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MV aktuell Hunderte Ferkel nach Einbruch tot
Nachrichten MV aktuell Hunderte Ferkel nach Einbruch tot
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15:10 09.01.2019
Ferkel sitzen in einem Schweinezucht-Betrieb. Quelle: dpa
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Gülzow

Nach dem Tod von Hunderten jungen Schweinen in Gülzow bei Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) ermittelt die Polizei wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Hausfriedensbruch. Wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch erklärte, sollen die 416 Ferkel in der Nacht zum 23. Dezember bei einem Einbruch in den Zuchtbetrieb erstickt sein. Nur zwölf Tiere überlebten. „Es war schon der zweite Einbruch in unsere Anlagen, ich war fix und fertig“, sagte Betriebsleiter Helmut Peters. Er habe das Ganze der Versicherung gemeldet und auf deren Anraten später die Polizei informiert. Bei der Polizei in Neubrandenburg war die Anzeige erst an diesem Dienstag eingegangen, rund zwei Wochen nach dem Vorfall.

400 Ferkel erstickt

Nach den bisherigen Ermittlungen sollen die Einbrecher über den Zaun gestiegen sein und eine Tür des Stalles aufgehebelt haben. Danach wurde im Stallbereich der Strom am Hauptschalter abgestellt. „Wenn es ein Defekt oder Stromausfall über den Versorger gewesen wäre, hätten wir eine Alarmmeldung auf das Mobiltelefon bekommen“, sagte Peters, der insgesamt rund 3200 Schweine in dem Ferkelzuchtbetrieb hat. Durch den fehlenden Strom seien Heizung und Klimaanlage ausgefallen und die acht Wochen alten Ferkel, die ein Gewicht von etwa 22 Kilogramm hatten, verendet. „Wir wollten sie gerade verkaufen.“

Schon zweiter Einbruch

Ein Techniker habe die Manipulation später festgestellt. Der Zuchtbetrieb mit sieben Beschäftigten verfügt über Sauen und Schweine unterschiedlicher Altersgruppen. Vom Stromausfall sei nur dieser Ferkelbereich in den Stallanlagen betroffen gewesen. Gestohlen wurde nach bisheriger Übersicht wohl nichts.

„Es war bereits der zweite Einbruch“, erläuterte Peters. Schon Ende 2017 seien Unbekannte über die beiden Zäune gestiegen, hieß es vom Betrieb. Damals seien auch mehrere Stalltüren geöffnet worden, so dass die Schweine vor Kälte rote Ohren bekamen. Danach hätten sich die Einbrecher im Pausenraum zu schaffen gemacht und Licht angelassen. Der Vorfall sei nicht aufgeklärt worden.

Schaden liegt bei 21000 Euro

Ein Sprecher des zuständigen Veterinäramtes sagte, der Betrieb sei erst Anfang Dezember kontrolliert worden. „Da waren die technischen Anlagen in Ordnung.“ Man hätte sich gewünscht, bei solchen Verlusten schneller von dem Züchter informiert zu werden, es gebe aber keine Pflicht dafür. Der Betrieb hat die toten Tiere bereits entsorgt und den Schaden auf 21 000 Euro geschätzt.

„Es war aber sehr schwierig, überhaupt jemanden bei der Entsorgungsfirma zur Weihnachtszeit zu bekommen“, berichtete der 63-jährige Peters, der seit 26 Jahren diesen Betrieb führt. Er mag noch immer nicht wieder in den betroffenen Stallbereich gehen: „Da sehe ich gleich wieder die Bilder mit den toten Tieren vor mir.“ Von der Versicherung habe er noch keinen Bescheid, ob der Schaden ausgeglichen werde.

Ställe brauchen Strom

Nach Angaben von Jörg Brüggemann vom Schweinekontroll- und Beratungsring MV ist die Ferkelmast in großen Ställen sehr abhängig von der Stromversorgung: „Die Lüftungssysteme sind elektrisch gesteuert. Wenn sie ausfallen, kann das schnell zum Problem werden.“ Der Sauerstoffgehalt sinke, gleichzeitig steige die Konzentration von Ammoniak aus den Ausscheidungen der Tiere. Am Ende erstickten die Tiere. Bei kleineren Ställen wie etwa auf Öko-Betrieben könnten die Tiere durch Auslauf oder Fenster Frischluft bekommen. „Eine Fleischproduktion in großem Maßstab wäre so aber nicht möglich“, sagt Brüggemann. Allerdings würden neu gebaute Ställe über ausreichend Fensterfläche verfügen.

Burkhard Roloff, Agrarexperte beim Umweltschutzverband BUND, wollte nicht auf den konkreten Fall eingehen, meinte aber grundsätzlich: „Je mehr Tiere man ohne Auslauf einsperrt, desto abhängiger wird man von einer funktionierenden Technik. In einem Stall mit ständiger Auslaufmöglichkeit wäre so etwas nicht passiert.“ Wenn Tiere stärker Umweltreizen wie Sonne und Regen ausgesetzt werden, seien sie auch robuster und seltener krank, so Roloff.

Winfried Wagner und Axel Büssem