik teilnimmt, müsse mit Konsequenzen rechnen, ließ diese ihren Sprecher ausrichten. Es gelte der Handlungsleitfaden für das Schwänzen des Unterrichts. Anderslautende Regelungen gebe es auch für die Klima-Demonstrationen nicht.

Deutschlandweit sollen am Freitag 300 000 Schüler, Studenten und Erwachsene an den Protesten teilgenommen haben, weltweit wurde laut der Webseite "fridaysforfuture.org" in 123 Ländern demonstriert.

Hesse solle sich erst mal um Unterrichtsausfall kümmern

Vorbild für die Streikenden ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Die Aktivistin erlangte internationale Aufmerksamkeit, weil sie seit August 2018 unter dem Motto „Schulstreik fürs Klima“ freitags vor dem Reichstag in Stockholm demonstriert.

Der Rostocker Oberbürgermeisterkandidat Uwe Flachsmeyer (Grüne) rief den Schülern am Freitag zu: „Die Bildungsministerin hat euch gesagt, ihr habt eine Schulpflicht, aber im vergangenen Jahr sind 186 000 Unterrichtsstunden in MV ausgefallen. Darum sollte sich die Ministerin vielleicht mal als Erstes kümmern, statt um diese sechs Stunden, die so sinnvoll sind.“

Schilder wie „Klima – aussichtsloser als unser Mathe-Abi“ brachten dieses Dilemma, in dem sich die Schüler und Rektoren befinden, auf den Punkt.

Klassenfahrten mit Billigfliegern bedenklich

Christoph Racky ist Schulleiter des Arndt-Gymnasiums in Bergen auf Rügen. Er sagt: „Das Ansinnen der Aktion ist ehrenhaft.“ Er hat Schülern, deren Eltern schriftlich darum gebeten hatten, eine Freistellung für Freitag erteilt. Künftig will er das jedoch nicht mehr tun. Der Lehrplan sei gut gefüllt und ohnehin gebe es zu viel Ausfall, über den sich Eltern beschweren. „Wenn Schüler ohne Freistellung wegbleiben, wäre das ziviler Ungehorsam. Das hätte Konsequenzen.“ Er wolle die Schüler zudem künftig darauf aufmerksam machen, dass zum Beispiel Klassenfahrten mit Billigfliegern nach Barcelona ökologisch sehr bedenklich seien.

Alexia Wolf plant auch am kommenden Freitag mit ihren Plakaten vor dem Rostocker Rathaus auf Umweltthemen aufmerksam zu machen – ab 14 Uhr, nach Schulschluss.

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