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MV aktuell Halbzeit beim Garnelen-Forschungsprojekt: Erste Ergebnisse sind da
Nachrichten MV aktuell Halbzeit beim Garnelen-Forschungsprojekt: Erste Ergebnisse sind da
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14:20 21.01.2019
Born: In der Versuchsstation der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern zeigt ein Mitarbeiter die verwertbare Größe einer Garnele. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Born/Darß

Wasserbecken neben Wasserbecken, jedes fasst rund 1000 Liter. Darin sind jeweils Hunderte Garnelen, getrennt in unterschiedliche Altersstufen. Ausgewachsene Exemplare messen um die zwölf Zentimeter, die kleinsten sind nur stecknadelkopfgroß. „Die sind gerade eingetroffen und brauchen jetzt vor allem Mineralien. In einer Woche bekommen sie dann schon Trockenfutter, um nach sechs Monaten ihr Idealgewicht zu erreichen“, sagt Alexandra Segelken-Voigt. Die promovierte Aquakulturspezialistin ist seit dem Start des Garnelen-Projektes am Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern dabei.

Seit Herbst 2017 versuchen Wissenschaftler herauszufinden, unter welchen Bedingungen Garnelen in Kreislaufanlagen – wie in der Versuchsstation des Instituts in Born auf dem Darß - optimal heranwachsen. Die marine Aquakultur sei in Deutschland und Europa noch ein sehr junger Industriezweig, es fehlten noch fundierte Erkenntnisse, sagt der Leiter der Versuchsanlage, Ralf Bochert.

Grünes Licht fördert das Wachstum

Weltweit gibt es mehr als 3000 Garnelenarten. „Längst nicht alle eignen sich für die Aufzucht in Aquakulturanlagen. Wir haben uns für Weißfußgarnelen entschieden“, erklärt Bochert. Er koordiniert das Forschungsprojekt. „Neben den Inhaltsstoffen im Wasser und dessen Temperatur geht es vor allem um optimale Lichtverhältnisse.“ So hätten die Wissenschaftler inzwischen herausgefunden, dass grünes Licht direkt über den Becken das Wachstum der Garnelen fördert. „Je dunkler, desto besser. Das wirkt sich zugleich positiv auf das Tierwohl aus. Die Garnelen zeigen das durch ihre typisch rötliche Färbung“, sagt Segelken-Voigt. Die Farbe sei zugleich ein Qualitätsmerkmal bei der Vermarktung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Futterzusammensetzung. Hier hat sich nach den bisherigen Versuchen den Forschern zufolge gezeigt, dass sich ein vergleichsweise geringer Proteingehalt positiv auf die Gewichtszunahme auswirkt und eine geringe Sterblichkeit bringt.

Ergebnisse, die York Dyckerhoff gern zur Kenntnis nimmt, um sie für sein Produktionsverfahren zu nutzen. Zuvor als Verkäufer im internationalen Handel tätig, hat der Seiteneinsteiger 2014 in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg) die erste deutsche Garnelenmanufaktur errichtet. Produziert wird in geschlossenen Meerwasserkreislaufanlagen bei 28 Grad Wassertemperatur und 70 Prozent Luftfeuchte. Die Bedingungen ähneln denen in der Versuchsanlage in Born.

Tiefgefrorene Produkte kommen aus Asien

Zwischen dem Investor und den Wissenschaftlern hat sich eine Zusammenarbeit entwickelt. „Ich bekomme die neuesten Forschungsergebnisse, sie meine praktischen Erfahrungen“, sagt Dyckerhoff. „Beides zusammen führt letztlich zu einer optimalen Produktion. Und begeistert vielleicht neue Investoren.“

Konkurrenz für seine White Tiger-Garnelen - eine „Cara Royal“, eine Königin unter den Garnelen, wie der Farmchef sagt - fürchtet er nicht. Im vergangenen Jahr seien 42 000 Tonnen tiefgefrorene Garnelen vorwiegend aus Asien und Südamerika nach Deutschland importiert worden. Herangezogen wurden sie in riesigen Becken zumeist unter Einsatz von Antibiotika.

In Grevesmühlen wird hingegen in vergleichsweise kleinen Anlagen taufrische Ware produziert. 15 Tonnen sollen es einmal pro Jahr sein. Ein verschwindend geringer Anteil am Gesamtaufkommen. „Ganz haben wir das Ziel noch nicht erreicht, aber wir sind auf einem guten Weg. 100 Prozent Bio, null Prozent Chemie“, sagt Firmeninhaber Dyckerhoff. Die Nachfrage sei hoch.

Verkauft wird direkt ab Farm oder im Online-Shop beziehungsweise an Lebensmittelketten, Fachgeschäfte und Restaurants. „Frische Garnelen sind eine Delikatesse“, sagt Versuchsleiter Bochert. „Anhand unserer Forschungsergebnisse werden wir eine Technologie für eine ökologisch wie ökonomisch optimale Produktion liefern.“ Bis zum Projektabschluss im Sommer 2020 steht dafür knapp eine Million Euro aus Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds und des Landes Mecklenburg-Vorpommern bereit.

Jürgen Drewes