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MV aktuell Heimatvereine und Ehrenamtler kämpfen für Archäologisches Landesmuseum
Nachrichten MV aktuell Heimatvereine und Ehrenamtler kämpfen für Archäologisches Landesmuseum
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18:00 05.11.2019
Wer das Original des bronzezeitlichen Horns, das einst in einem Moor bei Wismar gefunden wurde, sehen möchte, muss dafür ins dänische Aarhus fahren. Dort wird der berühmte Fund im Museum gezeigt – und nicht in Mecklenburg-Vorpommern, wo es noch immer kein Archäologisches Landesmuseum gibt. Im Bild: eine Nachbildung des Horns, die vor zwei Jahren in Groß Raden ausgestellt wurde. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Rostock

Was haben der Kultwagen von Peckatel, das Horn von Wismar und die Stabdolche von Melz gemeinsam? Die archäologischen Relikte aus der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) haben eine weltweite Bedeutung – und sie wurden in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. „Doch wer sie sehen will, muss dafür nach Dänemark fahren“, erklärt Carsten Schmoldt von der Initiative pro Archäologisches Landesmuseum (IPAL). Genauer gesagt: Man muss ins Moesgaard Museum im dänischen Aarhus fahren.

Die seltenen Funde sind zusammen mit mehr als hundert weiteren bronzezeitlichen Stücken aus MV eine Attraktion in Aarhus. Hierzulande werden sie nur selten der Öffentlichkeit präsentiert, wenn überhaupt. Tausende Relikte der Vergangenheit – häufig von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern geborgen – schlummern in Archiven oder werden ganz woanders gezeigt, weil es im Nordosten noch immer kein Archäologisches Landesmuseum gibt.

Alle Museumspläne wurden gekippt

Rund 20 Organisationen haben sich jetzt in MV zusammengefunden, darunter Heimat- und Museumsvereine, Archäologische Gesellschaft und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, um dem Bau eines solchen Museums noch stärkeren Nachdruck zu verleihen. „Seit im Jahr 1992 das Archäologische Landesmuseum aus dem Schweriner Schloss entfernt wurde, gab es viele Versprechungen, dafür einen Ersatzbau zu schaffen“, sagt Carsten Schmoldt. Entsprechende Pläne seien jedoch immer wieder gekippt worden.

Ende vergangenen Jahres zeichnete sich dann eine Lösung ab: Das Museum soll nun endlich gebaut werden, im Rostocker Stadthafen, damaligen Plänen zufolge ab 2021; eine Eröffnung war für 2025 geplant. Doch ob es wirklich so kommt, steht mal wieder in den Sternen. Streitpunkt sind die Kosten. Das Land hat verfügt, dass der Bau maximal 40 Millionen Euro kosten darf. Das ist nach Angaben des neuen Rostocker Oberbürgermeisters Claus Ruhe Madsen (parteilos) jedoch viel zu wenig Geld. Entweder man müsse die Bausumme neu verhandeln oder einen anderen Standort finden, etwa im Rostocker Iga-Park (OZ berichtete).

Landesmuseum soll in den Ostseeraum ausstrahlen

Carsten Schmoldt unterstützt Madsens Forderung, mehr Geld für ein Archäologisches Landesmuseum im Stadthafen zu investieren: „Wenn man jetzt ein Museum für die nächsten 200 Jahre baut, muss man ein richtiges Museum bauen – und zwar bitte einen ‚Leuchtturm‘ und keine ‚Sparflamme‘“. Ein solches Museum in bester Lage müsse in den ganzen Ostseeraum ausstrahlen.

Der Kultwagen von Peckatel (entstanden um 1300 v. Chr.) wurde 1843 bei Grabungen östlich von Schwerin gefunden. Quelle: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV

Auch für den ehemaligen Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling ist der Stadthafen der „attraktivste und touristisch am besten zu vermarktende Standort“ für ein solches Museum. Jeder Tourist in Rostock werde heute in den Stadthafen geführt. Auch viele der Kreuzfahrtgäste und Fährpassagiere seien potenzielle Besucher, sagt Methling. „Es ist wirklich faszinierend, welche zentrale Rolle das Gebiet des heutigen MV für die Siedlungsgeschichte im gesamten Ostseeraum einnahm und wie viele Impulse für diese Entwicklung von hier ausgingen“, betont Methling. Insofern wäre ein Archäologisches Landesmuseum „auch ein Mutmacher für heutige Aktivitäten aus MV“.

Touristisches Highlight fürs ganze Land

Ein Archäologisches Landesmuseum wäre auch aus touristischer Sicht „ein Highlight für das ganze Land“, sagt der Bürgermeister von Prerow, René Roloff, der sich als Vorsitzender des Fördervereins des Darß-Museums engagiert. Roloff unterstützt den Bau eines Archäologischen Landesmuseums in Rostock: Es würde als Ausflugsziel bis auf den Darß ausstrahlen. Beim Bau sollte man „keine Sparvariante“ wählen. „Ich sehe ein Archäologisches Landesmuseum in einer Liga mit dem Stralsunder Ozeaneum“, betont Roloff. Zudem würde ein solches Museum „Identität und Heimatverbundenheit der Menschen im Land stärken“.

Diese bronzezeitlichen Stabdolche stammen aus einem Hortfund bei Melz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Gefunden wurden sie in den 1970er Jahren. Quelle: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV

Und es wäre eine große Motivation für die rund 200 ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger im Land, wenn ihre Funde endlich restauriert und öffentlich gezeigt werden, ergänzt Schmoldt, der auch im Klützer Heimatverein tätig ist. Die Ehrenamtler suchten teilweise seit mehreren Jahrzehnten auf den Äckern nach Relikten aus der Vergangenheit. Und bislang landen ihre Funde in Kisten.

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Mehr zum Thema: https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Geheimnisse-unter-der-Erde-Unterwegs-mit-Schatzsuchern-am-Barther-Bodden

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