Graffiti, Brände, Müll: So leidet MV unter Vandalismus
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12:38 15.11.2019
In der Straße Am Kabutzenhof in Rostock musste die Feuerwehr am frühen Sonntagmorgen des 13 Oktober sieben brennende Autos löschen. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock

Beschmierte Hauswände, zerstochene Reifen, abgebrannte Mülltonnen – Vandalismus ist in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren ein Problem. Nach Angabe des Innenministeriums entstehen die häufigsten Sachbeschädigungen durch Graffiti, an Kraftfahrzeugen und durch Brandstiftung.

Mit einer Gesamtzahl von 7177 gemeldeten Fällen machten sie 2018 über die Hälfte aller Sachbeschädigungen in MV aus. Am schwersten betroffen sind nach Angabe des Innenministeriums die Städte Rostock und Schwerin.

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Rostock: Schäden von mehr als 300 000 Euro jährlich

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2018 allein in Rostock über 2200 Fälle von Sachbeschädigung erfasst. Die meisten davon, das sind 311, geschahen in der Kröpeliner-Tor-Vorstand (KTV). Auch in den Stadtteilen Stadtmitte, Evershagen und Lütten Klein sind die Zahlen hoch. „Das liegt einerseits an der höheren Bevölkerungsdichte und andererseits an den guten Tatgelegenheiten“, sagt Ministeriumssprecherin Dörte Lembke. Während Häuser und Fahrzeuge auf dem Land meist auf geschütztem Privatgrund stünden, seien sie in der Stadt leichter zugänglich.

Ausgebrannte Autos, eingeschlagene Scheiben, beschmierte Wände: Diese Schäden haben Täter durch mutwillige Zerstörung hinterlassen.

In der Rostocker KTV wurden erst kürzlich mehrere Autos angezündet und beschädigt. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Zehntausend Euro. Die Rostockerin Kimberly Cecatka (25) wurde bereits im Juni Opfer von Brandstiftung.

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Die damals Hochschwangere hatte auf dem Weg zum Geburtstermin gemerkt, dass ihr Auto nicht mehr auf dem Parkplatz stand. „Es waren nur noch schwarze Brandspuren und das VW Zeichen von meinem Golf zu finden.“ Der Vorfall habe sie sehr erschüttert. „Welche Konsequenzen so etwas hat, bedenkt kein Täter.“

Nicht nur mutwillige Zerstörungen, sondern auch illegale Graffiti sind in MV immer wieder ein Problem. Laut Marlen Schmidt, Koordinatorin des Kommunalen Präventionsrats (KPR) in Rostock, gehen in der Hansestadt jährlich rund 700 Anzeigen ein. Die Gesamtschadenssumme belaufe sich auf mehr als 300 000 Euro. Fußballbezogene und politisch motivierte Motive seien dabei noch unberücksichtigt.

Landkreise kämpfen gegen illegale Graffiti

Solche Schmierereien prägen auch das Bild ländlicher Regionen. „Sachbeschädigung durch Graffiti ist ein Massendelikt“, sagt Claudia Tupeit, Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg. Im Landkreis Vorpommern-Rügen hat sich die Zahl erfasster Fälle innerhalb der letzten drei Jahre von 133 auf 336 erhöht. Die Zunahme deute vor allem auf eine wachsende Anzeigebereitschaft der Bevölkerung hin.

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Die meisten Graffiti-Taten wurden im Landkreis Vorpommern-Greifswald registriert. 2018 waren es 453. Tupeit erklärt: „Hier gibt es eine Häufung durch bekannte Wiederholungstäter, die Objekte mit der Aufschrift ’Hansa’ beschmieren.“ Um Straftaten vorzubeugen, werden die gefährdeten Tatobjekte regelmäßig von Polizeibeamten kontrolliert. In der Stadt Stralsund gibt es zudem ein gemeinschaftliches Präventionsprojekt namens „Sta(tt)dt gestalten“ gegen illegale Graffiti.

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Bahn droht mit Haftstrafe, KPR gibt Chance auf Wiedergutmachung

Gegen Vandalismus kämpft auch die Deutsche Bahn. Das Unternehmen gab im vergangenen Jahr 38 Millionen Euro für die bundesweite Schadensbeseitigung aus. „Das ist Geld, das die Deutsche Bahn lieber zum Nutzen ihrer Kunden einsetzen würde“, sagt Holger Bajohra, Sprecher für Sicherheit. Die Bahn erstelle in jedem Fall Strafanzeige. In Extremfällen müssten Täter mit bis zu zwei Jahren Haft rechnen.

Die Straftäter seien häufig Jugendliche, die Alkohol konsumiert haben oder sich langweilen, erklärt Christopher Hahn, Sprecher der Polizeiinspektion Rostock. „Graffitisprayer wollen grundsätzlich ihre Kunst darstellen.“ Um den Tätern die Chance auf eine Wiedergutmachung zu geben, rief der Präventionsrat 2014 das Anti-Graffiti-Projekt ins Leben. Gemeinsam mit einem professionellen Malerteam beseitigen die Straffälligen illegale Schmierereien in der ganzen Stadt und arbeiten so ihre auferlegten Sozialstunden ab.

Experten raten, Beschädigungen in jedem Fall anzuzeigen

Polizei, Ministerium und KPR rufen Bürger dazu auf, jede Straftat anzuzeigen. Lembke betont: „Schauen Sie nicht weg. Wenn Sie Zeuge werden, geben Sie der Polizei möglichst genaue Hinweise.“ Polizeisprecher Hahn bestätigt: „Nur so kann sich die Polizei ein Bild über die tatsächliche Lage machen.“ Rund 32 Prozent aller Sachbeschädigungen in MV konnten in den letzten zwei Jahren aufgeklärt werden.

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Von Rabea Osol

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