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MV aktuell Kirchenkreis Mecklenburgische Seenplatte testet Tourismuspastorin
Nachrichten MV aktuell Kirchenkreis Mecklenburgische Seenplatte testet Tourismuspastorin
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06:00 27.06.2018
Pastorin Melanie Ludwig auf einem Pilgerweg in der Mecklenburgischen Seenplatte. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Röbel

„Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ – dieses Motto gilt für Melanie Ludwig, die als eine Art geistliche und seelische Dienstleisterin tätig ist. Sie ist Tourismus- und Pilgerpastorin in der Mecklenburgischen Seenplatte, eine im Nordosten einzigartige Kombination. Seit Ende 2015 hat sie die Probestelle inne.

Fünf Jahre lang will der Kirchenkreis Mecklenburg in der Nordkirche prüfen, ob die Einrichtung dieser Stelle sinnvoll ist.

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Dass ein solches Angebot für Urlauber notwendig ist, steht für die Kirche außer Zweifel. „Wir haben die Erfahrung, dass Leute in der Urlaubszeit den großen Fragen des Lebens viel aufgeschlossener gegenüberstehen als im Alltag“, sagt Bischof Andreas von Maltzahn. Die Kirche wolle die Menschen auch in der Freizeit erreichen.

Ludwig weiß, welche Gedanken manche Urlauber umtreiben. „Wie komme ich aus dem Hamsterrad, wie gehe ich mit Entfremdung, Ängsten oder Krankheiten um. Sorgen machen keinen Urlaub.“ Zu ihrem Angebot an die Urlauber gehören etwa Strandgottesdienste oder Gute-Nacht-Geschichten für Kinder auf Campingplätzen. Natürlich gehören auch persönliche Gespräche dazu. „Einfach mal mit jemandem reden“, sei oft die Motivation der Urlauber. Der Kontakt zu ihr ist unter anderem über die Touristeninformationen möglich.

Dabei hat Ludwig die Erfahrung gemacht, dass sich Urlauber ihr gegenüber oft mehr öffnen als gegenüber einem Seelsorger in deren Heimat. „Das gilt vor allem bei schambesetzten oder sehr persönlichen Lebensthemen. Manchmal braucht es die Anonymität, um reden zu können.“

Aber viele Menschen suchten nicht den persönlichen Kontakt, sondern nur die Ruhe einer Kirche. „Es sind Sehnsuchtsorte der Stille.“ Sie böten die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, zu beten, einen meditativen oder christlichen Text zu lesen oder nur eine Kerze anzuzünden. Kirchen werden auch von Menschen besucht, die gar nicht einer christlichen Kirche angehören. „Viele unter ihnen haben aber das Bedürfnis nach einem Ort, wo sie mit ihrer Last hingehen können.“

Dafür müssten die Kirchen offen sein. Leider hätten viele Gemeinden Angst vor Vandalismus oder Diebstählen, berichtet Ludwig. Aber die Kirchgemeinden müssten auch spüren, welche Möglichkeiten sich ergeben, Menschen mit diesen Orten der Stille zu erreichen. Auch welche Chancen zur Mission darin geborgen sind. „Die Urlauber sind offen. Aber wenn die Kirche verschlossen ist, werden sie nur in den seltensten Fällen beim Pastor um den Schlüssel bitten“, betont Ludwig. Joachim Mangler

OZ