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MV aktuell Immer mehr Krankenscheine: MV besonders schlimm dran
Nachrichten MV aktuell Immer mehr Krankenscheine: MV besonders schlimm dran
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06:30 22.09.2018
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber.
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber. Quelle: Arno Burgi
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Rostock

Krankenlager statt Arbeitsplatz: Die Anzahl der Tage mit Arbeitsunfähigkeit nach Krankschreibungen in deutschen Unternehmen und Behörden ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen – auf fast 560 Millionen. Die Zunahme zwischen 2008 und 2016 beträgt über 60 Prozent, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium.

Beschäftigte im Nordosten fehlen öfter und länger als im Bundesdurchschnitt.

In Mecklenburg-Vorpommern werden die Menschen besonders lange und öfter krank als im Bundesdurchschnitt. Trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr belegt MV „mit 19,5 Fehltagen je Erwerbsperson den bundesweit traurigen Spitzenplatz“, erklärt Manon Austenat-Wied, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in MV. Statistisch gesehen waren die Beschäftigten im Nordosten vier Tage länger als im Bundesdurchschnitt (15,1 Fehltage) krankgeschrieben. Akute Infekte der oberen Atemege und Rückenbeschwerden waren 2017 die häufigsten Gründe für Krankschreibungen. Durchschnittlich fehlte jeder Beschäftigte aufgrund von Infekten 1,4 Tage und bei Rückenbeschwerden 1,9 Tage. Bundesweit sei MV in puncto Rückenbeschwerden der Spitzenreiter, sagt Manon Austenat-Wied.

Auch bei den in der AOK-Nordost versicherten Beschäftigten in MV ist ein Anstieg des Krankenstandes zu verzeichnen. Er betrug im letzten Jahr 5,8 Prozent (2011: 5,3 Prozent, 2015: 5,6 Prozent). „Auf jeden bei uns versicherten Beschäftigten entfielen im letzten Jahr durchschnittlich 21,3 Arbeitsunfähigkeitstage“, erklärt Markus Juhls, Pressereferent der AOK Nordost für die Region MV. Die meisten Krankschreibungen entfielen auf Erkrankungen der Atemwege (21 Prozent) sowie des Muskel-Skelett-Systems (16 Prozent). Die AOK arbeite in der Gesundheitsvorsorge mit vielen Unternehmen zusammen, etwa bei der Aktion „Gesundes Führen“.

Die Barmer in MV verzeichnet zwischen 2011 und 2017 eine leichte Zunahme der Krankheitstage. 2011 waren Arbeitnehmer in MV im Schnitt 19,96 Tage krankgeschrieben (2013: 20,5 Tage). Ab 2015 hätten sich die Fehlzeiten auf einem recht hohen Niveau eingependelt, erklärt Barmer-Landessprecherin Franziska Sanyang. 2017 fehlten Erwerbstätige krankheitsbedingt durchschnittlich 21,3 Tage. Das seien 21 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Vier Krankheitsarten seien maßgeblich für die Fehlzeiten der Erwerbstätigen in MV verantwortlich: Psychische Störungen, Krankheiten des Atmungssystems sowie des Muskel-Skelett-Systems und Verletzungen „machen in den letzten Jahren etwa zwei Drittel der Fehlzeiten aus“.

Laut Bundesgesundheitsministerium haben die volkswirtschaftliche Schäden durch den Anstieg der Krankentage um 75 Prozent zugenommen – 2016 betrug die Schadenssumme 75 Milliarden Euro.„Ein Anstieg der Krankheitstage durch Arbeitsverdichtung oder ähnliche Faktoren ist derzeit nicht belastbar festzustellen“, erklärt Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände für MV. Jeder Firmeninhaber werde darauf bedacht sein, dass das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter nicht zu erhöhtem Krankheitsstand führt. So würden Betriebe ihren Mitarbeitern unter anderem kostenlose Vorsorgeimpfungen gegen die zu erwartende Grippewelle Anfang 2019 anbieten.

Schmidtbauer Bernhard