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MV aktuell Angeklagter: „Da war kein Kick“ – So verlief der Prozessauftakt im Mordfall Maria K.
Nachrichten MV aktuell Angeklagter: „Da war kein Kick“ – So verlief der Prozessauftakt im Mordfall Maria K.
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22:54 20.08.2019
Auftakt bei Mordprozess im Fall Maria K. am Landgericht Stralsund. Der 19-jährige Angeklagte (l) Nicolas K. und der 21-Jährige Niko G. (4.v.l.) Quelle: Tilo Wallrodt
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Stralsund

Mit Stinkefinger und völlig emotionslos – so präsentierte sich zum Prozessauftakt am Montag vor der Großen Jugendkammer des Landgerichtes Stralsund im Mordfall Maria K. aus Zinnowitz Nicolas K., einer der beiden mutmaßlichen Täter.

Der 19-Jährige erschien zunächst mit tief über die Augen gezogenem Basecap, dunklem Kapuzenpulli und bis über die Nase gezogenem Halstuch. Den wartenden Journalisten, Fotografen und Fernsehteams hielt er kurz den Mittelfinger entgegen. Nach der Mittagspause präsentierte sich Nicolas K. dem Gericht dann wegen der Wärme im Turnhemd.

„Halben Tag schlafen und halben Tag feiern mit Bier und Wodka-Cola, ab und zu noch einen Joint.“

Ohne erkennbare Regung beantwortete er willig die Fragen der Vorsitzenden Richterin Birgit Lange-Klepsch. Und was die Zuhörer im Saal, darunter viele Zinnowitzer, zu hören bekamen, war verstörend. Seinen Tagesablauf schildert Nicolas K., der keinen Berufsabschluss hat, so: „Halben Tag schlafen und halben Tag feiern mit Bier und Wodka-Cola, ab und zu noch einen Joint.“ Finanziert haben will er das alles mit seinem Kindergeld. Gelebt hat der Karlshagener bei seiner Freundin, mit der eine kleine Tochter zusammen hat. Auch sie war während der Feiern oft mit dabei, so seine Aussage.

Schnell wird bei seinen Einlassungen klar, dass er aggressiv reagiert, wenn es nicht nach seinem Kopf geht. Widerspruch lässt er nicht zu, nicht bei seinen Kumpels und nicht bei seiner Freundin. Die Fragen der Richter, des Staatsanwalts oder der Sachverständigen beantwortet er aufrecht sitzend, immer mit Blickkontakt zum Fragenden. Wenn es nicht direkt um ihn geht, verschränkt er die Arme vor der Brust und schaut gelangweilt im Gerichtssaal umher.

Schon öfter Mordphantasien gehabt

Auffällig allerdings: Den Blicken von Marias Mutter Steffi K., die als Nebenklägerin gemeinsam mit ihrer Zinnowitzer Rechtsanwältin und zwei Betreuern des CJD dem Prozess beiwohnt, weicht er aus. Marias Mutter fällt es schwer, dem Geschehen zu folgen, auch wenn sie ganz aufmerksam zwischen ihrer Anwältin und den Sachverständigen sitzt. Immer wieder wird sie bei der Nennung von Details der Tat von Weinkrämpfen geschüttelt. Doch bei der Schilderung des Tathergangs durch K. hört sie ganz genau hin und schaut ihn unentwegt an. Ihre Tochter Maria und die beiden Angeklagten waren miteinander befreundet.

Warum Nicolas K. gerade Maria als Opfer auswählte, begründet der 19-Jährige lapidar mit dem Satz: „Weil sie allein war.“ Die beiden mutmaßlichen Täter wussten, dass sie schwanger war, und haben laut Lange-Klepsch mit der Tötung auch billigend den Abbruch der Schwangerschaft hingenommen. K. nickt zustimmend. Er habe schon öfter Mordphantasien gehabt. Sie hätten sich meist gegen den Stiefvater gerichtet, weil er ihn misshandelt habe, seien aber immer wieder schnell vergangen. Diesmal wollte er aber das Ding durchziehen, wie er auf Nachfrage der Richter bestätigt, und es hört sich ein bisschen so an, als sei er stolz, dass er es tatsächlich getan hat.

