Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Hängepartie um Rostocker Uniklinik-Chef
Nachrichten MV aktuell Hängepartie um Rostocker Uniklinik-Chef
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:54 18.07.2018
Unter Druck: Christian Schmidt war deutscher Klinik-Manager des Jahres 2017. Jetzt ist der Vorstandschef der Rostocker Uni-Medizin suspendiert. Quelle: Arscholl Ove
Anzeige
Rostock/Schwerin

Die Hängepartie an der Rostocker Uni-Klinik nimmt vorerst kein Ende: Noch immer hat der Aufsichtsrat keine Entscheidung im Fall des freigestellten Krankenhaus-Chefs Christian Schmidt (51) getroffen. Der Vorstandsvorsitzende der größten Klinik von Mecklenburg-Vorpommern ist mittlerweile seit knapp drei Wochen von allen Aufgaben entbunden. Selbst die Mitglieder des Aufsichtsrates wissen derzeit nicht, wie es in der Causa weitergeht. Nach OZ-Informationen wolle Chef-Aufseher Sebastian Schröder (SPD), Staatssekretär im Bildungsministerium, noch eine weitere rechtliche Prüfung abwarten. Derweilen streiten die Juristen bereits über Fristen für eine mögliche Kündigung des Klinik-Vorstandes.

Die Vorgeschichte: Ende Mai hatten sich Rostocker Unternehmer und mindestens ein Professor aus der Uni-Klinik an Schröder und Uni-Rektor Wolfgang Schareck gewandt. In Mails erheben die Absender schwere Vorwürfe gegen Klinik-Vorstand Schmidt. Unter anderem soll er versucht haben, im Zuge eines Software-Deals mit einer Berliner Firma sich persönlich zu bereichern. Auch weitere drei (kleinere) Verdachtsfälle der Untreue stehen im Raum.

Anzeige

Die Anwälte des „Klinik-Managers des Jahres 2017“, der 2014 von den städtischen Kliniken Köln an die Warnow wechselte, dementieren die Anschuldigungen in allen Punkten, sprechen sinngemäß von einer inszenierten Rufmordkampagne gegen ihren Mandanten. Genau das scheint nun das Dilemma des Aufsichtsrates zu sein: Nach einer ersten Prüfung der Vorwürfe durch die Hamburger Kanzlei Roxin sprach alles für einen Rauswurf Schmidts, doch seit der Stellungnahme von Schmidts Rechtsbeistand – der Kölner Kanzlei Bietmann – zögert der Aufsichtsrat. Schröder soll weitere Prüfungen veranlasst haben.

Unter anderem befasst sich das landeseigene Beteiligungscontrolling – die Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) – mit dem Fall. Das Ergebnis dieser Prüfung, die nach OZ-Informationen auf Bitten des Bildungs- und mit dem Segen des Finanzministeriums veranlasst wurde, soll ernüchternd sein: Schmidts Verhalten soll allenfalls moralisch fragwürdig, nicht aber juristisch strafbar gewesen sein. Bis übermorgen will die GSA eine schriftliche Stellungnahme abgeben. So lange wolle Aufsichtsratschef Sebastian Schröder noch warten. Der Staatssekretär ist auf Tauchstation. Auch Aufsichtsratsmitglieder wissen nicht, wie es weitergeht: „Wir alle hoffen, rasch etwas Schriftliches auf den Tisch zu bekommen. Erst dann können wir ein Votum abgeben“, sagte ein Mitglied des Gremiums gegenüber der OZ.

Unterdessen gibt es bereits Streit über die Fristen in dem Verfahren: Für eine sogenannte „Verdachtskündigung“ sei die Zeit abgelaufen, argumentieren Schmidts Anwälte. Aus Sicht der Kölner Juristen hätte der Aufsichtsrat bis Mitte Juni die Kündigung aussprechen müssen. Denn: Die gesetzliche 14-Tage-Frist habe am 28. Mai – dem Tag, an dem die Vorwürfe gegen Schmidt beim Aufsichtsrat landeten – begonnen. Schröder sieht das offenbar anders. Sollte der Aufsichtsrat Schmidt ohne belegbares Fehlverhalten kündigen, drohen die Anwälte des Klinik-Chefs bereits mit Klage. Mehr als drei Millionen Euro könnten dem Vorstand dann zustehen.

Andreas Meyer

Anzeige