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MV aktuell Frust zum Semesterstart in MV: Platz auf der Warteliste statt im Seminarraum
Nachrichten MV aktuell Frust zum Semesterstart in MV: Platz auf der Warteliste statt im Seminarraum
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08:26 15.10.2019
Alexandra Kersten (24), Studentin Lehramt Sonderpädagogik an der Uni Rostock, hat Probleme, ihren Stundenplan zu erstellen. Der Grund: In vielen Kursen steht sie nur auf der Warteliste. Quelle: Frank Söllner
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Rostock/Greifswald

Zahlreiche Studenten warten vor dem kleinen Seminarraum des Rostocker Universitätshauptgebäudes: Semesterbeginn. Viele Anwesende sind gefrustet – nur 25 von ihnen konnten sich in das Seminar einschreiben. Alle anderen stehen auf einer Warteliste und hoffen, dennoch bleiben zu dürfen – weil andere am ersten Tag nicht erscheinen, absagen oder der Dozent ein Auge zudrückt.

„Mir fehlt noch ein Seminar in den Bildungswissenschaften und ich versuche schon seit einem Jahr, in diesen Kurs reinzukommen“, sagt Alexandra Kersten, die im 7. Semester Lehramt für Sonderpädagogik studiert. Will sie ihr Studium in der Regelstudienzeit beenden, muss sie bis einschließlich achtes Semester alle Veranstaltungen abschließen. Vorsorglich hatte sie sich daher für alle Seminare im Bereich Bildungswissenschaften beworben – und dennoch keinen Platz bekommen. „Für diesen Kurs stehe ich auf Wartelistenplatz 63 – hier habe ich die besten Chancen. Bei einem anderen bin ich auf Platz 212“, sagt sie.

Losverfahren entscheidet

Ähnliches berichtet Una Ehlers. „Ich habe mich gleich zu Beginn der Frist als eine der ersten angemeldet und bin auf Warteplatz 65 für einen Kurs“, sagt die Germanistik-Studentin mit Zweitfach Kommunikations- und Medienwissenschaften. „Ein Kommilitone, dem ich zum Ende der Anmeldefrist half, hat Platz 25“. Sich einen Stundenplan zu erstellen und alles zu organisieren, sei unübersichtlich und stressig. „Die ganze Angelegenheit setzt mich total unter Druck, weil meine Pläne jetzt überhaupt nicht mehr funktionieren“, sagt die 20-Jährige, die befürchtet, ihr Studium später verlängern zu müssen.

Zu Semesterbeginn sind auch die Hörsäle, wie hier bei der Einführungsveranstaltung für Lehramtsstudenten, überfüllt. Quelle: Universität Rostock

Seminarplatz per Losentscheid

„Die Vergabe der freien Plätze erfolgt entweder anhand bestimmter Sachkriterien oder durch Los“, erklärt Uni-Sprecher Michael Vogt. „Abgewiesen werden nur Personen, wenn sie diese Lehrveranstaltung im Rahmen eines Wahlmodus besuchen wollen, also nicht zwingend fürs Studium benötigen. Ansonsten führt wie auch sonst bei begrenzter Kapazität die Auswahl dazu, dass nicht alle Studierenden zugleich berücksichtigt werden können.“ Wer auch im letzten Semester nicht alle benötigten Kurse bekommt, könne sich an den Prüfungsausschuss wenden und einen Härtefallantrag stellen.

Mehr als 5000 neue Studenten an den Unis in MV

Zum Semesterbeginnan den beiden Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern starteten am Montag auch mehr als 5000 neue Studenten ins Studienjahr. So wurden in Rostock gut 3100, in Greifswald etwa 2000 Studienanfänger erwartet.

Für die knapp 3500 „Erstis“ an den Hochschulen in Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, Stralsund und Wismar hat das Semester bereits im September begonnen. Insgesamt sind nach vorläufigen Zahlen derzeit etwa 36 000 Studenten an den Universitäten und Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern eingeschrieben.

