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MV aktuell Grimmener Windrad-Sturz: Es war nicht der erste Fall
Nachrichten MV aktuell Grimmener Windrad-Sturz: Es war nicht der erste Fall
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00:00 13.12.2016
Auf einem Acker bei Grimmen liegen Teile der umgestürzten Windkraftanlage. FOTO: STEFAN SAUER/DPA
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Bereits 2014 knickte in Brandenburg ein Windrad des gleichen Typs um, genauso wie jetzt bei Grischow / Der Betreiber versichert: Die Anlagen sind sicher

Gesamtleistung stieg auf 31 Megawatt

Olaf Manzke, Sprecher

des Landkreises Vorpommern-

Rügen FOTO: H. MEUSEL

Grischow. Nicht nur Gutes kommt von oben: Sonntagnachmittag fiel im Windpark zwischen Rakow und Grischow bei Grimmen (Vorpommern-Rügen) ein Windrad vom Himmel (die OZ berichtete). Gondel, Rotor, Nabe und der halbe Turm – zusammen gut 70 Tonnen schwer – landeten auf einem Acker. Ohne erkennbaren Grund war der stählerne Turm abgeknickt. Jetzt ragt bloß noch der 25 Meter hohe Stumpf aus der Krume. Laut Deutschem Wetterdienst wehte hier an diesem Nachmittag der Wind mit Stärke Sechs zwar etwas kräftiger, aber nicht in Sturmstärke. Windrad-Havarien sind selten, aber sie kommen vor: Es gab Fälle von brennenden Gondeln, wie 2013 in Grimmen. Dass die Anlagen einfach so umfallen, ist extrem ungewöhnlich, sind sich die Experten einig. Aber es kommt vor: Vor genau zwei Jahren stürzte im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis in Kosdorf ein Windrad. Auch damals knickte der Turm etwa auf halber Höhe ab. Das Windrad war vom gleichen Typ wie der Süderholzer Unglückspropeller: D4 48/600 vom Hersteller DeWind.

Die Anlage im Windpark Rakow war 2000 in Betrieb gegangen, die in Brandenburg ein Jahr vorher. Die Firma DeWind gibt es nicht mehr, das Lübecker Unternehmen wurde 2009 vom südkoreanischen Konzern Daewoo geschluckt und später abgewickelt, im Juli wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht. Noch drehen sich 20 weitere Räder des Unglückstyps in Süderholz, jeweils 94 Meter hoch.

„Die Anlagen sind sicher“, beteuert Christian Herz von der Firma Ökofair. Das Unternehmen betreibt den Windpark Rakow und einen weiteren in Sachsen-Anhalt im Auftrag von 560 Anlegern. Es seien stets alle vorgeschriebenen Wartungen durchgeführt worden. Für Rakow sei ein eigener Parkwart zuständig, ein ausgebildeter Mechatroniker. Das sei keine Selbstverständlichkeit. Sicherheit gehe vor Geldverdienen, versichert der Geschäftsführer. Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat Ökofair zur Herausgabe sämtlicher Wartungsprotokolle aufgefordert. Eine Abschaltung des Windparks sei vorerst kein Thema, so Landkreis-Sprecher Olaf Manzke. Noch sei ja nicht einmal klar, ob die umgestürzte Windmühle gerade Strom erzeugte oder abgeschaltet war und ob das bei der Havarie überhaupt eine Rolle spielte. „Wir sind für die Baugenehmigung zuständig“, erklärt Manzke. Der Landkreis kontrolliert etwa, ob die Fundamente in Ordnung sind. Die Sicherheit der Anlage sei Sache des Herstellers – die müsse mit Zertifikaten nachgewiesen werden. Bei der abgeknickten Anlage gab es nichts zu beanstanden.

Mindestens zwei Gutachter, vom Betreiber und von einer Versicherung, wollen heute die Trümmer untersuchen, zusammen mit Mitarbeitern des Kreises. Kriminalpolizisten sind auch dabei. Aber das ist mehr eine Formalität. Schon jetzt sei ziemlich sicher, dass keine Straftat vorliegt, so eine Polizeisprecherin. Alexander Berkert (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Süderholz, ist erleichtert, dass niemand verletzt wurde. Der Vorfall zeige, wie wichtig Mindestabstände zu Wohnhäusern seien. Norbert Schumacher von der Anti-Windrad-Partei „Freier Horizont“ fordert, Windparks einzuzäunen.

Die Anlagen vom Typ DeWind D4 sind in der Kommune bis 2020 zugelassen, danach kann der Betreiber Verlängerung beantragen. Möglichweise werden sie aber schon viel früher durch doppelt so Große und Leistungsstärkere ersetzt. Repowering heißt das in der Fachsprache. „Wenn wir die Genehmigung bekommen, werden wir das machen“, sagt Geschäftsführer Herz. Den Schaden durch die umgestürzte Anlage liege etwa „im sechsstelligen Bereich“.

32 weitere Räder vom gleichen Typ rotieren noch in MV, im Windpark Bütow bei Röbel (Seenplatte). Die Betreiberfirma Enertrag versichert, mögliche Erkenntnisse aus Süderholz zu berücksichtigen.

Windpark Rakow

Aus insgesamt 29 Windrädern besteht der Windpark zwischen Rakow und Grischow – Orte, die zur Gemeinde Süderholz gehören. 21 „Mühlen“ wurden 2000 errichtet, eine von ihnen stürzte am Wochenende um. 2012 kamen acht moderne Windräder dazu, die Gesamtleistung stieg von 13 auf 31 Megawatt.

Repowering

Betreiber Ökofair Energie will die alten Windräder durch größere ersetzten. Die Gemeinde ist skeptisch.

Gerald Kleine Wördemann

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