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MV aktuell Geniale Erfindung: Elektrotechniker der Uni Rostock helfen Medizinern
Nachrichten MV aktuell Geniale Erfindung: Elektrotechniker der Uni Rostock helfen Medizinern
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10:57 17.06.2019
Diplom-Informatiker Martin Kasparick arbeitet an einem Versuchsaufbau. Er gehört zum Forscherteam des Institutes für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik der Uni Rostock, dem die Entwicklung einer standardisierten  Softwareschnittstelle für Medizintechnik gelang. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Der Mediziner loggt sich mit seiner Identitätskarte an der Tür ein. Dann betritt er den OP-Saal. Der Operationstisch fährt automatisch in optimale Position, gleiches gilt für die Ausrichtung der Leuchten und Monitore. Beides orientiert sich an Art des Eingriffs und der Person des Operateurs.

„Das ist ein einfaches Beispiel dafür, was in modernen Operationssälen künftig zum Standard gehören wird, um die Abläufe zu optimieren“, verdeutlicht Prof. Dr. Ernst Klar, Vorsitzender der Krebsgesellschaft MV. Vorbei sei dann die Zeit, da die Positionierung der Gerätschaften und die Ausleuchtung Unruhe in den OP-Ablauf bringt, so der Rostocker Seniorprofessor für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie.

Künftiger Standard in Operationssälen

„Durch eine optimale Vernetzung der verschiedenen Geräte sinkt der Stresspegel bei operativen Eingriffen“, betont auch Martin Kasparick. Der junge Forscher gehört zu einer Arbeitsgruppe des Institutes für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik der Universität Rostock. Den Hansestädtern gelang es gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer deutscher Universitäten, eine sogenannte Softwareschnittstelle zu entwickeln, die als weltweiter Standard bei der fortschreitenden Digitalisierung dienen kann.

Mehr Chancen auch für kleinere Firmen in MV

„Kein Medizintechnikanbieter, und sei er noch so groß, kann in allen Gerätekategorien der Beste sein“, sagt Prof. Dr.-Ing. Dirk Timmermann. Vor allem kleinen und mittleren Firmen auch in MV biete die einheitliche Schnittstelle für die Kommunikation der Spitzentechnik im OP-Saal große Chancen, erläutert der Institutsdirektor. Denn obwohl diese in Teilbereichen vielfach Toplösungen entwickeln, kommen sie auf dem Medizintechnikmarkt oft nur schwer zum Zuge. Der Grund: Die großen Hersteller haben ihre eigenen Softwarezugänge für die Geräte entwickelt. Ein praktisch abgeschirmtes System. Wer hier mit seinen Innovationen – beispielsweise neuartigen Sensoren – andocken will, hatte es schwer. Denn das Integrieren der eigenen Produkte kostet beträchtlichen zusätzlichen Arbeitsaufwand und Lizenzgebühren.

Navigationshilfe für Operateure

Das Beste in der Medizintechnik unkomplizierter zu vereinen, ist aber unumgänglich. Stichwort: integrierter digitaler Operationssaal. „Durch bildgebende Verfahren können wir beispielsweise Tumore in der Leber erkennen. Am offenen Bauch aber vermag der Operateur diese oftmals weder zu sehen noch zu ertasten. Dies gilt insbesondere für minimalinvasive Techniken – sogenannte Schlüssellochchirurgie“, erläutert Prof. Klar.

Die Zusammenführung aller für die individuelle Operation wichtigen Daten erfolgt über einen zentralen Server. Konkret könnten zum Beispiel die Analysedaten von Computertomografie-Aufnahmen so roboterassistiert in das OP-Feld umgesetzt werden, so dass für das OP-Team eine Navigationshilfe beim exakten Lokalisieren und Entfernen von Krebsgeschwülsten entsteht. „Die Operation erfolgt somit präziser und fällt für den Patienten schonender aus“, sagt der Experte.

Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft

Mehr als 700 Teilnehmer werden auf der am Mittwoch und Donnerstag in Rostock-Warnemünde stattfindenden 15. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft 2019 teilnehmen. Partnerland ist in diesem Jahr Norwegen.

Schwerpunkt der Beratungen ist das Thema „Ökonomisierung der Gesundheit“. Die Experten diskutieren unter anderem Fragen der digitalen Technologien und künstlichen Intelligenz, der innovativen Versorgung in der Zukunft und zur Akademisierung der Gesundheitsberufe.

Weltsprache für Medizintechnikgeräte

„Die neue Softwareschnittstelle kann man mit einer Art Weltsprache für die Medizintechnikgeräte und -instrumente vergleichen“, sagt Dr. Frank Golatowski. Der erfahrene Elektrotechniker im Rostocker Forscherteam verweist darauf, dass es auf diese Weise möglich ist, den Medizinern zuverlässige Daten zur Verfügung zu stellen. Und das herstellerunabhängig und in Echtzeit.

Forschung an Automatisierungstechnik seit 2003

Dr. Golatowski war es, der bereits 2003 bei diesen Softwareproblemen für Aufsehen sorgte. Er forschte erfolgreich daran, in der Automatisierungstechnik Maschinen miteinander kommunizieren zu lassen. Als es dem amerikanischen Softwaregiganten Microsoft vor gut 15 Jahren gelang, Drucker standardmäßig zu vernetzen, hatten die Elektrotechniker der Uni Rostock dafür Grundlagen mitentwickelt.

Ihre standardisierte Softwareschnittstelle für Medizintechnik stellt wiederum nur einen weiteren Schritt auf der Digitalisierungsautobahn dar. Denn die Forscher in Rostock-Warnemünde beschäftigen sich bereits mit riesigen Kränen. Diese wollen sie beispielsweise für den Hafenumschlag oder Maschinenbau perfekt vernetzen.

Volker Penne

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