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MV aktuell „Ich will mich nicht verstecken“
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00:00 27.02.2018
Rückkehr- beraterin Antje Hübner spricht mit Artur Tatevosyan über beantragte Hilfen. Tatevosyans Asylantrag wurde abgelehnt. Quelle: Foto: Stefan Sauer
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Stralsund. Seit einigen Wochen ist es amtlich: Artur Tatevosyan (33), der vor knapp drei Jahren mit seiner Mutter aus der Ukraine floh, muss wieder zurück in seine alte Heimat. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, eine Klage gegen die Ablehnung hat er zurückgezogen. „Mein Anwalt hat mir gesagt, dass ich keine Erfolgschancen habe“, erzählt der in Stralsund lebende Physiotherapeut. Am liebsten würde er in Deutschland bleiben. Er habe hier Freunde gewonnen, erfolgreich ein Praktikum absolviert, berichtet er in gebrochenem Deutsch. Doch er wolle die Entscheidung der deutschen Behörden respektieren, auch wenn sie schmerzhaft sei.

Abtauchen und illegal in Deutschland bleiben – wie es andere abgelehnte Asylbewerber tun – wolle er nicht. Nicht nur weil er entdeckt werden könne. „Ich will mich nicht verstecken“, sagt er. Vor allem wolle er sich die Chance auf eine legale Zukunft in Deutschland nicht verbauen. Abgeschobenen Asylbewerbern droht laut Aufenthaltsgesetz ein Wiedereinreiseverbot von bis zu 32 Monaten. Artur Tatevosyan hat sich deshalb für eine freiwillige Rückkehr in die Ukraine entschieden – so wie 566 Asylbewerber im Jahr 2017 in MV.

Knapp 3000 Asylanträge sind laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im vergangenen Jahr in MV abgelehnt worden. „In den letzten vier Jahren mussten um die 50 Prozent der geplanten Abschiebemaßnahmen storniert werden. Diese Quote ist für die Landesregierung nicht zufriedenstellend“, sagt eine Sprecherin des Innenministeriums. Häufigste Ursachen für ein Scheitern seien der Umzug an eine unbekannte Adresse, starke Gegenwehr bei der Abholung oder am Flughafen, unvollständige Papiere, Kirchenasyl, medizinische Gründe oder die Unvollständigkeit des Familienverbandes.

„Eine Abschiebung ist eine Belastung für alle Beteiligten“, berichtet Regina Juchheim, Fachgebietsleiterin für Ausländerangelegenheiten im Landkreis Vorpommern-Rügen, von ihren Erfahrungen. Im Beisein der Polizei klingeln Mitarbeiter der Ausländerbehörden des Kreises an den Türen der Betroffenen, auch mal nachts. Eine bis anderthalb Stunden hätten diese dann Zeit, um die Sachen zu packen, sich zu verabschieden. „Da spielen sich häufig menschliche Dramen ab“, sagt Juchheim. Dennoch: „Eine Abschiebung kommt nie überraschend.“ Seit 1. Januar beschäftigt der Kreis als erster im Land eine hauptamtliche Rückkehrberaterin, die Asylbewerber berät und über Fördermöglichkeiten bei einer freiwilligen Rückreise informiert. Die Beratung ist zwar bundesweit verbindlich, doch dass sich ein Mitarbeiter ausschließlich nur um Rückkehrer kümmert, ist ein Novum, wie Kreissprecher Olaf Manzke sagte.  

„Die freiwillige Rückkehr ist immer besser als die Abschiebung“, sagt Rückkehrberaterin Antje Hübner. Sie garantiere den Betroffenen zum einen eine geordnete und menschenwürdige Ausreise und eröffne ihnen neue Chancen und Perspektiven in ihrem Heimatland. In Einzelberatungen in der Behörde oder in Gemeinschaftsunterkünften informiert Hübner ausführlich über die Hilfsprogramme.

Arturs Mutter Irina, deren Asylantrag ebenfalls abgelehnt wurde, lebt inzwischen wieder in der Ukraine. Sie reiste im vergangenen Jahr zurück nach Charkovskaya nahe der russischen Grenze. Viele Tränen seien beim Abschied geflossen, sagt Artur.

2991 Asylanträge abgelehnt

Laut Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wurden 2017 in MV 2991 Asylanträge abgelehnt. Nach Angaben des Landesamtes für innere Verwaltung wurden im gleichen Zeitraum 497 abgelehnte Asylbewerber abgeschoben, dies ist nur die Hälfte derjenigen, die tatsächlich abgeschoben werden sollten.

Artur Tatevosyan kann auf eine Starthilfe in Höhe von bis zu 800 Euro, einen Wohnzuschuss in Höhe von bis zu 1500 Euro und die Übernahme der Rückreisekosten hoffen.

Martina Rathke

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