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MV aktuell Sexueller Missbrauch von Kindern in MV: Immer mehr Fälle gemeldet
Nachrichten MV aktuell Sexueller Missbrauch von Kindern in MV: Immer mehr Fälle gemeldet
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18:24 04.09.2019
Die meisten Missbrauchsfälle passieren in der Familie. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Rostock

Die Zahl der gemeldeten Fälle von Kindesmissbrauch in MV steigt: Im Jahr 2018 wurden 387 Übergriffe bekannt, im Vorjahr waren es noch 318. Die Zahlen schwanken zwar, insgesamt ist jedoch in den letzten zehn Jahren eine Zunahme um fast zwei Drittel zu beobachten. Das geht aus der Antwort des Schweriner Sozialministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Darin fragte der sportpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Karsten Kolbe, gezielt nach Missbrauchsfällen im Sport. Diese werden jedoch laut Ministerium nicht gesondert erfasst.

Eine gewisse Brisanz verleihen dem Thema die aktuellen Ermittlungen gegen Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder: Dem 38-Jährigen wirdvorgeworfen, kinderpornografische Bilder verbreitet zu haben.

Gibt’s nicht stimmt nicht

„Sexualisierte Gewalt gegen Kinder gibt es in jedem Bereich der Gesellschaft“, betont Carsten Spies, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes MV. „Der Spruch ‚So etwas gibt’s bei uns nicht‘ stimmt einfach nicht.“ Im Sport werde Missbrauch immer noch stark tabuisiert, kritisiert die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg. „Es ist deshalb inakzeptabel, dass die Landesregierung keine Angaben zu konkreten Fällen machen kann. Das wäre im Interesse einer besseren Prävention unerlässlich.“

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Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) betont, in den Sportvereinen in MV sei in diesem Bereich in den letzten Jahren viel getan worden. Dies gelte jedoch vor allem für den Spitzensport, entgegnet Spies: „Je weiter man an die Basis kommt, desto schwieriger wird es.“ Es müsse sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche in jeder Situation, in der sie sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind, einen Ansprechpartner finden.

Auch Drese meint: „Ich wünsche mir, dass Prävention und Hilfen bei sexueller Gewalt gegen junge Sportlerinnen und Sportler flächendeckend bei allen Vereinen einen noch höheren Stellenwert bekommen.“ Klar sei aber auch, dass der Kampf gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe sei.

Dunkle Ecken werden beseitigt

Der Geschäftsführer des Landessportbundes MV, Torsten Haverland, meinte, sein Verband sei in diesem Bereich gut aufgestellt. Es seien sehr wenige Fälle im Land bekannt, „auch wenn jeder Fall einer zu viel ist“, betonte Haverland. Damit es erst gar nicht so weit komme, sei die Prävention gegen Missbrauch bereits Teil der Trainerausbildung.

Durch Baumaßnahmen würden dunkle Ecken in Vereinsheimen beseitigt und der Sichtschutz in Umkleidekabinen verbessert. „Von hauptamtlichen Trainern verlangen wir grundsätzlich ein polizeiliches Führungszeugnis, bei ehrenamtlichen empfehlen wir das den Vereinen“, erklärt Haverland. Zudem gebe es im Verband eine Vertrauensperson als Ansprechpartnerin für Kinder und Eltern.

Nicht nur Problem im Sport

Sexualisierte Gewalt sei kein spezifisches Problem im Sport, betont Michael Bock vom Bündnis Kinderschutz MV. „Die meisten Fälle passieren in der Familie.“ Zudem gebe es Risikofaktoren für Missbrauch nicht nur im Sport, sondern in allen Freizeitbereichen: „Die Täter sind oft alleine mit den Kindern und es gibt keine wirksame Kontrolle. Das findet man aber auch in der freiwilligen Feuerwehr oder auf dem Reiterhof.“

Wichtig sei vor allem, den Kindern zuzuhören, wenn sie von Missbrauch berichten: „Es gilt die Faustformel, dass ein Kind etwas sieben Mal sagen muss, bevor ihm geglaubt wird.“ In den letzten Jahren habe sich jedoch viel gebessert. „Es gibt nach wie vor eine hohe Dunkelziffer, aber es wird heute genauer hingeschaut und Kinder offenbaren sich eher.“ Er gehe daher davon aus, dass die gestiegenen Fallzahlen eher darauf hindeuten, dass mehr Fälle gemeldet werden und nicht, dass tatsächlich Kinder häufiger missbraucht werden.

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Von Axel Büssem

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