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MV aktuell „Helden statt Trolle“: Mit Wissen gegen Hasskommentare im Netz
Nachrichten MV aktuell „Helden statt Trolle“: Mit Wissen gegen Hasskommentare im Netz
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09:47 06.11.2019
Das Projekt „Helden statt Trolle“ hat es sich zum Ziel gesetzt, etwas gegen Hass im Internet zu unternehmen. Quelle: Christian Roedel
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Rostock

Politiker, wie jüngst Renate Künast, werden in sozialen Netzwerken oft übel beschimpft. Nach dem jüngsten Anschlag auf eine Synagoge in Halle kursieren im Internet Hasskommentare, die es darauf anlegen, die Situation noch weiter anzufachen. Auch fast alle Jugendlichen, die sich regelmäßig im Internet bewegen, kennen das: Lügen, Beleidigungen und Mobbing im Internet sind an der Tagesordnung. Das Projekt „Helden statt Trolle“ hat sich zum Ziel gesetzt, dem etwas entgegenzusetzen. Drei Jahre lang kam das Geld dafür von der Europäischen Union. Jetzt versucht das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern, das Angebot dauerhaft zu etablieren.

„Spätestens ab der fünften Klasse aber betrifft es alle“

Was ist einfach nur ein dummer Spruch – und wo ist die Grenze? Was können Jugendliche tun, wenn sie im Internet sogenannter Hatespeech, also Hasssprache, und Fake News, also bewusst platzierten Lügen, begegnen? Auf dem von der Landeszentrale für politische Bildung und dem Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern entwickelten Internetportal ist all das leicht verständlich erklärt. Das Ziel, so Projektleiterin Annika Jacobs: „Wir wollen junge Menschen für das Thema sensibilisieren und sie fit machen für einen sicheren, selbstbewussten Umgang mit dieser Art von Gewalt.“ Nachdem es bisher ausdrücklich um die 14- bis 29-Jährigen ging, würde sie die Zielgruppe künftig gerne ausweiten. Sie ist überzeugt: „Wenn wir ehrlich sind, ist das fast schon ein Grundschulthema. Spätestens ab der fünften Klasse aber betrifft es alle.“

Alles zum Thema „Sicherheit“

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Die Anfänge des Projektes liegen schon eine ganze Weile zurück. Bereits im Jahr 2015 – seit dem verstärkten Zustrom von Flüchtlingen und Migranten nach Deutschland – hatte die Kriminalpolizei eine deutlich sichtbare Radikalisierung der Umgangsformen im Internet beobachtet. Über den EU-Fonds für innere Sicherheit schaffte sie es, im April 2016 zwei Mitarbeiter einzustellen, die zunächst einmal ein Jahr lang ein Konzept erarbeiteten, um dann bei Workshops und Vorträgen in Schulen und Jugendeinrichtungen herauszufinden, was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewegt. Mehr als 2300 Menschen haben mittlerweile die unterschiedlichen Angebote genutzt. „Der Bedarf ist nach wie vor massivst gegeben“, meint Annika Jacobs.

Parallel zu der praktischen Arbeit ist eine Internetseite entstanden, auf der sich sowohl die Jugendlichen als auch Pädagogen informieren können. Dort wird Faktenwissen vermittelt, beispielsweise über die sogenannten Social Bots, jene Computerprogramme, über die gezielt Falschinformationen verbreitet werden, um den Eindruck zu erwecken, dass eine bestimmte Meinung bei den meisten Nutzern vorherrschend sei. Es gibt klare Antworten auf die Frage, wann ein dummer Spruch zu einem Straftatbestand wird, wo das Recht auf freie Meinungsäußerung seine Grenzen hat. Denn was im „wirklichen Leben“ nicht erlaubt ist, das darf auch im weltweiten Netz nicht sein.

Schon ein ganzes Paket von Unterrichtsmaterialien

Um Lehrer und Erzieher zu unterstützen, haben Lehramtsstudenten der Rostocker Universität schließlich gemeinsam mit der Beruflichen Schule für Technik ein ganzes Paket von Unterrichtsmaterialien erarbeitet. Seit August stehen sie im Netz – und sind seitdem schon mehr als 500 Mal heruntergeladen worden.

Internetnutzer aus ihrer Lethargie zu holen, sie zu handelnden Akteuren der Demokratie zu machen, haben sich Annika Jacobs und ihre beiden Kollegen auf die Fahnen geschrieben. Wobei die Projektleiterin betont: „Wir wollen keine verkappte Internetpolizei aufbauen oder die Jugendlichen dazu bringen, sich in irgendwelche Hassdiskussionen rechter Parteien einzumischen.“ Ein „Held“ ist in ihren Augen schon derjenige, der sich nicht einfach ausblendet, wenn etwas falsch läuft. Sie will zeigen, was Schüler schon im Kleinen – etwa im Klassenchat – tun können, Argumentationshilfe geben und auch vermitteln, wie sie sich selbst schützen können. Darüber hinaus werden Handlungsmöglichkeiten erklärt, um bei echten Verfehlungen aktiv zu werden: Nutzer können sich an Netzbetreiber wie Facebook oder Twitter wenden, an die Onlinemeldestelle von Netzverweis oder direkt an die Internetwache der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern.

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Von Katja Bülow

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