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MV aktuell Greifswalder Rechtsmediziner: Krankenkassen sollen Leichenschau bezahlen
Nachrichten MV aktuell Greifswalder Rechtsmediziner: Krankenkassen sollen Leichenschau bezahlen
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16:58 11.03.2019
Hinterbliebene sollten nach Auffassung der Landesärztekammer von den Kosten der Leichenschau befreit werden. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Hinterbliebene sollten nach Auffassung von Ärzten von den Kosten der Leichenschau befreit werden. Diese sollten die Krankenkassen übernehmen, als „letzten Dienst am Menschen“, sagte der Greifswalder Rechtsmediziner Klaus-Peter Philipp am Montag in der Expertenkommission des Landtags zur Neufassung des Bestattungsgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern. Ähnlich äußerte sich Landesärztekammer-Präsident Andreas Crusius. Die Vergütung der Leichenschau sei außerdem zu gering, sagte Philipp. Maximal könne ein Arzt etwa 50 Euro dafür berechnen, einschließlich Wegegeld. „Das ist unzureichend.“

Kommission hat noch keine Empfehlung ausgesprochen

Die Linken-Abgeordnete Eva-Maria Kröger schloss sich der Forderung nach Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen an. Die Kommission habe dazu allerdings noch keine Empfehlung ausgesprochen, sagte sie. Erste Beschlüsse sollen beim nächsten Treffen am 8. April gefasst werden. Laut Gesetz muss bei jedem Todesfall ein Arzt eine Leichenschau vornehmen und darüber eine ärztliche Bescheinigung ausstellen.

Die Qualität der Leichenschauen soll verbessert werden. „Wir haben uns heute für bundeseinheitliche Standards beim Leichenschaurecht ausgesprochen“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Ehlers. Dies sei eine langjährige Forderung der Rechtsmediziner und notwendig, um länderübergreifend Qualitätsstandards zu entwickeln. Kröger sprach sich dafür aus, die Formulare der Todesbescheinigungen schnellstmöglich neu zu gestalten, damit weniger Fehler passieren. Die Kommission diskutierte außerdem über die Forderung nach mehr Obduktionen. Deren Zahl ist in Deutschland im internationalen Vergleich eher gering.

Debatte um Friedhofspflicht

Ehlers stellte am Rande der Kommissionsberatung infrage, dass viele Menschen eine Lockerung der Friedhofspflicht wollten. Seine Fraktion habe seit November vergangenen Jahres Veranstaltungen zur Bestattungskultur in Mecklenburg-Vorpommern organisiert. „Auf keiner dieser Veranstaltungen hat die CDU-Fraktion ein Stimmungsbild wahrgenommen, das für eine Lockerung der Friedhofspflicht gesprochen hätte“, sagte Ehlers. Auch in Zuschriften an die Fraktion legten die Schreiber „fast durchgehend sehr plausibel dar“, warum eine Lockerung der Friedhofspflicht gerade nicht sinnvoll sei.

Seit dem Start der Öffentlichkeitsbeteiligung der Expertenkommission Mitte Dezember sind nach Angaben des Kommissionssekretariats 56 Eingaben eingegangen. Dabei gehe es überwiegend um eine Lockerung des Friedhofszwangs, hieß es. Mehrheitlich werde dabei der Wunsch geäußert, die Asche eines Verstorbenen im eigenen Garten bestatten oder die Urne mit nach Hause nehmen zu können. Bisher dürfen Urnen im Nordosten nur auf Friedhöfen, in Begräbniswäldern oder auf See beigesetzt werden.

Kommission tagt wieder am 8. April

Die Expertenkommission tagt das nächste Mal am 8. April. Nach Beschlüssen zum Leichenwesen soll es dann um das Bestattungswesen gehen und vom 17. Juni an in mehreren Sitzungen um das Friedhofswesen. Zum Jahresende soll die Kommission dann einen Bericht an den Landtag verfassen. Neben Landtagsabgeordneten gehören dem 20-köpfigen Gremium Vertreter der beiden Kirchen sowie der Juden und Muslime, des Städte- und Gemeindetags, Rechtsmediziner, der Bestatterfachverband sowie Verbraucherschützer an.

Iris Leithold