Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Höher als der Kölner Dom: In Rostock geht neuer Riesen-Kran in Betrieb
Nachrichten MV aktuell Höher als der Kölner Dom: In Rostock geht neuer Riesen-Kran in Betrieb
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:34 16.08.2019
Hoch hinaus: Der TCC 7800 ist einer größten landgebundenen Hafenkräne der Welt. Am Freitag ging er offiziell in Betrieb. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Rostock

Im größten Hafen von Mecklenburg-Vorpommern können ab jetzt besonders schwere Sachen über die Kaikanten gehen. Der Rostocker Kranhersteller Liebherr schaffte dafür die nötigen Voraussetzungen, indem er am Freitag im Seehafen der Hansestadt einen neuen Super-Kran in Betrieb nahm. Der grau-weiß-rot lackierte Riese trägt den nüchternen Namen „TCC 78000“, er gilt als einer größten seiner Art weltweit. Maximal 164 Meter kann sich der Ausleger des Portalkrans in die Höhe strecken. Bei geringeren Höhen kann er bis zu 1600 Tonnen schwere Lasten emporheben. Für einen großen Aktionsradius sorgen die Gleise, auf denen er steht – wegen des enormen Gewichts sind es gleich zwei Schienen auf jeder Seite. Die Abkürzung „TCC“ steht für Travelling Cargo Crane, also „mitfahrender Frachtkran“, 78000 ist die Typennummer.

Bohrinseln in einem Stück anheben

„Dieser Kran spielt im Rahmen der Energiewende eine große Rolle“, sagte Patricia Rüf, Enkelin des Firmengründers Hans Liebherr, die zur offiziellen Inbetriebnahme aus der Schweizer Konzernzentrale an die Ostsee gekommen war. Andere, in Rostock gebaute Großkrane sollen ausgediente Bohrinseln von ihren Fundamenten ziehen und für den Abtransport vorbereiten – in einem Stück. Damit entfällt das langwierige und umweltverschmutzende Zerlegen der alten Plattformen auf hoher See. Außerdem sollen die Rostocker Hochhebe-Giganten besonders große Offshore-Windräder auf See errichten. „TCC 78000“ spielt dabei eine Schlüsselrolle, er ist sozusagen der Vorbereiter: Mit seiner Hilfe lassen sich die künftigen Riesenkräne – beziehungsweise deren nicht gerade kleine Bestandteile – auf Schiffe heben und montieren.

Den Anfang macht der neue Offshore-Kran „HLC 295000“, der noch dieses Jahr im Rostocker Seehafen auf das Spezialschiff „Orion“ gehoben und zusammengeschraubt werden soll. Das Schiff wird zurzeit in China für ein belgisches Unternehmen gebaut. Dieser Kran ist noch viel stärker als sein nicht gerade kleiner Verwandter im Rostocker Hafen: Lasten von bis zu 5000 Tonnen soll „HLC 295000“ in die Luft befördern können. Damit wird er der leistungsstärkste Kran sein, den Liebherr bislang gebaut hat. Sein Hauptausleger erreicht in der Höhe bis zu 180 Meter, das sind noch 23 Meter mehr als die Spitze des Kölner Doms.

Neue Landmarke für Rostock

Den würde der kleinere „TCC“ ebenfalls überragen. Als neue Landmarke hat er – zumindest von See aus betrachtet – die Rostocker Silhouette schon jetzt verändert, waren sich die Gäste der Festveranstaltung einig. Er ist zwar höher als die Petrikirche (117 Meter), aber nicht das höchste Bauwerk der Stadt. Dieser Ehrentitel bleibt dem 2014 errichteten Fernsehsendemast vorbehalten. Wie auch immer: „Es ist der höchste Leuchtturm, den wir hier in der Gegend haben“, sagte Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung. Zwei Jahre dauerte der Bau, in den Liebherr 45 Millionen Euro investierte. Zusätzlich flossen 5,4 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln in das Vorhaben. Bei der offiziellen Inbetriebnahme zog der Kran eine überdimensionierte Liebherr-Fahne 120 Meter hoch in die Luft – was überraschend schnell vonstattenging. Deutlich langsamer ging es danach zu, als „TCC“ seine enorme Kraft mit einem mehrere hundert Tonnen schweren Bauteil vorführte – mit ziemlich gemächlichen sechs Metern pro Minute schwebte das nach oben.

165 Meter hoch, 5500 Tonnen schwer: Mit dem neuen Schwerlastkran von Liebherr soll im Rostocker Seehafen eine neue Ära des Schwerlast-Umschlags im Rostocker Seehafen beginnen.

Bedeutender Arbeitgeber

Der mächtige Kran bietet auch neue Perspektiven für den gesamten Hafen, sagte dessen Geschäftsführer Gernot Tesch. Dank ihm könnten neue Aufträge für die Verladung besonders schwerer Güter in die Hansestadt kommen. Man sei gerne bereit, bei der Auslastung des neuen Krans zu helfen, so Tesch. Sogar neue Unternehmensansiedlungen seien möglich. Tesch lobte zu diesem Anlass die rasante Entwicklung des Rostocker Liebherr-Werks. Wo jetzt der größte Werkhallen-Komplex von Mecklenburg-Vorpommern steht, befand sich vor 15 Jahren das Pier 3, auf dem Erz umgeschlagen wurde und größtenteils Wasser. Große Teile des Bodens wurden extra für die Ansiedlung aufgeschüttet. Mit Liebherr habe die Wiederbelebung der Rostocker Industrie einen großen Schritt gemacht, sagte Tesch. Das Unternehmen (1600 Mitarbeiter in Rostock) sei „ein Schwergewicht des verarbeitenden Gewerbes im Land und einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Region“, sagt Wirtschaftsminister Glawe.

Mehr über den Autor: Gerald Kleine Wördemann

Von Gerald Kleine Wördemann

Balladensänger Wolfgang Lippert trägt bei den Störtebeker Festspielen erstmals drei Rock-Hits aus der DDR vor. Der Sänger und Geschäftsführerin Anna-Theresa Hick erzählen, wie es dazu kam, welche Widerstände zu überwinden waren und was die Lieder für das Stück und das Publikum bedeuten.

16.08.2019

Der Fahrer eines Stadtbusses in Neubrandenburg ist am Freitag auf einen weiteren Bus aufgefahren. Dieser kam verkehrsbedingt zum Stehen. Passagiere waren zu diesem Zeitpunkt nicht in den Busses, es entstand jedoch ein hoher Sachschaden.

16.08.2019

Das Bündnis „Sogenannte Sicherheit“ ruft am Sonntag in Rostock zur Demonstration gegen das geplante Sicherheits- und Ordnungsgesetz (SOG) des Landes auf. Es kann zu Straßensperrungen kommen. Die Veranstalter rechnen mit 350 Demonstranten, die Polizei geht von weit mehr aus.

16.08.2019