Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Schon wieder illegales Autorennen: Wird MV zur Transitstrecke für internationale Raser-Szene?
Nachrichten MV aktuell Schon wieder illegales Autorennen: Wird MV zur Transitstrecke für internationale Raser-Szene?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 19.07.2019
Wegen des Verdachts auf ein illegales Autorennen auf der A20 wurden im Mai Dutzende Autos von der Polizei auf der Raststätte Fuchsberg östlich von Wismar kontrolliert. Sie sollen mit Geschwindigkeiten von um die 250 Kilometer pro Stunde über die A20 gerast sein. Quelle: dpa
Anzeige
Rostock

Schon wieder hat ein illegales Autorennen im Nordosten für Wirbel gesorgt. Erst Anfang Mai und vor gut 14 Tagen hatte die Polizei auf den Autobahnen des Landes mit spektakulären Einsätzen Raser gestoppt. „Es hat den Anschein, dass MV zu einer Art Transitstrecke für die internationale Raserszene wird“, erläutert Yvonne Hanske, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock.

Am Freitagmorgen nun wurden die Anwohner im Bereich Schwaan (Landkreis Rostock) von röhrenden Motoren unsanft aus dem Schlaf gerissen. „Gegen drei Uhr vernahmen Bürger laute Geräusche. Sie informierten uns, dass sich zwei Autos ein Rennen lieferten“, erklärte Gert Frahm von der Polizeiinspektion Güstrow. Neun Streifenwagen wurden eingesetzt.

Galerie: Mehr als hundert Sportwagen nach Rennen in MV festgesetzt

Mehr als 100 Sportwagen, die mit Geschwindigkeiten von um die 250 Kilometer pro Stunde über die Autobahn 20 in MV rasen, sind ins Visier der Polizei geraten. Bei der Raststätte Fuchsberg östlich von Wismar sind rund 40 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen worden.

BMW touchiert Streifenwagen

Deren Besatzungen kontrollierten Schwaan sowie die umliegenden Dörfer und richteten Kontrollpunkte ein. An einem dieser Punkte in der Kleinstadt ignorierte der Fahrer eines BMW das Anhaltesignal. Er gab Gas, umfuhr den Streifenwagen auf dem Gehweg und streifte das Polizeifahrzeug.

Gegen 4.30 Uhr dann wurden die Ordnungshüter fündig. Sie entdeckten den BMW auf einem Acker bei Wiendorf – etwa 3,5 Kilometer von Schwaan entfernt. Zuvor hatten die Polizisten im Ort einen vermeintlichen Insassen des Fahrzeugs in Gewahrsam genommen. „Ob es sich bei dem alkoholisierten 20-Jährigen um den Fahrer handelt, muss die kriminaltechnische Untersuchung zeigen“, so Frahm.

Ein zweites beteiligtes Fahrzeug konnte indes bei der von einem Polizeihubschrauber unterstützten Suche nicht entdeckt werden. Die Kriminalpolizei ermittelt unter anderem wegen eines verbotenen Rennens und unerlaubten Entfernens vom Unfallort.

Raserszene in Güstrow und kriminelle Subkultur in Städten

Der Vorfall am Freitag stellt indes keinen Einzelfall im Nordosten dar. „Im vergangenen Jahr hatten wir in und um Güstrow größere Probleme mit illegalen Straßenrennen“, verdeutlicht Frahm. Durch verstärkte Kontrollen sei es gelungen, viele dieser gefährlichen Eingriffe in den Straßenverkehr bereits im Vorfeld zu stoppen. In einem der Fälle kam es trotzdem zu einem Unfall. Die entsprechende Raser-Szene in Güstrow ist den Ermittlungsbehörden bekannt.

Illegale Wettrennen werden seit einigen Jahren verstärkt in Deutschland ausgetragen. Vor allem in den Großstädten ist die Raser-Szene aktiv. Experten sprechen von einer kriminellen Subkultur. So gab es beispielsweise allein in Berlin seit Jahresbeginn 104 Strafverfahren. In Nordrhein-Westfalen verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 474 illegale Autorennen, das waren vierzig Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Unfälle, die dabei passieren, hat sich demnach mehr als verdoppelt.

Rostock Polizei stoppt Raser und Drängler mit Videowagen Quelle: Dietmar Lilienthal

Des Mordes schuldig

Seit 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren drohen den Beteiligten. Die Debatte darüber wurde kürzlich befeuert durch ein Gerichtsurteil, das zwei junge Autofahrer des Mordes für schuldig befindet. Sie hatten sich ein illegales Rennen auf dem Berliner Kurfürstendamm geliefert und dabei einen Unbeteiligten totgefahren.

Bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe

Unter den Straftatbestand illegale Autorennen fallen laut ADAC Hansa das unerlaubte gegeneinander Fahren auf einer längeren Strecke, das Beschleunigungsrennen von Ampel zu Ampel und das Rennen alleine gegen die Uhr. Wer deshalb verurteilt wird, dem wird in der Regel die Fahrerlaubnis entzogen. Zudem kann das Tatfahrzeug eingezogen werden. Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahre oder eine Geldstrafe drohen, wenn jemand ein illegales Autorennen ausrichtet oder durchführt, daran teilnimmt oder mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen.

Mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe muss derjenige rechnen, wer dabei fahrlässig andere Menschen oder Gegenstände von bedeutendem Wert gefährdet. Handelt derjenige vorsätzlich, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Werden bei illegalen Rennen Menschen getötet oder schwer verletzt, beträgt die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre!

Aktivitäten der internationalen Raserszene

Zu einem besonderen Problem in MV könnten indes Aktivitäten der internationalen Raserszene werden. Yvonne Hanske erinnerte an den Stopp von insgesamt 127 Boliden durch hiesige Einsatzkräfte Anfang Mai auf der A 20 östlich von Wismar und bei Grimmen. Die Teilnehmer der von Oslo nach Prag führenden „Eurorally“, die durch hohes Tempo und sehr aggressive Fahrweise aufgefallen waren, mussten einen Tag Zwangspause einlegen.

„Vor gut 14 Tagen haben wir erneut 40 Fahrzeuge eines ähnlichen Rennens aus dem Verkehr gezogen“, so die Pressesprecherin. Die Polizei des Landes habe die internationalen Aktivitäten der Raser im Blick. Man wolle diese mit dem verstärkten Einsatz von Kontrollkräften und speziellen Hilfsmitteln ausbremsen.

Spezielle Abschnitte werden beobachtet

Das bestätigt Claudia Tupeit vom Polizeipräsidium Neubrandenburg. Zwar seien in diesem Jahr noch keine entsprechenden Anzeigen aufgelaufen. „Das bedeutet aber keineswegs, dass es nicht zu gefährlichen Eingriffen in den Straßenverkehr kommt“, so die Sprecherin. Im Rahmen der Streifentätigkeit würden spezielle Abschnitte, etwa auf den Autobahnen, beobachtet. Gleiches gelte zum Beispiel für den Ring und die Ausfallstraßen in Neubrandenburg.

„Wir benötigen massive, durchgehende Kontrollen“, fordert Hans Pieper, Pressesprecher des ADAC Hansa. Er bewertet die Teilnahme an illegalen Rennen „als vorsätzlichen Mord“. Die Akteure müssten in jedem Fall vor Gericht gestellt werden, so Pieper.

Weiterlesen

Kommentar: Raser verdienen kein Pardon

Kommentar: Wahnwitzige Raserei auf deutschen Straßen

Verdacht auf illegales Autorennen – Ein Toter, drei Verletzte bei Hamburg

Volker Penne