„Allgemein kann man sagen, dass viele Dozierende sich sehr bemühen, Studierende aufzunehmen, obwohl das Seminar voll ist. Aber auch sie stoßen irgendwann an ihre Grenzen“, sagt Friederike Schulz vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) in Rostock. Aufgeschobene Seminare führen zu erhöhtem Druck, da sich somit auch die Prüfungsleistungen in den Folgesemestern ansammeln. „Um eine hohe Qualität der Lehre zu gewährleisten, braucht es mehr Dozierende, um neue Seminare aufmachen zu können. Daher sehen wir das Land in der Pflicht, der Universität mehr unbefristete Stellen in der Lehre bereitzustellen.“

„Studium ist ein einziger Kampf“

Ein weiteres Problem sieht Luisa Lehnert, die im neunten Semester Lehramt studiert – eigentlich ihr letztes Semester, doch es fehlen ihr unter anderem noch Mathe-Kurse. „Wenn alles gut läuft, muss ich noch zwei Semester ranhängen, die dann aber über meine Regelstudienzeit gehen, weshalb das BAföG-Amt Stress macht“, sagt sie. Lehnert kritisiert die Uni scharf. „Wenn ich noch mal wählen könnte, dann würde ich niemals wieder an der Uni Rostock studieren. Das gesamte Studium ist immer wieder ein einziger Kampf.“

Auch in Greifswald gibt es Probleme

Dass es allerdings nicht nur an der Universität Rostock Schwierigkeiten mit überfüllten Kursen gibt, bestätigt Esther Erwin, Vorsitzende des Asta in Greifswald. Sie kennt das Problem aus ihrem eigenen Jura-Studium. „Man muss einen Englisch-Schein machen, die Plätze sind aber stark begrenzt“, sagt sie. Als einzige Lösung sieht auch Erwin, mehr Stellen für Dozenten zu schaffen, damit die Uni der Kursnachfrage nachkommen kann.

Asta fordert mehr Stellen

In Greifswald gehen Kurse laut Studienordnung zunächst an Studenten, die auf den Besuch der Lehrveranstaltung zu diesem Zeitpunkt angewiesen sind. „Die zuständige Fakultät stellt im Rahmen der verfügbaren Mittel sicher, dass den Studierenden durch die Beschränkung der Teilnehmerzahl kein Zeitverlust entsteht“, heißt es. Laut Sprecher Jan Meßerschmidt gibt es selten Beschwerden über dieses Vorgehen. „In den vergangenen Jahren gab es Fächer, in denen es schon einmal etwas dauerte, bis ein nötiger Kurs belegt werden konnte. Darauf haben die Fächer jedoch mit mehr Angeboten reagiert“, sagt er.

Studentenwerke bieten Rechtsberatung

Die Angst vieler Betroffenen: Durch das geringe Platzangebot in einigen Seminaren das Studium nicht in der Regelstudienzeit zu schaffen und dann den Anspruch auf die Ausbildungsförderung „BAföG“ zu verlieren. „Wenn Studierende aufgrund von organisatorischen Versäumnissen der Universitäten ihre Prüfungen nicht in der vorgesehenen Zeit ablegen können, kann das berücksichtigt werden“, sagt Karl Schöppner, Abteilungsleiter für Ausbildungsförderung des Studierendenwerkes Greifswald. Das Studierendenwerk Rostock-Wismar empfiehlt Betroffenen, sich dahingehend beraten zu lassen. Im Einzelfall sei eine Verlängerung möglich. „Ein schwerwiegender Grund ist gegeben, wenn es zu Verzögerungen des Studiums kommt, die der Studierende nicht zu vertreten hat“, sagt Sprecherin Malena Wiechers.

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Als letzten Ausweg können Betroffene sich ihr Seminar per Eilverfahren sogar rechtlich einfordern, wie Anwalt Arne-Patrik Heinze, der sich auf Studienplatzklagen spezialisiert hat, erklärt. „Wenn jemand einen Platz an einer Uni bekommen hat, hat er auch einen Anspruch auf ein ordnungsgemäß verlaufenes Studium“, sagt er. Bei Schäden, die durch Versäumnisse der Uni entstehen, könne sogar Schadensersatz geltend gemacht werden. Das gelte beispielsweise auch für Nachteile bei Prüfungen – etwa wenn aufgrund vorheriger Absagen im letzten Semester geballt alle Kurse mitsamt Prüfungen anstehen.

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