Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Gibt es bald deutlich weniger Windräder?
Nachrichten MV aktuell Gibt es bald deutlich weniger Windräder?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:25 03.04.2018
Anzeige
Rostock

Das Jahr 2020 könnte zum Schicksalsjahr für die Windenergie werden. Dann endet für die ersten Windkraftanlagen die staatliche Förderung in Form der Einspeisevergütung. Sie garantiert den Betreibern einen deutlich höheren Abnahmepreis, als sie derzeit am Markt erzielen könnten. Laut einer neuen Studie wird sich danach ein Weiterbetrieb für Tausende Windräder in Deutschland nicht mehr lohnen. Wenn keine Lösung gefunden wird, könnte es zu einem Kahlschlag bei alten Anlagen kommen.

Johann-Georg Jaeger Quelle: Foto: Dpa

3000 Megawatt aus Mecklenburg-Vorpommern

1690 Windräder drehten sich im Juni 2017 in MV. Sie erbrachten zusammen eine Leistung von rund 3000 Megawatt. Die Einspeisevergütung endet für 859 Anlagen im Zeitraum 2021 bis 2025.

Von bundesweit 25195 Windrädern (Stand Juni 2017) läuft für knapp die Hälfte im Zeitraum von 2021 bis 2025 die Förderung aus. In MV sind von 1690 Anlagen 859 betroffen.

In einer aktuellen Umfrage der Fachagentur Windenergie gaben die Windparkbetreiber an, die Betriebskosten für die Weiternutzung ohne Förderung ihrer Anlagen würde im Schnitt vier Cent pro erzeugter Kilowattstunde betragen. Das wäre deutlich mehr als der Preis, der mit Windstrom zu erzielen wäre: Für dieses Jahr prognostiziert die Studie einen durchschnittlichen Preis von rund 2,5 Cent; für das Jahr 2020, wenn die Förderung ausläuft, nur noch von 2,2 Cent.

Der Grünen-Landesvorsitzende in MV, Johann-Georg Jaeger, geht davon aus, dass allein im Jahr 2021 auf einen Schlag Anlagen mit einer Gesamtleistung von 6000 Megawatt ohne Förderung dastehen. Damit könnten etwa sechs Millionen Haushalte versorgt werden. „Die Politik muss dafür sorgen, dass diese 6000 Megawatt nicht stillgelegt werden – und das muss bald passieren.“

Zunächst sollte eine politische Kommission klären, wie hoch der Preis tatsächlich ist, den die Betreiber brauchen, um die Anlagen wirtschaftlich weiterzubetreiben, schlägt Jaeger vor. „Dann kann man überlegen, weiterhin einen Mindestpreis zu garantieren.“

Jaeger geht davon aus, dass dies nur für eine Übergangsphase von vier bis fünf Jahren notwendig sein wird: „2022 geht das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz und auch der Kohleausstieg muss schrittweise kommen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen. Dann muss der Strompreis steigen, das geht gar nicht anders.“ Und dann rechneten sich auch wieder die alten Windräder.

Eine Alternative stellt das so genannte Repowering dar, also der Ersatz alter Anlagen durch neue, leistungsfähigere und rentablere. Das ist jedoch vielerorts wegen gesetzlicher Vorgaben nicht möglich.

Der Schweriner Energieminister Christian Pegel (SPD) sagt: „Die Studie zeigt deutlich, dass es bei der Entscheidung über Stilllegung oder Weiterbetrieb der Anlagen um bedeutende Anteile am derzeitigen Windstromaufkommen geht. Wir werden demnächst ergänzende Erhebungen für MV durchführen, um das Potenzial für Weiterbetrieb und Repowering bestehender Anlagen abschätzen zu können.“

Diskutiert werden auch Modelle zur sogenannten Sektorenkopplung. Das bedeutet, den Windstrom durch innovative Konzepte zur Produktion von Wärme, Kraftstoff oder Methan als Energiespeicher zu nutzen.

Dies könnte besonders interessant werden, wenn sich die Einspeisung ins Stromnetz nicht mehr lohnt. „Die Landesregierung unterstützt die Entwicklung solcher Modelle zur Weiternutzung von Windstrom ausdrücklich und setzt sich auf der Bundesebene dafür ein, die Rahmenbedingungen für die Sektorenkopplung zu verbessern“, sagt Pegel.

Axel Büssem

Mecklenburg-Vorpommern kann weiterhin auf einen spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Land hoffen.

03.04.2018

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hält für eine wirksame Terrorabwehr und Kriminalitätsbekämpfung intensivere Nachforschungen im Internet ...

03.04.2018

MV feierte weiße Ostern mit knapp 200 000 Gästen / Jetzt wird es warm / Dem ersten Ort in MV drohte gestern schon die Überschwemmung

03.04.2018