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MV aktuell Mehr Kreuzfahrt geht nicht: So erlebten Rostock und Warnemünde den Fünfachanlauf
Nachrichten MV aktuell Mehr Kreuzfahrt geht nicht: So erlebten Rostock und Warnemünde den Fünfachanlauf
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11:17 13.07.2019
Begeisterung statt Chaos beim Fünffachanlauf: Die Familien Weiß und Heckel aus Hildburghausen in Thüringen nutzen die Kulisse der Kreuzfahrtschiffe für Urlaubsfotos aus Warnemünde. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Rostock ist heute der Nabel der Welt“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling. Das mag großspurig klingen, ist aber gar nicht mal so abwegig. Jedenfalls nicht an diesem Freitagvormittag in der Hansestadt. Denn die Innenstadt ist voll. Geschäfte, Bistros, Restaurants – alles voll. Reisengruppen drängen sich auf der Kröpeliner Straße, dem Universitätsplatz, auf dem Neuen Markt. Amerikaner und Kanadier, Japaner und Spanier, Italiener und Franzosen.

Gleich fünf Kreuzfahrtschiffe haben an diesem Tag in der Hansestadt festgemacht. Mit 10 000 Gästen an Bord. Ein Rekord – der sich aber so nicht mehr wiederholen soll. „Fünf Schiffe – das ist die absolute Obergrenze“, sagt nämlich selbst Rostocks Hafen-Chef Jens Scharner.

Tausende Passagiere und Crewmitglieder sind in Rostock beim einzigen Fünffachanlauf des Jahres an Land gegangen

Drei in Warnemünde, zwei im Seehafen

Am frühen Morgen sind die weißen Riesen eingelaufen. In Warnemünde haben die „Aidamar“, die „Costa Favolosa“ und die kleinere „Viking Sea“ festgemacht. Im Seehafen liegen „Marina“ und die „Regal Princess“. Schon in den Tagen zuvor hatte es Diskussionen gegeben: Verträgt Rostock so viele zusätzliche (Tages-)Gäste? Müssen so viele Schiffe wirklich sein?

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In Kiel – Rostocks schärfster Mitbewerber im Kreuzfahrtgeschäft an der deutschen Ostseeküste – haben gleich mehrere Gruppen für Sonnabend zu einer großen Demonstration gegen die Luxusliner aufgerufen. Der „Initiative gegen Kreuzfahrt“ haben sich unter anderem der Naturschutzbund Nabu und der Bund für Umwelt und Naturschutz angeschlossen. Sie wollen weniger Urlauberschiffe an der Förde, kritisieren die Umweltbelastung durch Schiffsabgase und die Arbeitsbedingungen für das Personal an Bord.

In Rostock hingegen ist die Lage deutlich ruhiger und entspannt. Selbst am Tag des Fünffachanlaufs. Auf der Mittelmole gehört das Klackern der Rollkoffer auf dem holprigen Untergrund an diesem Tag zum akustischen „Grundrauschen“. Für viele Gäste endet hier die Reise, sie schleppen ihr Gepäck zum Bahnhof und sind dann weg.

„Von denen, die hier einen Tag verbringen, bleibt ein Drittel in Rostock. Der Rest fährt entweder nach Berlin oder zu den Sehenswürdigkeiten im Land – Schwerin, Güstrow, Bad Doberan“, sagt Alexander Prechtel, CDU-Politiker und Vorsitzender des Ortsbeirates in Warnemünde. Um die 6000 Passagiere gehen allein in Warnemünde von Bord, rechnerisch bleiben 2000 in dem einstigen Fischdorf. „Drei Schiffe – das ist gerade so noch okay“, sagt Prechtel. Mehr dürften es aber nicht werden. „Wir haben die Obergrenze erreicht.“

Rostock ist nicht mehr die Nummer eins

Erstmals hat in diesem Jahr Hamburg die Hansestadt überholt: 2019 ist die Elbmetropole Deutschlands größter Kreuzfahrthafen. „Für mich ist das in Ordnung“, sagt Prechtel, der Warnemünder. „Wir wollen die Kreuzfahrer bei uns. Definitiv.“ Die Schiffe seien auch bei jenen Urlaubern beliebt, die in den Hotels des Seebades übernachten. „Die Schiffe gehören zum Warnemünder Flair. Wir sind als schönster Kreuzfahrthafen der Ostsee in aller Welt bekannt.“

