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MV aktuell Getötete Maria K.: Beste Freundin hätte Mord verhindern können
Nachrichten MV aktuell Getötete Maria K.: Beste Freundin hätte Mord verhindern können
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16:20 22.08.2019
Der Angeklagte Nicolas K., hier am zweiten Prozesstag im Landgericht Stralsund, berichtete seiner Freundin vor dem Mord an Maria K. von seinen Tötungsplänen. Quelle: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
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Stralsund

Der Mord an Maria K. in Zinnowitz – er hätte wohl verhindert werden können. Anna S., 22 Jahre alt und Freundin des angeklagten Nicolas K., wusste bereits Stunden vor der Tat von dem grausamen Plan ihres Partners.

Vor dem Landgericht Stralsund sagte sie am Donnerstag im Mordprozess gegen die beiden Beschuldigten Nicolas. K. (21) und Niko G. (19) aus, dass K. ihr am Abend des 18. März, dem Tag von Marias Tod, ein Messer gezeigt und gesagt habe, er wolle Maria gemeinsam mit G. umbringen.

Bilder vom Prozess im Mordfall Maria K.:

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. am Landgericht Stralsund

Er sagte zu seiner Freundin: „Wir haben es durchgezogen.“

Die junge Mutter Anna S., die sich selbst als beste Freundin Marias bezeichnet, erklärte dem Gericht, dass sie diese Drohung nicht ernst genommen habe. Nicolas K. sei wie so oft betrunken gewesen und habe regelmäßig derartige Fantasien gehabt. Die beiden waren zwei Jahre und vier Monate zusammen und haben eine gemeinsame Tochter. Mittlerweile haben sie sich getrennt.

Selbst als K. sie später anrief und aufforderte, Maria anzurufen und ihr zu sagen, sie solle endlich nach Hause in ihre Wohnung kommen, seien in ihr keine Alarmsignale aufgestiegen. Sie habe sogar tatsächlich versucht, Maria anzurufen, doch deren Handy war ausgeschaltet.

Nach der Tat habe Anna S. ihrem Freund daheim die Tür aufgemacht. Nicolas K. habe ihr gesagt: „Wir haben es durchgezogen.“ Anna S. habe geantwortet: „Damit macht man keinen Spaß.“

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Erst am darauffolgenden Tag, noch vor dem Fund von Marias Leiche, soll Nicolas K. seiner Freundin die Tat bis ins kleinste Detail geschildert haben, auch von ihrem Überlebenskampf. „Ich habe aber nicht geglaubt, dass das wahr ist“, sagte Anna S. vor Gericht. Später, als die Polizei bereits mehrere Tage ermittelt hatte, soll K. Anna S. mit einem Messer bedroht haben: „Wenn du etwas sagst, bist du die Nächste.“

Zeugin schildert, wie sie die bestialisch zugerichtete Leiche fand

Der Bericht von Anna S. war eine von mehreren emotionalen Aussagen am zweiten Prozesstag. Bereits am Morgen hatte die Mutter Marias unter Tränen über den Verlust ihrer Tochter gesprochen. „Sie fehlt mir so sehr“, sagte Steffi K. Mehrere Menschen im Publikum brachen dabei in Tränen aus und mussten den Saal verlassen.

Eine Reportage vom ersten Prozesstag lesen Sie hier.

Schockierend war auch die Aussage von Kati A. (41). Sie ist Mitarbeiterin im Zinnowitzer Jugendklub und hatte gemeinsam mit ihrer Mutter Marias Leiche in ihrer Wohnung gefunden. Sie hatte einen Schlüssel, da sich Maria oft selbst ausgesperrt hatte. Marias Mutter Steffi K. hatte Kati A. gebeten, nach dem Rechten zu sehen. Der Anblick der toten jungen Frau sei fürchterlich gewesen. Maria war bestialisch zugerichtet, lag in einer großen Blutlache. Kati A. habe noch versucht, den Puls zu fühlen, doch der Körper sei bereits kalt gewesen.

Die Angeklagten Nicolas K. und Niko G. kenne Kati A. aus dem Zinnowitzer Jugendklub. Beide seien gute Freunde gewesen. K. sei ein lauter und aggressiver Typ, der viel Alkohol getrunken habe und stets auf Geld fixiert gewesen sei, weil er nie welches hatte. G. sei hingegen ein eher ruhiger Junge, der oft verwahrlost gewirkt habe. Nicht so wie jetzt vor Gericht, wo er sich an beiden Prozesstagen mit Hemd und Jackett präsentierte.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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