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MV aktuell Gesunkener Fischbrötchen-Kutter hatte ein Leck
Nachrichten MV aktuell Gesunkener Fischbrötchen-Kutter hatte ein Leck
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19:27 29.01.2019
Ein Taucher untersucht den Fischverkaufskutter „Anja“ im Stadthafen von Stralsund. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Stralsund

Erst ganz am Ende gibt’s Gewissheit, dass ein simpler Grund dafür verantwortlich ist, warum der Stralsunder Fischbrötchen-Kutter „Anja“ gesunken ist. Im Bereich unter der Kajüte war eine Planke gebrochen. Durch das Loch drang nach und nach Wasser ein, bis die „Anja“ in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag auf den Grund des Stralsunder Hafenbeckens sank. Am Mittwoch soll das 13,5 Meter lange Schiff in den Seehafen geschleppt und dort aus dem Wasser gehoben werden, um den Rumpf gründlich inspizieren zu können.

Vor dem Entdecken des Lecks hat ein Taucher bereits die Endkontrolle beendet. „Ohne Befund“, wie Jens-Olaf Pap vom Baltic Taucherei- und Bergungsbetrieb Rostock gegen 16 Uhr sagt. Zu dieser Zeit haben die Einsatzkräfte bereits einen langen Tag in der Kälte hinter sich. Die ersten vor Ort sind am Dienstagmorgen die Mitarbeiter des Krandienstes Lange aus Grimmen. Für die Bergung des Schiffes bugsieren sie schweres Gerät direkt an die Hafenkante, „einen 400 Tonnen schweren Autokran“, wie Betriebsleiter Heiko Marsch erklärt.

Bilder von der Bergung des gesunkenen Kutters in Stralsund

Gegen 8 Uhr geht der erste Taucher runter. In dem etwa drei Grad kalten Wasser verschafft sich Frank Liersch einen ersten Überblick. „Wir schauen, wie der Kutter im Grund liegt und wie man die Gurte zum Heben anbringen kann“, sagt Pap. Bei viel Schlick hätten zunächst von den Tauchern zwei Kanäle unter dem Schiff freigespült werden müssen. Das ist bei der „Anja“ aber nicht notwendig, da sie auf steinernen Boden gesunken war, wie Liersch beim ersten Tauchgang mit relativ guter Sicht von anderthalb Metern festgestellt.

Dann ist nach einigen Vorbereitungen zur Sicherung endlich der Kran dran. „Wir heben den Kutter bis zum Hauptdeck aus dem Wasser“, erklärt Pap. Mit einer Bergungspumpe, die im Rumpf des Schiffes zum Einsatz kommt, wird zunächst das Wasser herausgepumpt. Ein spannender Moment für alle Beteiligten, denn bereits jetzt hätte sich im besten Fall zeigen sollen, ob und wo das Schiff möglicherweise ein Leck hat. Dafür macht sich Taucher Liersch noch einmal fertig, um in den Sund zu steigen, falls sich das Leck unter der Wasseroberfläche befinden sollte. Er wird nichts finden, was zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand weiß.

Als der Taucher auch während seiner Endkontrolle keinen Befund per Funk nach oben meldet, kursieren oben an der Hafenkante erste Theorien, denen zufolge der Kutter womöglich doch mit Absicht versenkt worden sein könnte. Das Wort „Fischbrötchenkrieg“ macht die Runde. Die „Anja“ ist zu dieser Zeit am Nachmittag wieder soweit leergepumpt, dass sie von selbst auf dem Sund schwimmt – mit Schlagseite zwar, aber immerhin. Erst als die Männer an Bord gehen, nachdem der Taucher unten fertig ist, entdecken sie die gebrochene Planke im Bauch des Kutters. Das Leck wird von innen notdürftig geflickt.

Die Polizei schließt noch am Abend einen Zusammenhang mit Konkurrenzstreitigkeiten wie vor Jahren beim Fischbrötchenkrieg aus. Damals hatte es im Zusammenhang mit der Erteilung von Konzessionen für den Verkauf von Fischbrötchen im Stadthafen Gewalttaten und Drohungen gegeben, für die zwei Verantwortliche strafrechtlich verurteilt wurden.

Am Rand des Geschehens steht Mirko Lange, raucht und versprüht angesichts der Situation noch relativ gute Laune. Seinem Vater, der gerade im Süden im Urlaub ist, gehört die „Anja“. Lange schätzt, dass die Bergung bis zu 30 000 Euro kosten wird und hofft, dass die Versicherung zahlen wird. Der Termin zur Prüfung der Schwimmfähigkeit, der alle fünf Jahre anfällt, sei eingehalten worden, betont er.

Benjamin Fischer und Miriam Weber