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MV aktuell Getötete Rentnerin in Güstrow: Was über den mutmaßlichen Täter Oleh T. bekannt ist
Nachrichten MV aktuell Getötete Rentnerin in Güstrow: Was über den mutmaßlichen Täter Oleh T. bekannt ist
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13:41 23.09.2019
In Güstrow ist am Donnerstagabend eine 79-jährige Seniorin in ihrem Haus erschlagen worden.  Quelle: Stefan Tretropp
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Güstrow

Es ist das Gesprächsthema Nummer eins am Wegesrand oder über den Gartenzaun hinweg: Anwohner und Nachbarn der Schweriner Straße in Güstrow unterhalten sich über das schwere Gewaltverbrechen, das seit Donnerstagabend die beschauliche Barlachstadt erschüttert. „Hast Du das schon gehört?“ oder „Ach, das war Erika?“, sind nur einige der Fragen, die sich besorgte Anwohner seitdem stellen.

Erika H., eine 79-jährige beliebte und hilfsbereite Rentnerin in der Siedlung, wurde am Donnerstagabend erschlagen in ihrem Haus aufgefunden. Der mutmaßliche Täter: Ein 43-jähriger Asylbewerber aus der Ukraine, so teilt es die Staatsanwaltschaft mit. Sind Erika H. ihre soziale Ader und die Hilfsbereitschaft zum Verhängnis geworden? Schließlich hat sie ihrem Mörder immer wieder Zuwendungen zukommen lassen.

War Oleh T. auf der Suche nach Essen und Bargeld?

Nach bisherigen Erkenntnissen stellt sich der Fall so dar: Es ist Donnerstagabend gegen 17 Uhr, als sich der 43-Jährige unberechtigt Zutritt in den Keller des Einfamilienhauses an der Schweriner Straße verschafft – eigentlich eine ruhige Wohngegend. Was er da will, ist noch nicht bekannt. Dem Vernehmen nach ist er auf der Suche nach Essen und Bargeld – dies bleibt jedoch unbestätigt.

Bilder vom Tatort zeigen das Haus in Güstrow, in dem eine 79-jährige Rentnerin getötet worden ist.

Offenbar ertappt die 79-Jährige Oleh T. dabei, wie er Schränke durchsucht. „Beide kannten einander“, teilt Harald Nowack von der Staatsanwaltschaft mit. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren ist, soll T. kein unbeschriebenes Blatt sein und über ihn eine dicke Akte vorliegen. Außerdem sollte er abgeschoben werden.

Erika H., eine kleine zierliche Person, hat keine Chance

„Mit einem scharfkantigen Gegenstand soll der Beschuldigte dann gegen den Schädel der Frau geschlagen haben“, sagt Nowack. Erika H., eine kleine zierliche Person, kann diesem Angriff nicht ausweichen, geschweige denn abwehren, sie bricht zusammen. Der 43-Jährige ergreift die Flucht. Wenig später findet der Ehemann seine Frau in einer großen Blutlache regungslos vor. Umgehend verständigt er Rettungsdienst und Polizei, ein Hubschrauber landet an der Schweriner Straße. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsversuche wird die 79-Jährige für tot erklärt.

Nur kurze später kann die Polizei die Suche nach dem Täter aufnehmen und nimmt schließlich Oleh T. im Umfeld fest. Er kommt ins Gewahrsam nach Rostock, äußert sich bislang nicht. Mordkommission und Gerichtsmedizin nehmen ihre umfangreiche Spurensicherung am inzwischen weiträumig abgesperrten Tatort auf. Ermittler in weißen Overalls betreten das Haus, fertigen Fotos an, versuchen, den Hergang zu rekonstruieren – Stille herrscht.

„Sie war immer so nett und freundlich“

Erika H., so ist in der Nachbarschaft zu erfahren, war pensionierte Lehrerin. Sie arbeitete zuletzt an der Gehörlosenschule. Genau wie ihr Ehemann war auch die 79-Jährige musikalisch begabt und aktiv in verschiedenen Chören der Stadt. Auch zur katholischen Kirchgemeinde hegt sie guten Kontakt, ist regelmäßig bei Gottesdiensten anzutreffen.

„Einen Tag vor ihrem Tod war sie noch bei uns und hat am Gottesdienst teilgenommen mit Kaffee und Kuchen im Anschluss“, erinnert sich der Pastor des katholischen Pfarramtes. Fassungslos sind auch direkte Nachbarn. „Sie war immer so nett und freundlich. Ich habe sie öfter spazieren gehen sehen“, sagt ein Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Willi Holst, ein weiterer Nachbar von Erika H., erinnert sich: „Wir waren zusammen auf einer Kur, sie war sehr nett und immer hilfsbereit.“ Regelmäßig habe der 72-Jährige seiner Nachbarin frische Eier gebracht. „Für uns alle ist das ein Riesenschock“, sagt Holst.

Mutmaßlicher Täter ist taubstumm

Währenddessen läuft die Ermittlungsarbeit der Polizei weiter. Kriminalbeamte suchen das Grundstück nach der Tatwaffe ab – denn die ist bisher nicht gefunden. Am Freitag ergeht gegen den Beschuldigten ein Haftbefehl. „Der 43-Jährige ist sehr aggressiv, wenn man sich ihm nähert“, sagt Harald Nowack. Eine Haftvorführung am Amtsgericht fällt deshalb aus. Zudem gibt es sprachliche Probleme. „Wir brauchen einen Dolmetscher, zudem gilt der Mann als psychisch instabil“, erklärt Nowack. Erschwerend kommt hinzu, dass Oleh T. taubstumm ist. „Ihm wurde der Haftbefehl schriftlich im Gewahrsam mitgeteilt, das ist ein Novum“, heißt es vom Sprecher der Staatsanwaltschaft. Danach geht es für den 43-Jährigen in die JVA.

Indes bleiben die Bestürzung bei Anwohnern und die Trauer des Ehemannes zurück – und die Frage nach dem Warum. Die Ermittlungen werden darüber hoffentlich Aufschluss geben.

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Von Stefan Tretropp

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