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Ich verkauf’ dir ein Schloss: Das ist der Gutshaus-Makler von MV

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14:00 02.02.2020
Gutshaus-Makler Manfred Achtenhagen hat sich auf historische Immobilien spezialisiert. Auch für das Gutshaus in Breechen zwischen Jarmen und Gützkow sucht er einen neuen Eigentümer. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Greifswald

Der Stein des drohenden Anstoßes begeistert. „Das wäre ein doch ein wundervoller Weinkeller“, schwärmt Manfred Achtenhagen, als er sich geduckten Hauptes in die dunklen Tiefen des Gewölbes vortastet. Was sich wie ein Flitzebogen zwei Fingerbreit entfernt über seinem Kopf aufspannt, liegt unter einem Schatz versteckt, für das Achtenhagen einen Liebhaber sucht: Das Gutshaus Breechen, 20 Kilometer südlich von Greifswald gelegen, steht seit vielen Jahren leer. „Wer es kauft, kann Geschichte fortschreiben.“

Mit solchen Sätzen bewirbt Manfred Achtenhagen ein Erbe, das, sollte er keine Retter finden, für alle Zeit verloren wäre. Der Mecklenburger hat sich vor zehn Jahren auf die Vermittlung von Landschlössern und Herrenhäusern spezialisiert. Ob pompös oder ruinös – wer zwischen Elbe und Ostsee eine Immobilie mit Geschichte kaufen will, wendet sich an ihn.

Von ruinös bis pompös: 10 Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern, die zum Verkauf stehen

Das Portfolio des Maklers ist vielfältig und reicht von der „für ’n Appel und ’n Ei“ zu habenden Bruchbude bis zum restaurierten Prachtbau mit hohem sechsstelligen Kaufpreis. Das Gutshaus Breechen ist für 165 000 Euro zu haben. Wer die Summe aufbringt, bekommt 17 Räume auf zwei Ebenen, einen Wirtschaftsanbau und besagten, 100 Quadratmeter großen Gewölbekeller.

Manfred Achtenhagen klettert zurück ans Tageslicht in die einstige Küche, greift zur Türklinke – zack – schon hält er den Drücker in Händen. Nein, da gibt es nichts zu beschönigen: Das Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Gutshaus hat seine Glanzzeit hinter sich. Sein einstiger Charme lässt sich erahnen, der Lack aber ist ab, buchstäblich: Farbe blättert in handtellergroßen Schuppen von der Fassade und manchen Innenwänden. In der Beletage blitzt Fischgrätparkett durch bröselnden Betonboden, Lehmziegel liegen frei. „So gibt es wenigstens keine bösen Überraschungen“, sagt Achtenhagen, „Hier kannst du überall die Bausubstanz sehen. Und die ist für das Alter des Hauses erstaunlich gut.“

Fotostrecke: So sieht das Gutshaus Breechen bei Greifswald innen aus

Historische Immobilie bei Greifswald: So sieht es im Gutshaus Breechen aus

Dass der Originalgrundriss nach etlichen Umbauten in den vergangenen Jahrzehnten fast wiederhergestellt ist, liegt an der aktuellen Eigentümerin. Sie hat die meisten Bausünden entfernt, will das Gutshaus nun aus verschiedenen Gründen verkaufen. Mit Manfred Achtenhagens Hilfe.

Klientel ist bunt gemischt

Als Nachfolger kommen die unterschiedlichsten Menschen infrage: Bei Achtenhagen kaufen solvente Mittfünfziger, die stressigen Metropolen und dem beruflichen Hamsterrad entfliehen wollen, aber auch idealistische Aussteiger – meist weniger gut betucht – sowie Künstler und Handwerker mit Hang zur Selbstverwirklichung. Bei letzteren drei Gruppen ist „der Weg das Ziel“, sagt der Makler.

Um sich beim Ruinensanieren nicht selbst zu ruinieren, sei Zeit der wichtigste Faktor. „Hast du keine, wird alles teuer und du musst leidensfähig sein“, sagt Achtenhagen. Kapital kann auch nicht schaden. Wer ein Mecklenburger Gutshaus sanieren will, müsse 1000 bis 1500 Euro veranschlagen – pro Quadratmeter Nutzfläche wohlgemerkt. „Die Häuser haben im Schnitt 1000 Quadratmeter. Da kann man sich ausrechnen, was das kostet“, sagt Achtenhagen.

