Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Glasflaschen in MV werden knapp: Geht jetzt der Getränke-Nachschub aus?
Nachrichten MV aktuell Glasflaschen in MV werden knapp: Geht jetzt der Getränke-Nachschub aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:37 09.07.2019
Gabriele Rotzoll (40) bei der Kontrolle der Abfüllung. Quelle: Frank Söllner
Satow

Im Nordosten werden die Glasflaschen knapp – und bald auch der Getränke-Nachschub? 350 000 Flaschen fehlen derzeit allein der Satower Mosterei (Landkreis Rostock) um die Produktion sicherzustellen. „Die Hersteller kommen nicht hinterher“, sagt Rolf Peters, Geschäftsführer des Saftproduzenten.

Auch der Bundesverband Glasindustrie (BVG) bestätigt: „Die Nachfrage nach Flaschen ist enorm – weil der Trend im Getränke-Markt wieder zu Glas geht, weg von Plastik.“

Umweltfreundlicher als Plastik?

„Immer mehr Hersteller wollen zurück zu Glas“, sagt ebenso Axel Schümann, Sprecher von „Glashäger“ in Bad Doberan. Anfang der 2000er Jahre sei der Trend noch andersherum gewesen. „Damals haben viele Glashütten die Produktion zurückgefahren.“ Jetzt sei es natürlich schwierig, in relativ kurzer Zeit die steigenden Kapazitäten bereitzustellen. „Die aktuellen Diskussionen um Plastikmüll und Mikroplastik in den Meeren dürfte ein Grund sein, weshalb Glas wieder so gefragt ist“, heißt es seitens der Glasindustrie. „Glas ist zu 100 Prozent recyclingfähig, schon jetzt bestehen viele Flaschen zu 90 Prozent aus wiederverwertetem Material. Viele Verbraucher und Abfüller greifen wieder auf diesen Werkstoff zurück“, erklärt Verbandssprecherin Dorothée Richardt.

Bildergalerie: Diese Getränke kommen aus MV

Wasser, Bier und Saft – verschiedene Getränke, die in MV hergestellt werden

Glashütten kommen nicht nach

Die Satower Mosterei bestellt ihre Flaschen über den Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) Flaschen. Aber seit einem halben Jahr gebe es dort Schwierigkeiten. „Viele Hersteller stellen derzeit um. Da wird das Glas natürlich knapper. Die Hersteller kommen nicht hinterher“, so Satower-Chef Peters. Der Mangel wirkt sich bei ihm auch auf die Herstellung aus. „Wir könnten eigentlich gut produzieren“, sagt Peters, „müssen aber manchmal die Produktion drosseln.“ Zum Teil könne das Unternehmen langjährige Kunden nicht mehr beliefern. Jeden Tag rufe Peters beim Hersteller an, um nach Nachschub zu fragen. „In ganz Mecklenburg sind wir unterwegs, fragen bei jedem Laden.“

Lesen Sie auch:
OZ-Kommentar: Warum die Leergutknappheit auch positive Aspekte hat

Beim „Stralsunder Mineralbrunnen“ gibt es Wasser nur in Flaschen „Bei Neuglas wird es zu Stoßzeiten echt eng“, sagt Firmensprecherin Elisa Raus. „Wir hoffen deshalb immer darauf, dass die Kunden ihre Pfandflaschen schnell wieder zurückbringen.“

Auch Brauereien brauchen Glas

Das Problem betrifft nicht nur ihn. Auch bei der Rostocker Brauerei ist der Mangel zu spüren. „Mehrwegflaschen und -kästen sind im gesamten Getränkemarkt knapp“, sagt Geschäftsführer Peter Gliem. Das Unternehmen habe sich logistisch auf den Sommer eingestellt. In den warmen Monaten steige der Absatz erwartungsgemäß. „Deshalb können wir die Nachfrage derzeit noch unter großen Anstrengungen aussteuern.“ „Gläshäger“ produziert zwar nur 20 Prozent seines Wasser in Glasflaschen, wartet aber dennoch händeringend auf neue Flaschen: „Das ist ein Tanz auf der Rasierklinge“, so Axel Schümann.

Keine Probleme gibt es indes bei der Mineralbrunnen-Gruppe Wüllner, zu der auch die „Güstrower Schlossquell“ gehört: „Wir haben vorgesorgt“, sagt Unternehmenssprecher Christoph Bisewski. „Wir rechnen schon seit Jahren damit, dass Wasser in Glasflaschen wieder einen Boom erleben wird und haben uns Vorräte angelegt.“ Im Schnitt würde die Gruppe jedes Jahr 10 Prozent mehr Wasser in Glas absetzen.

Cora Meyer und Andreas Meyer

9,4 Milliarden Euro will die Landesregierung im kommenden Jahr ausgeben, fast genauso viel ein Jahr später. Allein 1,7 Milliarden Euro sind 2020 für Investitionen geplant – so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr. Hier stehen die wichtigsten Projekte.

09.07.2019

Der Büromöbelhersteller Palmberg in Schönberg baut ein neues Werk und erhält dafür Unterstützung vom Land. Der Zuschuss beträgt 900 000 Euro.

08.07.2019

Schon ab August könnte es zu einem Fangstopp für Dorsch aus der östlichen Ostsee kommen. Davon wären auch Fischer in Mecklenburg-Vorpommern betroffen. Der Brexit könnte den Fortbestand von einem der größten Heringsverarbeiter Europas gefährden.

08.07.2019