Angeklagter: „Da war kein Kick“

Die Tatwaffe, ein Küchenmesser mit 25-Zentimeter-Klinge, habe er aus dem G. gehörenden Schuppen mitgenommen. Als er die Tat beging, habe er wie wild auf Maria eingestochen, insgesamt 19 Mal. Abgelassen habe er letztlich von ihr, weil sie sich nicht mehr bewegt habe. Im Gerichtssaal stockt den Zuhörern der Atem angesichts der grausamen Details, die dort benannt werden. K. erzählt trotz seines kleinen Sprachfehlers mit stoischer Gelassenheit und versichert sogar noch, dass er trotz Alkoholkonsums stets in der Lage sei, eine solche Tat zu planen. Allerdings, auch das gibt K. zu, das Zustechen habe ihm entgegen seiner Erwartungen keinen Kick gegeben, er habe einfach überhaupt nichts empfunden. Sein Kopf sei „wie ausgelöscht gewesen, wie wenn überhaupt keine Gedanken fließen.“

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. am Landgericht Stralsund

Während der Schilderung rutscht der zweite mutmaßliche Täter, Niko G., immer weiter auf seinem Stuhl zusammen. Der 21-Jährige ist groß und sehr schlank, er soll während der Tat die Beine von Maria nach Aufforderung durch K. festgehalten haben, damit sie sich nicht mehr wehren und der andere weiter zustechen kann. Im Gerichtssaal sitzt er mit Jeans, weißem Hemd und Jackett. Die schwarzen Schuhe sind blitzblank gewienert. Beim Betreten und Verlassen des Raumes sucht er stets den Blickkontakt zu seiner Familie, die dabei ist. Zudem hat er darum gebeten, die Seelsorgerin der Justizvollzugsanstalt Stralsund, wo G. in Untersuchungshaft sitzt, als Beistand während der Verhandlung dabei zu haben. Sie hat ihm den Wunsch nicht abgeschlagen.

Unterbrechung: Angeklagter muss sich übergeben

Kalkweiß sieht Niko G. aus, als K. weiter detailliert Details nennt – und muss sich dann in einem Papierkorb übergeben. Die Verhandlung wird unterbrochen. G. kann aber weiter daran teilnehmen. Sein Pflichtverteidiger René Neumeister verliest am späten Nachmittag eine Erklärung, die G. vor Beginn der Verhandlung selbst verfasst hat. Er wisse, dass er über Marias Familie und auch die eigene unsägliches Leid gebracht habe, das durch nichts wieder gut zu machen sei. Denn wolle er Marias Mutter um Entschuldigung bitten. Dass er Marias Beine festgehalten haben soll, streitet er ab.

Um 18.10 Uhr ist der erste Verhandlungstag in diesem außergewöhnlichen Mordprozess, der nach Aussage des Verteidigers von G. schon wegen der Grausamkeit der Tat so schnell nicht vergessen wird, zu Ende.

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15. August: Dieser Mann verteidigt den mutmaßlichen Mörder

31. Juli: Täter vermindert schuldfähig – weitere grausige Details bekannt

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12. Juli: Mutmaßliche Täter stehen ab August vor Gericht

19. Juni: Zinnowitzer Tatverdächtiger Nicolas K. gesteht, die junge Frau erstochen zu haben

23. Mai: Fall Maria K.: Hauptverhandlung im September

17. Mai: Anklage gegen Tatverdächtige bis zum Sommer

8. Mai: Schuhe eines mutmaßlichen Täters gefunden

26. April: Keine Spur vom Mord-Messer in der Ostsee

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17. April: Verdächtiger im Fall Maria K. drohte Freundin: „Sagst du was, bringe ich dich auch um!“

17. April: Fall Maria K.: Tatverdächtige belasten sich gegenseitig – Motiv Mordlust?

17. April: Polizei sucht jetzt nach zwei Tatwaffen

16. April: Entsetzen in Zinnowitz: „Die mutmaßlichen Täter lebten mitten unter uns“

16. April: Tatverdächtige waren bei Gedenkandacht für Maria K. dabei

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11. April: Getötete Maria K. in Stralsund beigesetzt

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2. April: Viele Trauergäste bei Gedenkgottesdienst

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30. März: Erstochene Maria: Jetzt spricht die Mutter

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25. März: Sechs Tage nach ihrem Tod: Ermittlungen im Fall Maria K. weiter ohne heiße Spur

24. März: Gedenken in Zinnowitz: Blumen und Kerzen erinnern an Maria K.

21. März: So zeigte sich Maria K. in den sozialen Medien

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20. März: Spurensuche in Zinnowitz: Warum musste Maria K. sterben?

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