Und auch gegen die 200-Millionen-Pläne für einen weiteren Kreuzfahrthafen im alten Warnemünder Werftbecken habe er prinzipiell nichts: „Dort wird es eine Landstromanlage geben. Dann stoßen die Schiffe während der Liegezeit keine Abgase mehr aus, sind zudem leise. Das muss auch sein mit Blick auf die Bedürfnisse der Warnemünder.“

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Aber 250, 300, 400 Anläufe im Jahr – das dürfe nicht sein, sagt Prechtel. „Wir wollen keine Stimmung wie in Venedig oder Dubrovnik. Dort sind die Anwohner gegen die Kreuzfahrt. Diesen Konflikt wollen wir gar nicht erst haben.“ Dass der Hafen gemeinsam mit großen Reedereien darüber nachdenkt, Kreuzfahrtschiffe verstärkt im Seehafen abzufertigen – Prechtel hält das für richtig.

Volksfest oder Kreuzfahrt-Ansturm?

Auch Warnemünde ist voll. Allerdings nicht übermäßig. Ob die Massen nun wegen der Warnemünder Woche – dem größten Segelfest in MV – gekommen sind, ob es die „normalen“ Urlauber in der Hochsaison oder Kreuzfahrtgäste sind: unmöglich zu sagen. Im „legendären“ Edeka-Markt am Kirchplatz, in dem sich die Besatzungsmitglieder der Kreuzfahrtschiffe liebend gern mit Drogerie-Artikeln und Schokolade eindecken, haben drei der vier Kassen geöffnet. Lange muss hier niemand Schlange stehen – trotz des Fünffachanlaufs.

„Natürlich sehen wir das Wachstum des Rostocker Hafens kritisch“, sagt Matthias Goerres, Meeresschutz-Referent beim Bund für Umwelt und Naturschutz in MV. „Das gilt aber nicht nur für die Kreuzfahrt. Die geplanten neuen Anleger, die Vertiefung des Seekanals: All das wird Auswirkungen auf die Natur haben.“

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Was die Luxusliner angeht: Ja, da sei die Grenze erreicht. Dass es in Kiel Proteste gibt und in Rostock nicht – Goerres erklärt das so: „Die Warnemünder sind es gewohnt, wenn viele Menschen sie besuchen. Das ist nunmal ein Urlaubsort.“ Außerdem: In Kiel liegen die „Pötte“ mitten in der Innenstadt. In puncto Sauberkeit habe die Kreuzfahrtbranche die Zeichen der Zeit verstanden: Flüssiggas statt Diesel als Treibstoff, Landstrom im Hafen: „Das ist alles noch nicht ideal, Schadstoffe stoßen die Schiffe weiterhin aus.“ Aber die Tendenz stimme schon mal.

Hafen setzt auf Nachhaltigkeit

Bund-Experte Goerres spricht oft von Nachhaltigkeit, wenn es um Kreuzschifffahrt geht: Lassen die Tagesgäste wirklich auch Geld im Ort? „Aus meiner Sicht ja, aber Hotelgäste halt noch mehr.“ Dennoch profitiere die Wirtschaft massiv von den Schiffen: „Von den Crews haben vor allem der Lebensmittelhandel und die Drogerien etwas. Die Besatzungen decken sich dort regelrecht ein – mit Deo, Schokolade, Snacks“, sagt Kay-Uwe Teetz, Geschäftsführer des Handelsverbandes Nord. „Die Gäste selbst kaufen am Liebsten höherpreisig ein. In Geschäften, die etwas Besonderes zu bieten haben. Qualität und Marken.“

Rund 70 Millionen Euro geben die Passagiere pro Jahr in MV aus. Das hat der Hafenbetreiber Rostock Port errechnen lassen. Und das soll auch so bleiben, sagt dessen Geschäftsführer Jens Scharner. „Aber das Ganze muss nautisch, ökologisch und sozial verträglich sein. Wir wollen, dass alle etwas vom Kreuzfahrtgeschäft haben: Die Gäste und die Reedereien, die Menschen und Unternehmen in der Region sowie wir als Hafen.“

Drei Schiffe in Warnemünde seien daher auch aus seiner Sicht das Maximum, die Obergrenze. Wenn der Kreuzfahrthafen Rostock wachsen soll, dann primär im Überseehafen. „Aber uns geht es um Qualität – und nicht um Rekorde.“ Mit Sonderzügen wurden am Freitag allein 2000 Gäste nach Berlin gebracht, acht Flugzeuge brachten Passagiere von Rostock-Laage aus zurück in ihre Heimatorte in Südeuropa. „Alles hat gut funktioniert. Reibungslos.“ Mehr Kreuzfahrt gehe nicht.

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