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MV aktuell Fünf Tote in MV: Schwerste Grippewelle seit Jahren
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00:00 15.03.2018
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Rostock

So heftig wie in diesem Winter hat den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern lange keine Grippewelle mehr zugesetzt. Die Zahl derer, bei denen Influenza diagnostiziert wird, steigt und steigt – entgegen dem Bundestrend. Fünf Patienten sind bereits gestorben, nachdem sie sich den Virus eingefangen hatten. „Die Meldedaten deuten auf eine der schwersten und langwierigsten Grippewellen seit zehn Jahren hin“, sagt Heiko Will, Chef des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lagus). Die fünf Toten – drei Männer und zwei Frauen – waren alle zwischen 77 und 98 Jahre alt und zählten damit zur Risikogruppe. In der Vorsaison hatte es in MV insgesamt zehn Grippetote gegeben.

Die Meldedaten deuten auf eine der schwersten und langwierigsten Grippewellen seit zehn Jahren hin. Heiko Will, Lagus-Chef

Büros, Betriebe, Klassenzimmer, Kitas und Blutbanken sind leerer als gewohnt. Dafür sind die Wartezimmer der Hausärzte nach wie vor voll. „Wer ohne Termin kommt, muss bis zu zwei Stunden warten“, sagt der Chef des Hausärzteverbandes MV, Stefan Zutz, der in Neubukow eine Gemeinschaftspraxis hat. Um den Andrang zu meistern, hätten er und seine Kollegin die Sprechzeiten um je eine Stunde pro Tag verlängert. Neben der Zahl der Erkrankten seien auch die Krankheitsverläufe beachtlich. „Die Symptome sind heftiger als sonst.“ Statt zwei setze die Grippe seine Patienten bis zu vier Wochen schachmatt.

Besonders häufig erwischt es Rentner und Kleinkinder. Nahezu jedes zehnte Kita-Kind im Land blieb in der vergangenen Woche wegen akuter Atemwegsinfektion zu Hause. 1713 Influenza-Infektionen in MV waren dem Lagus in der zehnten Kalenderwoche gemeldet worden, in der Woche davor waren es 1526 Erkrankungen. „Danach werden in Mecklenburg-Vorpommern schon jetzt etwa ein Drittel mehr Fälle registriert als insgesamt in vergleichbaren Jahren mit hoher Grippe-Intensität“, sagt Will. Besonders betroffen sind Rostock (585 Fälle letzte Woche) und der Landkreis Vorpommern-Greifswald (271).

Insgesamt wurden dem Lagus seit Beginn der Grippesaison im vergangenen Herbst 6530 Grippefälle gemeldet, in der Saison 2016/17 waren es zum gleichen Zeitpunkt 3423, die Saison davor 1771. Es sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Die Grippewelle macht vor Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern nicht halt. Das spürt auch die größte Klinik im Land, die Universitätsmedizin Rostock. „Die Lage in der Anästhesie- und Intensivpflege und auch in der OP-Pflege ist aufgrund der aktuellen Krankheitswelle signifikant angespannt“, sagt der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Daniel Reuter. „Wir stellen aber die zeitgerechte Versorgung aller Notfallpatienten in jedem Falle sicher, letztlich auch durch den wirklich großartigen Einsatz der ,verbliebenen’ Mitarbeiter.“

Wie lange die Grippe MV noch im Griff haben wird, sei schwer vorherzusagen, sagt Hausärzte-Chef Zutz. „Wir denken jeden Tag, es müsste bergauf gehen. Aber bisher ist kaum Besserung in Sicht.“

Joachim Mangler und Antje Bernstein

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