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MV aktuell Hafenkante statt Friseursalon: Hier machen junge Frauen große Schiffe fest
Nachrichten MV aktuell Hafenkante statt Friseursalon: Hier machen junge Frauen große Schiffe fest
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06:01 23.04.2019
Kim Bauersfeld (22) und Sophia Grewe (22) sind Azubis im Seehafen Rostock. Sie lassen sich zur Fachkraft für Hafenlogistik ausbilden. Quelle: Virginie Wolfram
Rostock

Kim Bauersfeld steigt in einen Radlader. Die 22-Jährige startet den Motor und visiert einen Haufen mit hellem Schüttgut an, krachend lässt sie die Schaufel erst in die steinige Masse fahren und dann voll beladen nach oben gehen. Sie wendet den Radlader kurz, fährt weiter und lädt das Mineral Olivin an anderer Stelle des Bulk Terminals von Euroports ab. „Große Maschinen fahren und draußen arbeiten – das ist genau meins. Ich liebe Action, nie könnte ich im Büro arbeiten“, sagt sie lachend.

„Ich habe keine schwachen Oberärmchen, auch wenn ich klein bin.“

Die quirlige Kim und ihre Kollegin Sophia Grewe (22) gehören zu den seltenen weiblichen Lehrlingen in MV, die derzeit den Beruf Fachkraft für Hafenlogistik erlernen und in diesem Jahr Prüfung haben. Vor allem Kim fällt auf, wenn sie zwischen den vorwiegend männlichen Hafenarbeitern mitmischt. „Die sehen mich das erste Mal und denken: Lackierte Fingernägel und Glitzerhandyhülle, alles klar, eine Tussi. Aber ich zeige ihnen, dass ich mich durchsetzen kann und arbeite wie alle anderen. Ich habe keine schwachen Oberärmchen, auch wenn ich klein bin“, sagt die 1,56 Meter große Frau mit dem Glitzer-Nasenring und den auffällig geschminkten Augen. Dass sie sich für die Arbeitszeit im Hafen zurecht macht, kommentiert sie so: „Ein bisschen Weiblichkeit muss doch noch sein, neben dem Helm und den Arbeitssachen.“

Vom Friseursalon zum Hafenumschlag

Und eigentlich kommt die selbstbewusste Kim aus einer ganz anderen Ausbildungsbranche: Sie hat eine Friseurausbildung gemacht. „Aber da verdient man ja nichts. Das wollte ich nicht.“ Auf den Job im Hafen habe ihr Stiefvater sie gebracht, als sie aus Hamburg nach Rostock gezogen sind. Er war es auch, der sie früh auf Baustellen mitnahm und für Bagger und Technik interessierte.

Wer als Frau im Hafen arbeitet, „muss sich gegenüber den Männern behaupten können und auf Modder und Dreck stehen“, findet Kim Bauersfeld. Sophia Grewe stimmt ihr zu: „Man muss durchsetzungsfähig sein und den Männern erst beweisen, was man kann.“ Dennoch betont sie auch, dass gerade viele ältere Kollegen ihr Wissen gern an die Jüngeren weitergeben und viel helfen. „Es ist eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen.“

Frauen bewerben sich nur selten

„Die Mädels haben bei uns die gleichen Ausbildungsinhalte wie die Jungs, wir nehmen keine extra Rücksicht“, betont Ausbilder Fiete Löwe (29). Insgesamt 29 Azubis sind derzeit in der Gesamthafenbetriebsgesellschaft (GHBG) Rostock angestellt. Jedes Jahr kommen etwa zehn neue hinzu. Frauen bewerben sich relativ selten. „Wir haben seit 2006 rund 100 Lehrlinge ausgebildet, darunter waren fünf Frauen“, sagt Martin Rotbarth, der die operative Geschäftsführung der GHBG im Januar an Janina Küster übergeben hat.

Drei Jahre läuft die Verbundausbildung, bei der die Lehrlinge die verschiedenen Bereiche im Seehafen durchlaufen. Dort lernen sie die gesamte Bandbreite des Hafenumschlags kennen, von Kohle, Getreide über Öl und Schwergut bis zu Windradkomponenten. Die Umschlagsarbeiten seien sehr abwechslungsreich, und jeder Betrieb einzigartig, sagt Sophia Grewe. Sie habe sich für die Lehre entschieden hat, weil sie handwerklich begabt und „eher der praktische Typ“ sei.

Schiffe festmachen bei Wind und Wetter

Die Hafenlogistik-Lehrlinge übernehmen die gleichen Tätigkeiten wie die Facharbeiter, abgesehen von Spezialtechnik wie den Kranen, wofür man besondere Führerscheine benötigt. So machen die Azubis gemeinsam mit anderen Mitarbeitern Schiffe fest, verladen Güter, sichern Ladungen auf den Schiffen, kontrollieren, dass das Gut nicht beschädigt wird und sprechen mit der Crew. Die Schiffsbesatzungen kommen aus aller Herren Länder. Englisch ist wichtig, um sich an Bord zu verständigen. Wenn das nicht helfe, gehe die Kommunikation manchmal nur mit Händen und Füßen, sagt Sophia.

Gute Chancen auf Übernahme nach der Lehre

„Azubis sammeln bei uns viel Praxiserfahrung“, sagt Fiete Löwe. Zum Verbund gehören 13 Hafen-Unternehmen. Im Juni absolvieren 24 Azubis aus ganz MV ihre praktische Prüfung. Die Übernahmechancen für die Rostocker Azubis stehen sehr gut. Eigentlich bekämen alle, die sich keine schweren Ausfälle geleistet haben, auch einen Arbeitsvertrag angeboten, sagt Martin Rotbarth. Indes laufen schon die ersten Gespräche für neue Auszubildende. 20 Bewerber seien bisher eingeladen worden, sagt Löwe. Weitere Interessenten könnten sich aber noch bewerben.

Für Sophia Grewe, die Mutter einer anderthalbjährigen Tochter ist, war es die richtige Berufswahl: „Ich bin froh, dass ich den Weg gewählt habe. Wer abenteuerlustig ist, was Ausgefallenes sucht und bei Wind und Wetter draußen sein mag, dem kann ich die Ausbildung empfehlen.“

Ausbildung gibt es seit 2006

29 Azubis und Umschülerlassen sich derzeit zur Fachkraft für Hafenlogistik im Rostocker Seehafen ausbilden. Seit 2006 gibt es die dreijährige Lehre im Verbund von derzeit 13 Unternehmen. Angestellt sind die Azubis bei der Gesamthafenbetriebsgesellschaft Rostock. Bewerben können sich Interessierte, die mindestens einen guten Hauptschulabschluss haben, praxisaffin sind und gern an der frischen Luft arbeiten. Eine gewisse Sportlichkeit ist von Vorteil.

Virginie Wolfram

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