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MV aktuell Glawe: Peenewerft soll ab Sommer Korvetten bauen
Nachrichten MV aktuell Glawe: Peenewerft soll ab Sommer Korvetten bauen
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19:41 22.11.2018
Peene-Werft in Wolgast: Laut Wirtschaftsminister Glawe ist nicht lange Kurzarbeit nötig. Quelle: Tilo Wallrodt
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Schwerin

Hoffnung für Peenewerft in Wolgast? Selbstbewusst erklärt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) im Landtag, wie die Landesregierung im Hintergrund an einer Rettung der Wolgaster Peenewerft mitarbeite. Mit dem Besitzer der Bremer Lürssen-Gruppe sei man im Gespräch. „Die 350 Mitarbeiter sollen am Standort bleiben“, so Glawe. Denn der gesicherte Bau von fünf Korvetten des Typs K130 für die Bundesmarine solle auf den Sommer „vorgezogen werden“, erklärt der Minister. Bisher gab es dazu keinen konkreten Termin. Auf OZ-Anfrage bestätigt die Lürssen-Gruppe das allerdings (noch) nicht.

Die Bundesregierung sollte das Land bei der Rettung der Werft unterstützen. Das ist das eigentliche Thema im Landtag. CDU und SPD wollen einen „Appell aussenden“, so Dietmar Eifler (CDU). „Wolgast muss künftig eine gewichtige Rolle für den Bedarf der Bundesmarine spielen.“ Große Sorge herrsche nach dem von Berlin verkündeten Exportstopp nach Saudi Arabien. Strittig ist weiterhin, ob die in Wolgast gebauten Boote für die Küstenwache des Wüstenstaates Teil militärischer Nutzung sind.

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Ab Sommer könnten in Wolgast K130-Korvetten der Marine gebaut werden

Auftritt Glawe. Es gebe eine „schwierige Situation, die zu meistern ist“. Es gelte zeitlich eine Lücke zu schließen, um die Mitarbeiter auf der Werft zu halten. Dafür sei Weiterbildung denkbar, zur Hälfte finanziert über das Ministerium. Nach einem Gespräch mit dem Lürssen-Eigner sei er aber optimistisch, dass nicht mehr als „drei, vier Monate Kurzarbeit“ nötig seien. Denn die Werft arbeite an neuen Standbeinen: Schon im Januar sei in Wolgast Brennstart für eine Explorer-Yacht, bereits ab Sommer könnten die K130-Korvetten der Marine gebaut werden. Zudem sei Lürssen im Gespräch für den Bau des Kampfschiffes MKS 180; hierfür falle im Frühjahr die Entscheidung. Glawe: „Die Chancen sind da. Alles ist möglich.“

Zurückhaltung dazu in Bremen. Lürssen-Sprecher Oliver Grün verweist auf frühere Aussagen von Eigner Friedrich Lürssen, der erklärte: Im zweiten Quartal werde es mit Aufträgen wieder aufwärts gegen, dann stünden in Wolgast auch „die ersten Stunden“ für die Korvetten an. Bis dahin müsse die Zeit überbrückt werden.

„Die Stimmung in Wolgast ist erdrückend schlecht“

Im Landtag ist man besorgt wegen der Peenewerft. „Die Stimmung in Wolgast ist erdrückend schlecht“, sagt Patrick Dahlemann (SPD). Ralph Weber (AfD) warnt: Es gehe inklusive der Zuliefererbetriebe um rund 1500 Jobs. Das sei „sehr systemrelevant“. Er plädiere für den Weiterbau der Küstenboote. Das tut Lürssen derzeit mit Nummer 18 bis 21 von gut 30 bestellten Exemplaren. Auslieferung ungewiss. Die Linke fordert ein Bekenntnis hin zu zivilem Schiffbau in Wolgast. „Wir wollen keine Rüstungsproduktion“, so Peter Ritter. Dietmar Eifler (CDU) verhöhnt die Idee: Eine „Fabrik für Dosenöffner“ mache keinen Sinn. Tumulte im Landtag. Am Ende lehnen alle anderen den Linke-Vorstoß ab. Stattdessen solle die Bundesregierung „den deutschen Überwasser-Marineschiffbau zur Schlüsseltechnologie erklären“, heißt es im Beschlusstext. Die Peenewerft sollte bis dahin verstärkt Reparaturaufträge der Marine erhalten. Glawe denkt da an „Marineschiffbau und Innovation als neues Programm der Bundesregierung“.

Auf die Euphorie-Bremse tritt Eckhard Rehberg, CDU-Haushaltsexperte im Bundestag: Baustart für die fünf Korvetten solle zwar noch 2019 sein. Beim Kampfschiff dagegen sei Lürssen gar nicht mehr direkt im Rennen. „Da sich das MKS 180 mitten in der Vergabe befindet, kann ich dem Landeswirtschaftsminister nur raten, hier zurückhaltender zu sein“, so Rehberg. Ein Dämpfer auch zu möglichen Programmen des Bundes. Rehberg: „Große Projekte in der Marine sind in absehbarer Zeit nicht geplant. Die fünf Korvetten und die vier MKS 180 kosten über sieben Milliarden Euro."

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Frank Pubantz