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MV aktuell Für Studenten, Saisonkräfte, Werft-Arbeiter: Warum in MV Wohnheime entstehen
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20:37 21.09.2019
Das Elbotel in Rostock: 35 Mitarbeiter verlieren dort ihren Job - weil das Hotel einer Unterkunft für Werftarbeiter weichen soll. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Die Wohnungsnot in den größten Städten und Urlaubsorten des Landes – sie wird auch für die Wirtschaft mehr und mehr zum Problem: „Weil die Arbeitskräfte keine Wohnung mehr finden, bleiben sie unserer Region fern“, klagt beispielsweise Raphael Wardecki (Grüne), Bürgermeister im Ostseebad Boltenhagen. In Rostock soll die Stadt deshalb nun selbst aktiv werden: Die Linke will per Bürgerschaftsbeschluss dafür sorgen, dass das Rathaus eigene, neue Wohnheime baut – für Monteure und Saisonkräfte, für Studenten, Azubis und auch Flüchtlinge.

Rostock soll selbst bauen

In Rostock ist der Wohnungsmarkt schon seit Jahren angespannt. Rund 2000 Wohnungen pro Jahr müsste die wachsende Hansestadt neu bauen, um den Bedarf zu decken. Doch davon ist sie weit entfernt. „Das Studentenwerk muss jedes Jahr mehr als 1200 Anfragen ablehnen, weil keine Zimmer mehr da sind.

Anstatt weiter zuzusehen, wie eine überteuerte Wohngemeinschaft nach der anderen entsteht, müssen wir als Stadt handeln.“ Die Hansestadt – oder ihre stadteigene Wohnungsgesellschaft Wiro – soll deshalb Wohnheime bauen: „Im Nordosten und Nordwesten würden die Stadtteile auch enorm profitieren, von kleinen Quartieren mit jungen Leuten“, sagt Linken-Fraktionschefin Eva-Maria Kröger.

In der größten Stadt des Landes gäbe es längst eine „verdeckte Obdachlosigkeit“: „Monteure und Arbeiter – zum Beispiel aus anderen EU-Staaten – wohnen in ihren Autos, während sie in Rostock arbeiten. Oder sie teilen sich zu fünft, zu sechst eine kleine Wohnung.“ Das führe zu Spannungen – zum Beispiel mit Nachbarn. Doch Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) lehnt Wohnheime bislang ab: „Das ist nicht Aufgabe der Kommune.“

Urlaubsorte in Nöten

Das sehen seine Amtskollegen in den Urlaubsorten anders: In Kühlungsborn soll die stadteigene Wohnungsgesellschaft Noveg neue Wohnungen für Fachkräfte bauen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei privaten Bauherren die Wohnungen schnell verkauft werden und zu Zweitwohnsitzen umfunktioniert werden“, sagt Bürgermeister Rüdiger Kozian. Bei der Noveg könne die Stadt entscheiden, für wen der Wohnraum bestimmt ist.

Und: Im größten Ostseebad des Landes wollen auch Hoteliers Wohnheime für ihre Arbeitskräfte bauen – vor allem für die Saison. „Doch wir brauchen erst die Flächen dafür.“ Der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn hält Wohnheime ebenfalls für „ein probates Mittel dem Fachkräftemangel entgegen zu treten“. Allerdings müssen die Bewohner auch betreut werden: „Wir wollen sie in die Gesellschaft einbinden, dann werden vielleicht aus Saison- auch Dauerwohner.“

Auch Boltenhagens Bürgermeister Raphael Wardecki spricht von „akutem Handlungsbedarf“. Er will neue Wohngebiete erschließen, prüft die Gründung einer eigenen Wohnungsgesellschaft und hält auch kommunale Wohnheime für sinnvoll – „solange keine ,Slums’ dadurch entstehen“. „Ein Privatinvestor wollte Wohnraum für Mitarbeiter in der Nähe der neu geplanten Hotels bauen. Dies wurde von der Politik aber abgelehnt.“

Gemeinde als Investor?

Aus Graal-Müritz heißt es ebenfalls: „Wir können die Nachfrage nach Wohnraum nicht befriedigen“, so Bürgermeisterin Benita Chelvier. Sie will nun ein ehemaliges Internat des Landkreises für kommunale Zwecke nutzen – zum Beispiel als Quartier für Rettungsschwimmer und Saisonkräfte.

Für Laura Isabelle Marisken, Bürgermeisterin in Heringsdorf auf Usedom, wäre das keine Option. Stattdessen könne sie sich vorstellen, dass die Gemeinde als Investor bei neuen Wohnungsbauvorhaben aktiv wird. Handlungsbedarf gäbe es definitiv: „Mir sind in unserer Gemeinde gut angenommene Restaurants und Läden bekannt, die schließen mussten, aufgrund fehlenden Personals. Damit schadet die Wohnungsnot direkt unserer Wirtschaft und damit unserer Gemeinde.“

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