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MV aktuell Immer mehr Menschen suchen Hilfe bei Beratungsstellen in MV
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09:03 25.07.2019
Eine Frau blickt am 21.11.2017 in einem Frauenhaus in Berlin aus dem Fenster. Quelle: Sophia Kembowski/dpa/Symbolbild
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Rostock

Immer mehr Menschen suchen in MV Hilfe bei gewalttätigen Übergriffen des Partners oder der Eltern. Knapp 4600 Menschen haben sich im vergangenen Jahr an die Beratungsstellen gewandt, über 400 mehr als im Vorjahr, sagt Sarah Kesselberg von der Koordinierungsstelle Cora der Beratungs- und Hilfsangebote. Noch nicht mitgezählt seien 380 mitbetroffene Kinder, deren Mütter Hilfe suchten, so dass sich der Anstieg auf 780 summiere.

„Allgemein ist zu sagen, dass es in den letzten Jahren eine kontinuierliche Steigerung der Fallzahlen gab. Das wird vom Beratungs- und Hilfenetz mit weitgehend gleicher personeller Ausstattung wie in den Jahren zuvor geleistet“, sagt Kesselberg.

Wer bezahlt Dolmetscher?

Bei ihrer Arbeit stoßen die Beraterinnen immer wieder auf Probleme, etwa bei der Finanzierung von Dolmetschern. Denn die Sprachmittler müssen von den Beratungsstellen selbst bezahlt werden: „Das übernimmt das Beratungs- und Hilfenetz aus seinen Sachkosten“, sagt die Koordinatorin.

In der Finanzierung des Landes sei nicht so viel Geld für Dolmetscher vorgesehen, wie tatsächlich gezahlt werden müsse. Das Geld fehle dann an anderer Stelle und im Extremfall könnten die Hilfesuchenden nicht beraten werden, weil keine Verständigung möglich ist.

Junge Fachkräfte werden gesucht

Schwierig sei auch die Personalsuche. Zwar hat die Landesregierung im vergangenen Jahr die Zuschüsse für Personalkosten um 4,6 Prozent leicht aufgestockt und in kleinen Frauenhäusern arbeiten nun drei statt zwei Kolleginnen. Es gebe derzeit jedoch einen Generationswechsel, weshalb junge Fachkräfte gesucht werden.

„Das ist schon schwierig in dem Arbeitsfeld, weil es emotional hoch belastend ist und die Vergütung für die Fachkräfte nicht so attraktiv ist, die auch akademisch qualifiziert sind“, sagt Kesselberg. Zudem wachse die Arbeitsbelastung, weil die Zahl der Stellen bei steigenden Fallzahlen nicht mitwachse. Vor der Lohnerhöhung waren einige Gehälter seit 2005 nicht mehr angehoben worden.

80 Kilometer Anreise zur Beratung

Hinzu kämen Weiterbildungen und Präventionsveranstaltungen, im ländlichen Raum auch lange Wege, die Zeit kosteten. „Es gibt Kolleginnen, die 80 Kilometer zu einer Beratung fahren.“ Für Täterarbeit mit gewalttätigen Männern gebe es derzeit landesweit nur einen Kollegen. Die beiden Beratungsstellen in Schwerin deckten jeweils die Landeshauptstadt, Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim ab – also fast das halbe Bundesland. „Die Mitarbeiterinnen haben den Anspruch, ihr Angebot auch in den angrenzenden Landkreisen anzubieten, in denen es keine Beratungsstellen gibt“, sagt Kesselberg. Aber gute Bedingungen seien das nicht.

Istanbul-Konvention soll Besserung bringen

Verbesserungen soll die Umsetzung der so genannten Istanbul-Konvention des Europarates bringen. Das Abkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt wurde von fast allen europäischen Staaten und der Türkei unterschrieben oder ratifiziert und ist rechtlich bindend. Es schreibe zeitgemäße Präventions- und Interventionsmaßnahmen fest, sagt Kesselberg. „Die Istanbul-Konvention ist ein riesen Schritt nach vorne für uns. Wir wünschen uns natürlich, dass sie in MV gewissenhaft umgesetzt wird und dann möglichst viele Menschen Zugang zum Beratungs- und Hilfenetz haben.“

Dafür brauche es nun erste Schritte der Politik: Für die Umsetzung der Konvention müsste Kesselberg zufolge die Zahl der Plätze in Frauenhäusern und Beratungsstellen erhöht werden. Durchschnittlich liege die Belegungsrate in den Frauenhäusern in MV derzeit bei 90 Prozent, es gebe aber auch Zeiten, in denen Notbetten aufgestellt werden müssten, weil die Plätze zu 100 Prozent belegt seien.

100 zusätzliche Betten müssten kommen

Der Berechnungsformel der Konvention zufolge müsste MV rund 100 zusätzliche Betten in Frauenhäusern schaffen. Und in den Beratungsstellen müsste es einer Berechnungsformel des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe zufolge 73 Vollzeitstellen geben – Jobs in Verwaltung und für Prävention noch nicht mitgerechnet. Derzeit gibt es laut Sozialministerium knapp 20 Vollzeitstellen, die sich 29 Mitarbeiter teilten.

RND/dpa

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