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MV aktuell Großbrand in Kolbow: Der Todeskampf der Schweine
Nachrichten MV aktuell Großbrand in Kolbow: Der Todeskampf der Schweine
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13:59 25.07.2019
Beim Großbrand in einer Stallanlage für Schweine in Kolbow bei Grabow sind rund 2500 Tiere gestorben. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Kolbow

Dick und schwarz steigen die Rauchwolken Montag früh über der Schweinemastanlage bei Kolbow (Ludwigslust-Parchim) in den Himmel. „200 bis 300 Meter waren die Qualmwolken hoch“, schätzt Marko Drobny (41), Kamerad bei der Freiwillige Feuerwehr Zierzow. Bis mindestens nach Eldena seien die Rauchschwaden zu sehen gewesen, also gut 25 Kilometer.

Drobny wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er sei eigentlich schon auf dem Weg zur Arbeit gewesen, da kam um 6.39 Uhr der Alarm, erzählt er. „Kurz davor fuhr ich an der Anlage vorbei, da war noch nichts zu sehen“, sagt der Dachdecker. Kurze Zeit später begann der schwerste Einsatz dieses Jahres für die 41 Zierzower Feuerwehrleute. Aber nicht nur für sie.

Feuerwehrmann Marko Drobny (41) Quelle: Dietmar Lilienthal

Ein süßlicher Geruch wabert über das Gelände

Elf Feuerwehren aus der Region mit mehr als einhundert Kameraden und Kameradinnen kämpfen etwa sechs Stunden lang gegen die Flammen, die aus dem insgesamt etwa 100 Meter langen und 60 Meter breiten Stallkomplex des Agrarunternehmens Hopman Schweinemast GmbH lodern. Zudem helfen noch etwa 50 Mitarbeiter von Agrarunternehmen beim Transport der überlebenden Tiere. Gegen 13 Uhr ist der Brand weitgehend gelöscht, berichtet Wolfgang Krause (53) von der Kreiswehrführung Ludwigslust-Parchim. „Zu möglichen Brandursachen kann noch nichts gesagt werden.“ Einer der Feuerwehrleute habe bei dem Löscheinsatz eine Rauchvergiftung erlitten und sei in eine Schweriner Klinik gebracht worden. Auch ein Mitarbeiter des Mastbetriebes wird durch Rauchgas verletzt.

Wolfgang Krause (53) von der Kreiswehrführung. Quelle: Dietmar Lilienthal

Vielen der Feuerwehrleute ist die Erschöpfung nach ihrem Einsatz anzusehen. Kein Wunder: Zu den ohnehin harten Löscharbeiten kommt noch eines erschwerend hinzu: Sie mussten nicht nur Gebäude löschen. Die Frauen und Männer mussten auch den Todeskampf von Hunderten Schweinen hautnah miterleben – und mitanhören. Noch nach Stunden wabert ein süßlicher Geruch, vermischt mit Rauchschwaden, aus den Stallruinen herüber. Der Gestank wird glücklicherweise durch den leichten Nieselregen, der langanhaltend vom Himmel fällt, etwas gedämpft.

Bilder vom Brand der Schweinemastanlage Kolbow:

Eine Stallanlage eines Schweinemastbetriebes in Kolbow-Grund ist am Frühen Montagmorgen aus bislang ungeklärter Ursache in Brand geraten.

Drei der fünf Ställe sind zerstört worden

Der Schaden, den das Großfeuer hinterlässt, ist riesig: Etwa die Hälfte der dort gehaltenen 6000 Tiere – es sind Schweine vom Ferkelalter bis hin zu schlachtreifen Tieren – verendet. Das Unternehmen gehe vom Tod von etwa 2500 Schweinen aus, sagt Landrat Stefan Sternberg (SPD), der sich am Brandort umsieht. Drei der fünf Ställe seien zerstört worden. Der Betriebsleiter will sich nicht zu dem Brand und möglichen Folgen äußern.

Schwein hatten trotzdem eine Menge der Tiere: Die Einsatzkräfte und Helfer können gut 3500 Schweine retten. Mit Tiertransportern, gezogen von Lkw und Traktoren, werden die überlebenden Tiere in andere Ställe gebracht. Während die Fahrzeuge beladen werden, ist ein unaufhörliches Quieken zu hören. Die Polizei hat die Zufahrtsstraßen zur Kolbower Anlage abgesperrt, damit die Transporter und die Feuerwehren ungestört zu der Anlage und wieder weg gelangen können.

Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen

Dabei hätte der Großbrand noch viel schlimmere Auswirkungen haben können, wenn die Flammen die Biogasanlage „Dr. Eberhard Biogas Zweite GmbH & Co. KG“ erreicht hätten. Betriebsleiter Michal Zimmermann (33) ist froh, dass das Großfeuer die Anlage, die rund 200 Meter von den Schweineställen entfernt liegt, verschont hat. Er beobachtet mit seinen beiden Mitarbeitern vom Tor aus die Löscharbeiten und den Abtransport der überlebenden Schweine. „Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren haben das Feuer von der Biogasanlage weggehalten“, lobt Zimmermann. Für die Anlage habe keine Gefahr für ein Übergreifen des Feuers bestanden. Und er habe den Feuerwehrleuten einen Radlader „ausgeborgt“, in dessen Schaufel Wasser zur Brandbekämpfung transportiert werden kann.

Auch wenn der Brand gelöscht ist, haben die Feuerwehrleute noch den ganzen Montag viel zu tun. Das Wichtigste ist nun, den Brandherd nach der Bekämpfung zu „verteidigen“. Das heißt, ein Wiederaufflammen aus Glutnestern zu vermeiden. Zur Höhe des Gesamtschadens und zur möglichen Brandursache gibt es noch keine Angaben. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

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