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MV aktuell Viele Hochbegabte in MV: So erkennen Sie, ob Ihr Kind ein Genie ist
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08:59 27.04.2019
Etwa zwei Prozent aller Schüler gelten statistisch als hochbegabt. Quelle: Felix Kästle/dpa
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Rostock

In MV leben möglicherweise viel mehr kleine Genies als bisher bekannt. Rein statistisch gesehen gelten rund zwei Prozent aller Kinder als hochbegabt. In MV werden derzeit aber weniger als ein Prozent der Schüler besonders gefördert (Schuljahr 2016/17: 0,75 Prozent).

Experten sehen daher noch Luft nach oben: „Es könnte viel mehr Schüler geben, die besondere Leistungen erbringen können, als man gemeinhin denkt“, sagt Christoph Perleth, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Rostock. Er begleitet das bundesweite Programm „Leistung macht Schule“, an dem in MV acht Schulen teilnehmen.

Als hochbegabt gelten Kinder, die einen Intelligenzquotienten (IQ) von 130 und mehr haben. Doch diese Festlegung schließt schon viele Begabte aus, erklärt Perleth: „Im IQ-Test muss man in allen Bereichen gute Leistungen erbringen, um einen hohen Wert zu erzielen. Kinder, die nur auf einem bestimmten Gebiet außerordentliche Leistungen zeigen, fallen damit raus.“

Hoher IQ ist keine Erfolgsgarantie

Zudem sei der IQ kein Garant für Erfolg: „Dazu gehört auch Motivation, Durchhaltevermögen und das richtige Umfeld“, betont der Fachmann. „Wer seine Begabung verkümmern lässt, fällt nach fünf Jahren vielleicht wieder zurück.“ Das Lernumfeld werde auch durch die materielle Ausstattung geprägt, die wiederum vom Geld abhänge. „An einer eher armen Uni wie Rostock wird es sicher schwer, einen Nobelpreis in Physik zu gewinnen“, meint Perleth.

Um Hochbegabte zu erkennen, müsse daher auch mit den Eltern geredet werden, ob ihnen bei ihrem Kind möglicherweise aufgefallen ist, dass es besonders redegewandt ist, ob es Fragen stellt, die Kinder in diesem Alter vielleicht sonst nicht stellen, oder ob es sich bei bestimmten Themen besonders engagiert zeigt. Das Rostocker Institut kooperiert mit den Schulämtern auch bei der Diagnostik, indem Studenten der Sonderpädagogik die Schulpsychologen unterstützen, die in jedem Schulamtsbezirk Eltern wie auch Lehrer beraten.

Linke: Hochbegabte fallen durchs Raster

Für Simone Oldenburg, Bildungsexpertin und Fraktionschefin der Linken im Schweriner Landtag, gibt es beim Erkennen von Kindern mit Förderbedarf in MV Defizite: „Begabte und hochbegabte fallen fast genauso oft durch das Bildungsraster wie Kinder mit Förderbedarf. Hier muss wesentlich individueller gefördert werden.“ Das bisherige System sei zu starr. „Immer noch erwartet man von den Kindern und Jugendlichen, dass sie sich an das System anpassen, statt das System endlich den sich verändernden Bedingungen anzupassen“, so Oldenburg. Dafür brauche es auch mehr Schulstunden und Lehrkräfte.

Vier Sprachen gleichzeitig gelernt

Neben dem Programm „Leistung mach Schule“ gibt es in MV auch noch 14 sogenannte Profilschulen mit besonderen Bildungsangeboten in den Bereichen Humanistische Bildung/Alte Sprachen, Niederdeutsch und Mathematik/Naturwissenschaften (MINT). Eine davon ist die CJD Christophorusschule in Rostock, wo es eine Hochbegabtenklasse gibt. Regine Schütt koordiniert dort seit 2010 die Hochbegabtenförderung und hat viele kleine Genies begleitet: „Eine Schülerin war enttäuscht, dass der Lehrplan nur zwei Fremdsprachen vorsieht. Sie konnte bei uns ab der siebten Klasse vier Sprachen gleichzeitig lernen und hatte am Ende in allen eine Eins.“

Andere Hochbegabte überspringen laut Schütt bereits in der Grundschule eine oder zwei Klassen. „Es ist schon erstaunlich, wenn Kinder, die eigentlich in der dritten Klasse wären, in der fünften sitzen und da ganz normal mitkommen. Da passen oft nicht mal die Stühle richtig.“ Die Gefahr sei allerdings, dass Kinder, die Klassen überspringen, keine gleichaltrigen Freunde finden und als Streber abgestempelt werden. Daher werden in den Begabtenklassen mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichtet. „Und da darf man auch mal streben“, findet Schütt.

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