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MV aktuell Gas-Anbindungsleitung nach Süden unterquert Peene und Schutzgebiete
Nachrichten MV aktuell Gas-Anbindungsleitung nach Süden unterquert Peene und Schutzgebiete
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05:00 15.07.2019
Ein Pipeline-Stück der Erdgaspipeline Eugal wird mit Hilfe von Seitenbaumkränen bei Anklam ins Erdreich verlegt. Die Leitung soll nach ihrer Fertigstellung russisches Erdgas aus der Ostseepipeline Nord Stream 2 ins europäische Gasnetz speisen. Mit der rund 480 Kilometer langen Leitung von Lubmin, wo Nord Stream 2 endet, sollen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas durch Brandenburg und Sachsen an die tschechische Grenze transportiert werden. Die Baukosten für das Projekt, das voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen sein soll, beziffert Gascade auf knapp drei Milliarden Euro.Stefan Sauer/
Ein Pipeline-Stück der Erdgaspipeline Eugal wird mit Hilfe von Seitenbaumkränen bei Anklam ins Erdreich verlegt. Die Leitung soll nach ihrer Fertigstellung russisches Erdgas aus der Ostseepipeline Nord Stream 2 ins europäische Gasnetz speisen. Mit der rund 480 Kilometer langen Leitung von Lubmin, wo Nord Stream 2 endet, sollen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas durch Brandenburg und Sachsen an die tschechische Grenze transportiert werden. Die Baukosten für das Projekt, das voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen sein soll, beziffert Gascade auf knapp drei Milliarden Euro.Stefan Sauer/ Quelle: dpa
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Stolpe/Lubmin

Wenn Ende des Jahres das erste Erdgas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 aus Russland nach Deutschland strömt, muss auch die Leitung für den Weitertransport nach Süden fertig sein. Noch wird heftig an der neuen Europäischen Gas-Anbindungsleitung – Eugal – gebaut. Das russische Gas kommt in Lubmin östlich von Greifswald an Land. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen künden Bagger, Gräben, Sandberge und Rohrstapel von der neuen Trasse, über die bald wieder Gras oder Getreide gewachsen sein wird.

Peene-Tunnel führt unter einem Naturschutzgebiet hindurch

Nicht so an der Peene, einem der letzten unverbauten Flüsse in Deutschland. Das Gewässer wird in Vorpommern nahe Stolpe bei Anklam von der Eugal unterquert. Der Peene-Tunnel führe unter einem Naturschutzgebiet hindurch, sagt der Sprecher des Fernleitungsnetzbetreibers Gascade (Kassel), Reemt Bernert. Das stellte die Bauplaner vor zusätzliche Herausforderungen. Die Peene ist bei Stolpe 60 bis 70 Meter breit, wie der Leiter des Naturparks Flusslandschaft Peenetal, Frank Hennicke, sagt. Dennoch wurde der Tunnel mit 1003 Metern der zweitlängste auf der 480 Kilometer langen Trasse. „Das Naturschutzgebiet blieb völlig unversehrt“, sagt Hennicke. Es habe lediglich einen kleinen Zwischenfall gegeben. Beim Bohren trat Bentonit aus, ein mineralisches Schmiermittel. Es gelangte in den Fluss – ein unerwünschter Nährstoffeintrag, aber ungiftig, hieß es.

Die Pipeline für das Erdgas aus Russland Richtung Süden wird zum Teil unter Flüssen und ganzen Naturschutzgebieten hindurch verlegt. Eine technische Meisterleistung. Kritik kommt von Umweltschützern.

Wie die Ostsee-Pipeline des russischen Unternehmens Gazprom und mehrerer europäischer Firmen stößt auch die Trasse an Land auf Widerstand. Im Mai besetzten junge Leute eine Baustelle südlich von Greifswald, um auf Klimaschäden durch Erdgas aufmerksam zu machen. Die Grünen begrüßten die Aktion. Sie sei ein deutliches Signal der Zivilgesellschaft an die Politik, endlich bei der Energiepolitik umzusteuern, sagte damals die Landesvorsitzende Claudia Schulz. Die Pipeline diene russischen Wirtschaftsinteressen. Die Bundestagsabgeordnete Claudia Müller meint: „Dass mit dem Bau der Erdgastrasse schon begonnen wurde, bevor alle Genehmigungen erteilt wurden, ist ein Skandal.“ Der Nord Stream AG fehlt noch die Genehmigung Dänemarks für die Pipeline-Verlegung bei Bornholm.

Bohrer kam pro Tag im Schnitt 24 Meter voran

An der Peene bei Stolpe sind derweil an beiden Ufern jeweils zwei tiefe Schächte ausgehoben. Im ersten mündet bereits die Betonröhre mit einem Außendurchmesser von drei Metern und 30 Zentimetern Wandstärke. Durch sie wird im August die Gasleitung aus Stahlrohr geschoben. An den 1003 Metern habe die belgische Firma K-Boringen etwa zwei Monate im Dreischichtsystem gearbeitet, berichtet der 24-jährige Bauleiter Kobe Kellens. 24 Meter kam das Bohrgerät im Schnitt pro Tag voran. Den Bauleuten machten vor allem die vielen Findlinge zu schaffen. „Man weiß nie, wie der nächste Meter wird“, sagt Bernert. 256 Betonelemente wurden während der Bohrarbeiten fortlaufend nachgerückt. Sie liegen rund sechs Meter unter dem Fluss. Während des Betriebs soll die Erdgasleitung rund um die Uhr durch einen schwachen Strom auf den Stahlrohren überwacht werden. Eine Beschädigung sei dadurch sofort festzustellen, sagt Bernert.

Neue Trasse verläuft parallel zur Pipeline Opal aus dem Jahr 2011

Die belgischen Bauleute, die elf Tage arbeiten und drei Tage frei haben, machen im Sommer vier Wochen Betriebsurlaub. Im September beginnen sie mit dem Bohren des zweiten Peene-Tunnels. Die Eugal besteht bis ins brandenburgische Weissack aus zwei Strängen, danach verläuft sie bis Deutschneudorf an der tschechischen Grenze einsträngig. Der erste Strang soll Ende 2019 in Betrieb gehen, der zweite ein Jahr später. Die neue Trasse verläuft parallel zur Pipeline Opal, die 2011 fertiggestellt wurde.

Die Planung des Trassenverlaufs dauerte länger als der Bau. Die Erdarbeiten begannen im vorigen Jahr an verschiedenen Stellen gleichzeitig. Sie unterquert mehrere Flüsse, Kanäle, Straßen und Bahnstrecken. In Mecklenburg-Vorpommern wurde neben der Peene die Uecker samt einer Bundesstraße und einer Bahnlinie untertunnelt, in Brandenburg ebenfalls ein Naturschutzgebiet. In der Elbe in Sachsen liegen die Rohre in einem offenen Graben.

Birgit Sander

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