Der ganze Stolz des Gutshaus-Maklers: In Ludorf am Westufer der Müritz hat sich Manfred Achtenhagen zusammen mit seiner Frau den Traum von einem Hotel in historischen Mauern erfüllt. Quelle: Christin Druehl

Der Makler ist Vorsitzender des Vereins der Schlösser, Guts- und Herrenhäuser in MV und liebt Gemäuer mit Geschichte. So sehr, dass er sich vor 22 Jahren selbst eines zulegte. Das 1698 im Stil der dänischen Klinkerrenaissance erbaut Gutshaus Ludorf am Westufer der Müritz wird heute von Manfred Achtenhagens Frau Keril als Romantik-Hotel geführt.

Landesweit warten hingegen gut 300 Häuser noch darauf, aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu werden. Auf ihnen lasten schwere Hypotheken: Die Treuhand hat sie von ihren Ländereien getrennt, hinzu kommt die bei Immobilienkäufern weniger begehrte Lage im Binnenland. Zudem sei mit solchen Objekten keine Rendite zu erzielen, dämpft Manfred Achtenhagen die Hoffnung von Spekulanten. Bezahlt mache sich der Kauf nur für jene, die mit den Bauten etwas anzufangen wüssten. „Wenn du keine Nutzung dafür hast, kriegst du Probleme.“

Landpartie zu Luxushäusern

Das in Rechlin an der Müritz gelegene Schloss Retzow zählt zu den Immobilien, für die Manfred Achtenhagen einen neuen Besitzer fand. Quelle: Gutshaus-Makler

Was sich aus Gutshäusern machen lässt, zeigt er seinen Kunden gerne. Bei einer Landpartie. Die führt auch an Häusern vorbei, denen Manfred Achtenhagen zu zweiter Blüte verhalf. Dazu zählt das südlich der Müritz gelegenen Schloss Retzow. Das ist vor wenigen Jahren gewissermaßen aus Ruinen auferstanden und zählt heute zu den imposantesten Prachtbauten im Land. Weil Manfred Achtenhagen im dänische Geschäftsmann Lars Fogh einen Investor fand, der den einstigen Adelssitz mit Liebe zum Detail restauriert.

Dutzende Immobilien hat Achtenhagen vermittelt. Viel öfter verteilt er Absagen. Auch, wenn ihm dadurch Provisionen entgehen: Rund 90 Prozent der Interessenten, die sich an ihn wenden, rate er vom Kauf ab. „Es wäre weder gut für den Menschen noch für das Haus.“

Diesen Luxus kann sich Achtenhagen leisten, genug Geld nimmt er mit dem Gutshaus Ludorf ein. „Ich muss den Maklerjob nicht machen.“ Dass er ihn ausübt, liegt auch an seiner Leidenschaft fürs Wiedererwecken. Als Projektleiter begleitet er auf Wunsch die Sanierung vermittelter Immobilien und darf sich gestalterisch einbringen. Wenn’s gut läuft. Mancher Eigentümer sei beratungsresistent und „hat einen schrecklichen Geschmack“, bedauert Achtenhagen.

Schlechter Geschmack? Schlecht fürs Geschäft

Erblickt der Makler ein verschandeltes Schmuckkästchen, schmerzt das nicht nur in Aug’ und Seele. Es ist auch schlecht fürs Geschäft. Denn Häuser, die potenziellen Käufern keine Gestaltungsräume mehr bieten, seien oft schwer vermittelbar, sagt Achtenhagen.

Platz für Ideen bietet das Gutshaus Breechen reichlich. Trotzdem ist es schon eine Weile in Achtenhagens Portfolio. Einem Dutzend Interessenten hat er das Objekt gezeigt, zwei wollen kaufen: ein Landwirt, der mit Frau und fünf Kindern hier leben will, und ein Nordrhein-Westfale, der die Zimmer zu Ferienappartements umbauen möchte. Manfred Achtenhagen ist optimistisch, dass es bald zum Vertragsabschluss kommt.

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