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MV aktuell Hotel-Boom in MV: Wie viele Urlauber verträgt unser Land?
Nachrichten MV aktuell Hotel-Boom in MV: Wie viele Urlauber verträgt unser Land?
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15:01 17.08.2019
Voller Strand in Heringsdorf: In vielen Orten in MV werden weitere Hotels für Touristen gebaut. Naturschützer sehen das kritisch, einige Touristiker plädieren nur noch für qualitativ höherwertigen Ausbau. Quelle: Norbert Fellechner
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Rostock

Hotel-Boom an der Ostseeküste: In vielen Orten wachsen weitere Bettenburgen, dabei liegt die Bettenzahl in MV bereits auf Rekordniveau. Kritikern ist das längst zu viel.

Der Markt brummt: Allein in den zurückliegenden fünf Jahren hat sich die Zahl der Betten im Tourismus laut Wirtschaftsministerium MV-weit um 50 000 auf knapp 325 000 erhöht. Auch die Zahl der Vermieter wächst beständig – auf aktuell knapp 3400. Der Trend soll weitergehen. Allein in Boltenhagen sind vier neue Hotels geplant – über 1000 neue Betten denkbar.

Weitere Beispiele: ein Gesundheitshotel der Marke „Santé Royal“ in Göhren (250 Betten), ein Tagungshotel in Plau am See (34). In Groß Nemerow am Tollensesee werde das Hotel Bornmühle um 67 auf 186 Betten erweitert, heißt es aus dem Ministerium. In Rostock sollen bald zwei B&B-Häuser und ein Kunsthotel entstehen – Gesamtbettenzahl: fast 550. In Wismar sei ein Radisson-Haus (rund 200 Betten) geplant, in Waren (Müritz) ein Resort mit 184 Ferienwohnungen. Allein 3500 neue Betten seien ab 2022 mit Fertigstellung der Prora-Blöcke auf Rügen vorgesehen.

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Touristiker für mehr Qualität – Minister für Zuwachs

Genug! So lautet das Signal einiger Touristiker. In den Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck auf Usedom etwa sehe er „keinen weiteren Bedarf“, so Kurdirektor Thomas Heilmann. Er warnt davor, dass Einwohner „nicht mehr ihren Ort haben“. Auch Ulrich Langer, Tourismuschef in Kühlungsborn, reichen die Hotels. Ausnahme: Innovatives. In Rostock heißt es: qualitatives Wachstum gern.

„Wir haben genug Kapazität“, erklärt Tobias Woitendorf, Tourismusverband MV. Nur müsse an vielen Stellen die Qualität verbessert werden. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) dagegen setzt weiter auf Wachstum. MV gehöre zu den führenden Urlaubsregionen Deutschlands. „Diese Position wollen wir halten und ausbauen.“ Raphael Wardecki (Grüne), Boltenhagens Bürgermeister, erklärt: Hotel-Ausbau ja, aber nur wenn auch Verkehrsprobleme und fehlende Freizeitangebote korrigiert werden. Und: Der Ort müsse sich seinen grünen Charakter bewahren.

Kommentar:
Nur immer neue Hotels reichen nicht

Naturschützer: mehr Touristen, mehr Auto-Lawinen

Protest gegen mehr Hotels kommt von Naturschützern. Als „besonders problematisch“ sieht Corinna Cwielag, Bund für Umwelt und Naturschutz, Bauten auf der grünen Wiese. Folgen wären „mehr Druck auf Küste und Seen“ und „Verkehrslawinen“. Noch mehr Wassersportler würden sensible Vogelbrutgebiete erheblich stören. Dies sei zum Beispiel in der Wismarbucht zu beobachten.

Dennoch wächst der Tourismusmarkt in MV weiter. Bis zu zehn Prozent mehr Übernachtungen verzeichnete die Branche von Januar bis Mai gegenüber dem Rekordjahr 2018 mit insgesamt 30,9 Übernachtungen. Auf dem Niveau werde auch der Juni sein, so Woitendorf. Allerdings seien die Zahlen schwer vergleichbar, da seit August 2018 mehr Vermieter für Statistiken melden. Mehr Qualität fordert auch ein Konzept, das Glawe Ende 2018 vorstellte. Bis heute sei aber wenig geschehen, heißt es aus der Branche. Erste Schritte: ein Förderprogramm für Personalwohnraum von Firmen, Neubewertung von Kur- und Erholungsorten, ein WLAN-Programm für 234 Tourismusorte.

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Von Frank Pubantz

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