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MV aktuell Birgit Hesse: Geld für Schulsanierung fließt ab 2019
Nachrichten MV aktuell Birgit Hesse: Geld für Schulsanierung fließt ab 2019
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20:29 09.06.2018
Landesbildungsministerin Birgit Hesse (SPD) (Archivfoto) Quelle: Jürgen Lenz
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Schwerin

Schwerin 275 Millionen Euro verteilt das Land bis zum Jahre 2021 für Schulbau- und Sanierung, davon 110 Millionen extra. Ab 2019 soll Geld fließen, sagt Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) im OZ-Interview. Manche Schule werde aber leer ausgehen.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) spricht im Interview über Auswahlverfahren und Lehrermangel. Sie kritisiert die Universitäten für die hohe Abbrecherquote von Lehramtsstudenten.

Frau Hesse, vor neun Monaten hat die Ministerpräsidentin zum ersten Mal das neue Schulbauprogramm angekündigt. Wie läuft das Programm an?

Hesse: Wenn man durch das Land geht, ist ein großer Bedarf an vielen Schulgebäuden zu sehen. Bei den hohen Baupreisen ist dies für die kommunale Ebene schwer zu stemmen. Neben den bestehenden Programmen für Schulbau gibt es jetzt die 110 Millionen Euro, 100 Millionen für staatliche Schulen, 10 für Schulen in freier Trägerschaft – insgesamt stehen 275 Millionen zur Verfügung.

Es ist bereits entschieden, dass die Edith-Stein-Schule in Ludwigslust und die Robert-Lansemann-Schule in Wismar, beides freie Schulen, von diesen Mitteln profitieren. Über eine Arbeitsgruppe sind erstmals alle Schulen und Förderprogramme erfasst. Bürgermeister müssen nicht mehr rätseln, aus welchem Topf in den Ministerien sie Geld beantragen. Dafür haben wir im Bildungsministerium eine Servicestelle eingerichtet. Derzeit werden Anträge gesammelt und bewertet.

Ist das Geld schon abrufbar?

Nein, wir arbeiten dran. Erstmals bekommen auch Schulen in freier Trägerschaft Förderung.

Wie viele Anträge liegen vor?

Die Liste ist lang. Das ist auch keine Überraschung. Die Kommunen haben alle Vorhaben benannt, die aus ihrer Sicht umgesetzt werden müssen. Das hätte ich genauso getan. Klar ist aber auch: Mit den insgesamt 275 Millionen Euro werden wir nicht alle Wünsche erfüllen können. Wir erstellen jetzt erstmals eine Liste, die festhält, welche Schule was bekommen soll.

Wann kommt das Geld? In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken steht: nicht vor 2019.

Demnächst. Vorher muss eine Detailprüfung erfolgen. Es gibt einzelne Anträge von bis zu 30 Millionen Euro. Die Schulen, die Berücksichtigung finden, werden dann gebeten, einen detaillierten Antrag zu stellen. So ist es realistisch, dass im nächsten Jahr Mittel fließen.

Nach welchen Prioritäten soll das Geld vergeben werden?

Vordergründig gefördert werden Schulen mit spezifischer Kompetenz, also die Inklusionsschulen. Aber vor allem auch jene, die tatsächlich marode sind. Da muss man eine gewisse Waage halten.

Für Digitalisierung an Schulen sollen weitere 70 Millionen Bundesmittel fließen. Wann kommen die?

Das ist eine gute Frage. Das Fünf-Milliarden-Paket wurde im Jahr 2016 angekündigt. Das letzte Gespräch auf politischer Ebene hat im Mai 2017 stattgefunden. Wir warten auf ein Zeichen der neuen Bundesbildungsministerin. Unsere Strategie ist fertig, wir könnten sofort starten.

Was soll in MV passieren?

Erstens müssen die Schulen überhaupt erst einmal in der Lage sein, digitale Medien zu nutzen. Es muss also ein Netz da sein. Zweitens: Im Moment ist der Verhandlungsstand, dass das Geld nicht für Endgeräte, wie Tablets, eingesetzt werden kann, aber für Smartboards. Tablets würden zu schnell veralten. Und wir können Landesprojekte fördern, wie Lernsoftware oder Schul-Clouds.

Nimmt MV das Geld für die Digitalisierung noch selbst Geld in die Hand?

70 Millionen Euro – das sind schon richtig viel Geld. Darüber hinaus werden wir zwei Juniorprofessuren in Medienpädagogik einrichten. Auf diese Weise sollen Lehrern und Schülern Kernkompetenzen für den Umgang mit digitalen Medien vermittelt werden. Zum Schuljahr 2019/2020 werden wir landesweit ab Klasse 5 das Fach Informatik und Medienbildung einführen.

Das Bundeskriminalamt warnt, dass Kontaktaufnahme zu sexualisierter Gewalt übers Internet zunimmt. Welche Verantwortung hat Schule hier?

Ein ganz wichtiges Thema, das wir auch im Bereich Medienbildung vermitteln wollen. Gefahren lauern auch im Netz. Es ist Aufgabe von Eltern und der Schule, besser aufzuklären. Wir sind dabei, unsere Informatiklehrer zu schulen.

Lehrer fehlen, im Jahre 2022 fast 800. Was unternehmen Sie dagegen?

Wir müssen 2022 fast 800 Lehrkräfte einstellen, weil in diesem Jahr nahezu 800 Lehrer in den Ruhestand gehen. Die Lehrereinstellung ist eine der größten Herausforderungen in allen Bundesländern. Wir werben weiter intensiv um Nachwuchs. Für das kommende Schuljahr liegen uns 7838 Bewerbungen an den Schulen vor. Dahinter stehen – durch Mehrfachbewerbungen – rund 1700 Personen. Ein Lehrer hat sich 60 Mal beworben.

Wir streben in diesem Jahr wieder über 400 Neueinstellungen an. Wichtig ist, dass wir die Referendare bestmöglich an uns binden, also diejenigen, die wir selbst ausbilden. Wenn eine Schule einen bestimmten Referendar als Lehrer weiterbeschäftigen will, muss das unkompliziert möglich sein. Außerdem haben wir einen dritten Einstellungstermin für Referendare – im Oktober – eingeführt. Wir müssen auch mit den Universitäten sprechen: Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass so viele Lehramtsstudenten abbrechen. Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die Gründe für die Abbrüche ausloten soll. Das erste Fazit ist ernüchternd. Eine Hauptursache ist, dass das Studium zwar fachlich anspruchsvoll ist, aber nichts mit dem Lehrerberuf zu tun hat.

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