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MV aktuell Grevesmühlen: Kritische Mieterin zur Kündigung gedrängt
Nachrichten MV aktuell Grevesmühlen: Kritische Mieterin zur Kündigung gedrängt
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01:21 31.03.2015
Wer sich so äußert, den brauchen wir bei uns nicht.“ Uta Woge, Geschäfts- führerin der Wobag in Grevesmühlen
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Grevesmühlen

Grevesmühlen — Fassungslosigkeit in Grevesmühlen. Eine 67-jährige Rentnerin, die ihren schwerbehinderten Mann zu Hause pflegt, hat am Wochenende ein Schreiben von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Wobag) Grevesmühlen erhalten, in dem sie aufgefordert wird, den Mietvertrag für ihre künftige Wohnung aufzulösen, die sie am 1. Juni beziehen wollte. Hintergrund sind Äußerungen der 67-jährigen Herta Knihs gegenüber einer OZ-Reporterin in der vergangenen Woche. Die Rentnerin hatte sich am Rande einer Wobag-Veranstaltung darüber beklagt, dass man ihr statt einer behindertengerechten Wohnung eine altersgerechte angeboten habe. „Den Unterschied hatte mir niemand erklärt.“

Wobag-Geschäftsführerin Uta Woge hatte bereits auf der Veranstaltung das Gespräch zwischen Mieterin und Presse unterbunden. Zwei Tage später lag der Brief bei Hertha Knihs im Briefkasten, die seitdem keine ruhige Minute mehr hat. In dem Brief heißt es: „Sie äußerten sich negativ über ihre zukünftige Wohnung Aus Kulanz bieten wir Ihnen an, vom Mietvertrag zurückzutreten.“ Und: „Wir empfehlen Ihnen, sich mit anderen Vermietern in Verbindung zu setzen.“

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Aus ihrer alten Wohnung in der Rehnaer Straße in Grevesmühlen, die ebenfalls von der Wobag verwaltet wird, muss das Ehepaar ausziehen, weil die Wände von Schimmel befallen sind. Und weil sie ihren Mann (75) nicht ins Heim geben, sondern selbst pflegen will, hat sie nach monatelanger Suche den Vertrag für die Vier-Raum-Wohnung unterschrieben. „Ich war so froh, als ich damals den Artikel über die alte Sparkasse gelesen habe“, sagt die Rentnerin. „Ich hatte mich gleich für die altersgerechte Wohnung eingetragen. Aber ich will dort nicht mehr hin, nicht nach so einem Schreiben. Ich habe da keine ruhige Minute“, sagt die Rentnerin jetzt. Unterzeichnet ist der Brief von der Geschäftsführerin der Wobag, Uta Woge. „Wer sich so über uns äußert, den brauchen wir bei uns nicht“, erklärte sie gestern auf Anfrage der Redaktion.

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass mein Mann schwerbehindert ist und im Rollstuhl sitzt“, berichtet Herta Knihs. „Deshalb haben wir uns damals für die altersgerechten Wohnungen in der alten Sparkasse beworben.“ Im Glauben, dass der Begriff für rollstuhlgerechte Unterbringung steht. Doch das ist ein Irrtum. „Altersgerecht bedeutet nicht, dass die Wohnungen für Rollstuhlfahrer geeignet sind“, erklärt Uta Woge. „Es gibt einen Unterschied zwischen alters- und behindertengerecht, daraus haben wir auch nie ein Geheimnis gemacht.“

„Es gibt feste Begriffe, mit denen so etwas bezeichnet wird“, erklärt Kai-Uwe Glause vom Mieterbund MV. „Entweder ist eine Wohnung barrierefrei oder barrierearm.“ Er empfiehlt im Fall von Herta Knihs, dass sie an dem Mietvertrag festhalten soll. Solche Schreiben an Mieter kennt man beim Mieterbund. „Für uns sind manche Animositäten auch nicht nachvollziehbar.“

Inzwischen hat sich Grevesmühlens Bürgermeister Jürgen Ditz (parteilos), der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Wobag ist, in den Streit eingeschaltet. Das Schreiben hält er für „unglücklich“

und regt ein Gespräch zwischen Herta Knihs und der Wobag an. Dem stimmte auch Uta Woge zu. Aber: „Im Moment ist nichts anderes frei.“



Michael Prochnow